04. September 2020

Wirtschaftliche Folgen der Corona-Krise Provokanter Vorschlag zur Beschleunigung des „Wiederaufbaus“: Unternehmenssteuern abschaffen!

Über einen interessanten liberalen, jedoch nahezu chancenlosen Gedanken

von Andreas Tögel

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Bildquelle: Elnur / Shutterstock.com Unternehmenssteuer: Durch die Hintertür zusätzliche Steuerlast für jeden Bürger

Die ganze Welt steht unter dem Eindruck der Konsequenzen staatlicher Zwangsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Seuche. Ganze Volkswirtschaften herunterzufahren und internationale Lieferketten zu unterbrechen, war mutmaßlich nicht die beste aller Ideen und konnte nicht ohne negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung und die Beschäftigungssituation bleiben. Es steht zu hoffen, dass die Regierungen aus ihren zu Beginn des Jahres gemachten Fehlern ihre Lehren ziehen und auf eine allfällige „zweite Welle“ nicht wieder völlig planlos und panikgetrieben reagieren werden.

Gegenwärtig entfaltet die politische Klasse bekanntlich heftigste Betriebsamkeit in Sachen „Wiederaufbau“. Ein Wiederaufbau, der ohne ihr zuvor vollbrachtes Zerstörungswerk gar nicht notwendig wäre. An erster Stelle des genialen Programms steht, wie immer seitdem die internationalen Geldalchemisten die Finanz- und Wirtschaftspolitik dominieren, die Produktion ungeheurer Geldmengen. Mehr Geld, mehr Prosperität, so die ebenso schlichte wie fehlerhafte Formel. Wirtschaftliche Verzerrungen, die Ausschaltung der Funktion des Geldes als zuverlässiger Signalgeber für die Unternehmen und erhebliche Fehlallokationen sind damit garantiert. Durch das Entfachen von konsumgetriebenen Strohfeuern ist ein durch die Schädigung vieler Wirtschaftszweige verschärftes, längst aber bereits bestehendes Strukturproblem nämlich bestimmt nicht zu beheben. Auf die Idee, weniger Regierungsaktionismus könnte mehr nutzen als schaden, kommt offenbar keiner der Verantwortlichen.

Der Direktor des Schweizer Liberalen Instituts, Olivier Kessler, präsentiert im Zusammenhang mit dem „Neustart“ eine unkonventionelle Idee: Er schlägt auf der Website des Instituts vor, die Unternehmenssteuern abzuschaffen.

Das klingt in den Ohren der im Wohlfahrtsstaat sozialisierten und auf die unentwegte Entgegennahme gegenleistungsfreier Wohltaten konditionierten Untertanen naturgemäß wie Blasphemie. Soll die Ausbeuterklasse sich tatsächlich auf Kosten der unter schwersten Arbeitslasten ächzenden Lohnsklaven noch unverschämter bereichern als schon bisher?

Kessler argumentiert, dass die Unternehmen in Wahrheit ohnehin keine Steuern bezahlen, sondern deren Mitarbeiter und Kunden: „Bei den wahren Trägern der Unternehmenssteuer-Last handelt es sich unter anderem um Arbeitnehmer, die aufgrund der erhobenen ‚Unternehmenssteuern‘ weniger Lohn erhalten, als sie ohne solche Steuern bekommen hätten. Auch sind es die Kunden eines Unternehmens, die einen höheren Preis für die gekauften Produkte bezahlen müssen, denn ohne den Ausgabenposten ‚Steuern‘ hätten die Herstellungskosten und damit der im Wettbewerb entstehende Kaufpreis für das Produkt tiefer liegen können.“

Da ist in der Tat was dran. Unternehmenssteuern sind selbstverständlich ein „Durchlaufposten“, der von allen anderen bezahlt wird, nicht aber von den Unternehmen selbst. Klar, dass die Betriebe die ihnen auferlegten Steuerlasten einpreisen und weiterverrechnen. Kessler: „Es stimmt daher nicht, dass Unternehmenssteuern die restlichen Steuerzahler entlasten. Vielmehr halsen Unternehmenssteuern den Individuen heimlich eine zusätzliche Steuerlast auf – und zwar durch die Hintertür und oftmals unbemerkt.“

Im Grunde läuft der Vorstoß auf die von liberaler Seite seit vielen Jahren erhobene Forderung hinaus, der Staat möge sich möglichst jeden Eingriffs in die Wirtschaft enthalten und sich mit seinen Steuerforderungen zurückzuhalten. Mehr Geld für die Bürger und weniger für den Staat erweist sich stets für alle – mit Ausnahme der politischen Klasse und anderer von Steuergeldern lebenden Damen und Herren – als vorteilhaft.

Kesslers Vorschlag zu Ende gedacht bedeutet, dass Steuern von natürlichen, nicht aber von juristischen Personen zu kassieren sind. Konkret: ja zur Kapitalertragsteuer (auf Ausschüttungen von GmbH und Dividenden von Aktiengesellschaften), aber nein zur Körperschaftsteuer, die auch für nicht entnommene Gewinne fällig wird.

Angesichts der Allmacht der Gewerkschaften und des weit verbreiteten Analphabetentums in Fragen der Ökonomie wird dieser Vorschlag nicht einmal ignoriert werden. Ein interessanter und diskussionswürdiger Gedanke ist es allemal.


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