02. August 2020

Gedanken zu alternativen Formen des Zusammenlebens Das künstliche Wesen Staat

Stell dir vor, es ist Staat und keiner macht mit …

von Sven Edelhäuser

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Bildquelle: Morphat Creation / Shutterstock.com Thomas Hobbes‘ „Leviathan“: Sinnbild unumschränkter staatlicher Macht

Ich denke, niemand wird mir widersprechen, wenn ich sage: Staaten wurden und werden von Menschen erschaffen. Gleiches gilt sicherlich auch für die Aussage: Staaten werden von Menschen „am Leben“ erhalten. Wenn ich etwas tiefer über mich, mein eigenes Selbst und über das Wesen Staat nachdenke, so wird mir ersichtlich, dass unser Staat jeden Tag, jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde, selbst noch im Schlaf, meine Energie und damit Legitimation braucht, um weiterhin zu existieren. Das ist so, weil dieses unser System künstlich aufrechterhalten werden muss – mit künstlichen Steuern und auch künstlichen Gesetzen, die rein gar nichts mit der Natur des Menschen zu tun haben. Wie irreal und unnatürlich gerade die Welt aussieht, kann sicherlich der eine oder andere genauso erkennen wie ich.

Die Lösung in einer kleinen Abwandlung ist: „Stell dir vor, es ist Staat und keiner macht mit.“ Ja, der Satz ist paradox, weil wenn Staat ist und keiner mitmacht, dann ist auch kein Staat mehr. Also sollte es heißen: „Es war mal Staat, weil keiner mehr mitmacht.“ Oder noch besser: „Es war mal Staat, weil keiner mehr Staat denkt.“

Die Bemühungen, die ein jeder mit wachem Verstand und offenen Augen sehen kann, sind geradezu dazu da, dass alle Menschen mitmachen, dass sich ein jeder der illusorischen Macht des Staates oder auch gerne einzelnen Politiker-Persönlichkeiten unterwirft, teilweise sogar normalen Mitmenschen. Ich möchte hier aber jetzt nicht in Details dieser Bemühungen abschweifen, sondern einen ganz anderen Blick auf das Phänomen Staat werfen, nämlich der Blick in mein eigenes inneres Selbst und damit auf das, was ich selbst dazu beitrage, dass es die BRD immer noch gibt, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünsche als ein Ende der neusozialistischen Ära und ein goldenes Zeitalter der Freiheit, dessen einzige Regel lautet: „Alles ist erlaubt, solange ich niemand anderem damit schade.“

Ich denke, der Sinn des Lebens ist es, zu mir selbst zu finden, also eine permanente Entwicklung meiner selbst. Entwicklung ist in diesem Sinne so gemeint: ent-wickeln, sich herauswickeln aus all den Konzepten, die mir schon als kleines Kind von den Eltern, der Kirche, dem Staat oder der Gesellschaft vorgelebt und vor allem aufgedrückt wurden. Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass ich die Antworten auf das Leben allesamt in mir selbst finden kann. Sicherlich ist ein Anstoß von außen gut, aber nicht zwingend erforderlich, wenn ich Zeit genug habe, um über eine Frage selbst nachzudenken. Bei mir geht es darum zu „sein“ und die Frage, die ich mir dann stelle, ist: Was hält mich davon ab, genau jetzt einfach zu sein, wie ich bin, da zu sein und nicht woanders mit meinen Gedanken? Da wären schmerzliche Erfahrungen aus der Vergangenheit, aus denen Muster, automatische Programmierungen des „Selbstschutzes“ entstanden sind, wobei dieser Selbstschutz im Grunde nur eine Überlebenstaktik ist, damit ich mir in letzter Konsequenz nicht einfach das Leben nehme, aufhöre zu essen oder was auch immer, weil ich den Schmerz nicht aushalte. Das ist also eine natürliche Reaktion der Psyche, ein Konflikt, der nicht gelöst wurde. Das können kleine und große Schockmomente sein, dessen Gefühle in diesem Moment so überwältigend waren, dass ich an diesem Punkt einen Teil meines Selbst nicht akzeptieren konnte oder wollte. Dies nenne ich mal die Abspaltung von Teilen meines Selbst, die dann tief in der Psyche vergraben werden und weiter mit mir nebenherleben mit all den Gefühlen, die damit verbunden sind. In den meisten Momenten ist dies das Ohnmachtsgefühl, gepaart mit Ängsten, nicht geliebt zu werden, aber auch die unterdrückte Wut, die ich mir an der Stelle nicht erlaubt habe zu fühlen und/oder auszudrücken. Daraus resultieren das Gefühl, gar keine andere Wahl zu haben, und das Gefühl, dass jemand anderes mein Leben steuert, also nicht ich selbst. Hieraus resultiert ebenfalls eigentlich ganz logisch, dass ich mit dem Hier und Jetzt, also dem Punkt, an dem ich bin in meinem Leben, nicht zufrieden bin und dann mit meinem Geist in die Zukunft blicke, welche dann an vielen Stellen ebenfalls mit Gefühlen der Machtlosigkeit verbunden ist. Allerlei Horrorszenarien, die mir so tagtäglich in die Ohren und vor die Augen kommen, manifestierten sich da. Immer ist alles begleitet von dem Gefühl, nicht die eigene Kontrolle über das Leben zu haben, was allerdings falscher nicht sein könnte.

