10. August 2020

ef 205 Editorial

Ein langer Winter der Wahrheit

von André F. Lichtschlag

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Bildquelle: shutterstock

Der Sommer 2020 neigt sich dem Ende entgegen. Genießen wir seine letzten Tage in vollen Zügen! Denn der Herbst wird heißer. Und schließlich steht uns – wie „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt kürzlich in der Diktion eines Roland Baader verriet – „ein langer Winter der Wahrheit“ bevor. 

Juli, August, September – spüren Sie auch diese sich ziehende Ruhe vor dem Sturm? Kennen Sie die Farbfilme aus Privatbeständen im Dritten Reich mit Aufnahmen von der Ostsee und auf Rummelplätzen: Sie heißen „Deutschland im Sommer 1939 – Die Stille vor dem Krieg“, „Die letzten Friedenstage“ oder so ähnlich. Fühlen Sie sich auch ständig daran erinnert? Es ist kein schönes Gefühl, aber zu befürchten ist, dass wir nächstes Jahr um diese Zeit gerne tauschen würden und lieber nur von diesen unbestimmten Ängsten des Sommers 2020 gepeinigt wären. 

Der tägliche Corona-Wahn in Politik und Medien dreht längst frei von jeder Verhältnismäßigkeit. Mangels Toter – auch die Bestatter haben Kurzarbeit angemeldet, kein Scherz – werden inzwischen nur noch die mit steigender Anzahl von Tests auch wieder höheren Zahlen von „Infizierten“ alarmgemeldet. Eine „zweite Welle“ muss offenbar noch her, auch wenn der Sommer nun mal keine Grippesaison ist. Warum? 

Dazu ein kleines Märchen aus einem Paralleluniversum. Ein Gedankenexperiment, keine Verschwörungstheorie. Die Wirtschaft auf diesem anderen Planeten war seit Jahrzehnten von Schuld- und Scheingeld getrieben, die Schieflagen wurden immer größer. Eine durch Überschuldung und billiges Geld angeschwollene Megakrise hatte man 2008/2009 mit noch gigantischeren Mengen an Schulden und Scheingeld ein letztes Mal zudecken können. Jetzt, so meldeten es die Experten dem Establishment vor einigen Monaten bei einem Treffen, nahe leider unaufhaltsam die Stunde der Wahrheit. Die schon viel zu lange angestaute Bereinigungskrise, vor der diese verdammten Libertären immer gewarnt haben, sei nicht mehr länger aufzuhalten. Unsere Zauberlehrlinge seien mit ihren Tricks am Ende. Die Krise mit all ihren Verwerfungen werde nun leider auch dieses Establishment weltweit untergraben, so viel sei klar. „Aber, aber!“, sagte schließlich einer in die verzweifelt dreinschauende Runde, ob es ein Chinese oder Amerikaner war, ist nicht überliefert. „Wir werden doch gar nicht schuld sein! Im Gegenteil, wir werden uns mehr als je zuvor als Helden aufspielen, die alles versuchen, die Gefahr zu bannen. Die Gefahr, das wird eine Krankheit, ein Virus sein. Angst macht Menschen gefügig, also keine Angst, meine Herrn.“ „Aber“, so wandte einer ein, „wir werden doch nichts machen können, das Geld- und Finanzsystem ist nicht mehr zu retten, das wurde uns doch gerade erklärt.“ Nun: „Das ist ja auch gar nicht Sinn der Aktion. Wir werden sogar noch nachhelfen und die Wirtschaft künstlich abwürgen, einmal, wenn es sein muss auch zweimal, dann immer wieder mit Billionen und Billiarden aus dem Nichts draufhalten, damit es schneller geht. Wie gesagt, wir müssen ja als verzweifelte Retter dastehen. Natürlich werden wir scheitern. Das Virus war stärker. Hyperinflation. Dumm gelaufen für die Leut‘.“ Und dann? „Dann brauchen wir ein neues Geld- und Finanzsystem, vermutlich nach der Pleite des Scheingelds mangels Vertrauen erstmal wieder goldgedeckt. Aber da sind die Kollegen aus China, Russland und den USA ja ganz gut vorbereitet mit ihren bestehenden oder in den letzten Jahren massiv und gezielt aufgebauten Goldbeständen. Und die Deutschen verkaufen wir bis dahin an die EU-Schuldenunion.“ Prost. „Prost, meine Herrn. Prost Angela.“ Alles nur eine verrückte Geschichte. Ein Gedankenexperiment zur Auflockerung. 

Nutzen wir die letzten Sommertage vor dem langen Winter der Wahrheit in und mit diesem Heft dafür, noch einmal spielerisch etwas Luft zu holen mit einem Ausflug in die Literatur. Als ich kürzlich ein launiges Porträt und ein längeres Gespräch mit dem Schriftsteller Günter Maschke angeboten bekam, da war ich – zugegeben – zuerst eher skeptisch. Ist das nicht dieser unverbesserliche Sozialist, gewechselt zwar von der Karl-Marx-Fraktion linksaußen zu den Carl-Schmitt-Kameraden auf der anderen Seite des politisierenden Spektrums, real als Dissident verfolgt zwar von einzelnen Staaten, dabei aber immer Staatsfan aus Prinzip geblieben? Einer, den zudem kaum noch einer kennt? Das alles ist richtig. Aber Günter Maschke dachte und schrieb immer schon so radikal, dass er von Gesinnungsfreunden eher gemieden wird. Ein Paria – und der ist in eigentümlich frei schon aus Prinzip immer gut aufgehoben. Wo sonst könnte Maschke noch erscheinen, wenn nicht hier in ef? Und kommt es nicht ohnehin weit mehr auf den Charakter eines Mannes an als auf seine am Ende immer lächerliche politische Gesinnung? Charakter hat Maschke. Lesen Sie also bitte selbst, was er und sein geistes- und gemütsverwandter Kollege Michael Klonovsky uns zu erzählen haben ... 

Wie immer wünsche ich Ihnen, verehrte Leser, bei der Lektüre des gesamten Heftes viel Lesefreude und Erkenntnisgewinn. Sie wissen ja: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Universen und Planeten! Mehr Freiheit!

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Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 14. August erscheinenden September-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 205.


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