Konzepte sind hier eine andere Art der Selbstverwickelung mit „etwas“, das nicht zu mir selbst gehört. Davon haben wir „modernen“ Menschen eine Menge Angebote. Ob es nun das Konzept der Kirchen ist, dass ein jeder schuldig als Sünder in diese Welt geboren wird, oder gar diese ominöse Aussage, dass jedes Kind mit einer so und so hohen Schuldenquote auf die Welt kommt, also „in den Staat geboren wird“. Egal, wo ich hinschaue, wird versucht, mir irgendeine Schuld an irgendetwas von fremden Menschen Erdachtem zu geben, mich damit kleinzuhalten, mich ohnmächtig und unterlegen vor irgendeinem großen Etwas zu fühlen, dass ich nicht im Ansatz greifen oder verstehen kann, ganz einfach, weil es eigentlich überhaupt nichts mit meinem eigentlichen individuellen Selbst zu tun hat.

Damit bin ich auch beim Staat als künstliches Wesen und beim eigenen Anteil, den ich zu diesem Wesen beitrage, mag er auch geringer sein als bei anderen Menschen. Der wohl eindeutigste Punkt ist der Moment, wo ich die Einkommenssteuer überweise. An dieser Stelle kann ich meine eigene Ohnmacht, Wut, aber auch Angst vor dem Staat und seiner Gewalt spüren. Aber was passiert da eigentlich tiefer in mir drin? Ich gebe diesem künstlich erschaffenem Kollektivwesen „Staat“ Macht über mein eigenes Selbst, indem ich einen Teil meines Selbst (Ohnmacht, Angst, Wut, Resignation, etc.) von mir abspalte und über den ganzen großen, ich würde sogar sagen unendlichen Rest meines Selbst stelle. Damit gebe ich einen Teil meines individuellen Selbst zu dem künstlichen Kollektivwesen Staat hinzu. Ich webe sozusagen mit meiner eigenen Energie an diesem unseren Staat mit, der uns alle tagtäglich drangsaliert. Ich legitimiere ihn sogar mit meiner Wut. Der Kampf gegen den Staat ist meiner Erkenntnis nach nicht die Lösung, denn auch dies resultiert aus dem gleichen Mechanismus, dieser Selbstverwicklung mit dem Staat. Wenn ich gegen den Staat kämpfe, dann akzeptiere ich auch, dass er da ist und in gewissen Lebensbereichen Macht über mich hat. Ich unterwerfe mich also diesem unnatürlichen Kollektivwesen Staat und agiere aus einer Verteidigungsposition heraus. Das bedeutet aber nicht in die Verleugnung der momentanen Realität abzugleiten, sondern ist vielmehr als geistige Befreiung zu sehen, um damit gedanklich aus der Negativität zu kommen, wodurch im Alltag auf wundersame Weise positive Ideen kommen und schlussendlich das reale Handeln im Fokus steht, also selbst Lösungen im persönlichen Leben und Umfeld umsetzen. Das nenne ich mal den intelligenten Mittelweg, der allerdings viel mehr Mut braucht, also wutentbrannt den nächsten Kommentar im Nirwana des Internets zu verfassen. Anstatt also mit dem Finger auf andere zu zeigen, die uns natürlich ersichtlich das Leben schwermachen, sollte vielleicht jeder bei sich selbst schauen, warum genau ein jeder sich dies oder jenes von diesen Menschen gefallen lässt.

Ich höre auch des Öfteren den Ausspruch: „Wenn nur der oder der seinen Mund aufmachen würde, dann könnte sich etwas ändern und andere würden den Mut ergreifen, dies nachzutun.“

Was sagt denn solch eine Aussage aus? Dieser Ausspruch zeigt gerade den Verlust des eigenen Mutes. Was wäre wohl los, wenn alle hier im Land lebenden Menschen die Tagespolitik, die Polizei, die Nachrichten, einfach alles ignorieren würden und sich jeder nur noch um das eigene Leben und das seiner Liebsten kümmern würde? Um die eigene Entwicklung und vielleicht sogar noch um die seiner Liebsten? Nicht mit Zwang, sondern in Liebe und mit Verständnis für den Stand des Gegenübers.

Die Energie dem Staat zu entziehen ist meines Erachtens nach, sei es monetär, also materiell, aber vor allem geistig, die Aufgabe unserer Zeit. Erst dreieinhalb Jahre, nachdem Stefan Blankertz damals über den „Agorismus“ (Lösungen abseits des Staates suchen und etablieren) im Jungautorenseminar referiert hatte, verstehe ich tief in mir, was dies überhaupt bedeutet. Das geht mit ganz einfachen Kleinigkeiten los, die ein jeder selbst finden und in sein Leben integrieren kann. Bei mir ist es neuerdings das Herstellen des eigenen Tabaks aus Rohtabakblätter, die tabaksteuerfrei innerhalb der EU verkauft werden. Ein anderes Beispiel ist, dass ich noch nie auch nur einen Pfennig oder Cent an die GEZ überwiesen habe und das auch niemals machen werde. Ich habe auch da meinen eigenen Weg gefunden, der sicherlich nicht für jeden funktioniert. So ist das Leben nun einmal. Und in allererster Linie ist es meine geistige und gefestigte Einstellung dazu. Dies auch in anderen Bereichen zu schaffen, ist der Weg, den ich weiter gehen will. Es gibt also keine Patentlösung für die Freiheit aller Menschen, da jeder Mensch ein individuelles Wesen mit seinen individuellen Fähigkeiten, Wünschen, Ängsten und Zweifeln ist. Es gibt nur eine einzige Regel: „Alles ist erlaubt, solange ich niemand anderem damit schade.“

Die Frage zum Schluss ist: Was war zuerst? Der Gedanke (Geist) oder die Materie, also unsere wahrnehmbare Realität? Wurde also zuerst Staat gedacht oder war er auf einmal einfach so da? Nicht „Nein!“ zu sagen ist in diesem Zusammenhang schon eine indirekte Akzeptanz dessen, was ist oder eben gerade wird. Nun, als kleiner Unternehmer, der versucht seine eigenen Produkte in die Welt zu bringen, kann ich eindeutig sagen: Es ist immer zuerst der Geist. Jetzt könnte jemand sagen: „Aber du würfelst ja nur vorhandene Materie zu einem neuen Materieklumpen zusammen und daher lasse ich Max Planck für mich sprechen:

„Meine Herren, als Physiker, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie widmete, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden.

Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms dieses:

Es gibt keine Materie an sich.

Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält.

Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt [...] so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewußten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche – denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht –, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre!

Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott!

Damit kommt der Physiker, der sich mit der Materie zu befassen hat, vom Reiche des Stoffes in das Reich des Geistes. Und damit ist unsere Aufgabe zu Ende, und wir müssen unser Forschen weitergeben in die Hände der Philosophie.“

(Quelle: Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft, Abt. Va, Rep. 11 Planck, Nr. 1797)

Ich gehe noch einen Schritt weiter mit Friedrich Schiller:

„Wahrheit suchen wir beide, du außen im Leben, ich innen in dem Herzen, und so findet sie jeder gewiß. Ist das Auge gesund, so begegnet es außen dem Schöpfer, ist es das Herz, dann gewiß spiegelt es innen die Welt.“

Somit brauche ich auch keinen Philosophen, der mir die Welt erklärt, denn ich bin selbst ein Philosoph, Entdecker, Forscher und Erfinder, wenn ich es nur will.


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