26. Juni 2020

RezensionDirk Meyer: Europäische Union und Währungsunion in der Dauerkrise

Analysen und Konzepte für einen Neuanfang

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Dirk Meyer, Professor für Ordnungsökonomik an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, zählt zu den deutschen Volkswirten, die ihre Forschungsergebnisse unabhängig von politischer Opportunität vertreten. Als Euro-Kritiker meldete er sich erstmals 1999 zu Wort, beteiligte sich 2010 an zwei Verfassungsklagen und warnte noch 2018 in einem Aufruf vor dem Weg in die Haftungsunion. Im vorliegenden Werk blitzt seine Meinung nur gelegentlich auf – es handelt sich um eine wissenschaftliche, keine populärwissenschaftliche Arbeit. Dem Leser wird einiges an Konzentration abverlangt. Er muss mit Begriffen wie „allokativ effizientes Verhalten“ zurechtkommen. Dafür präsentiert der Autor eine umfassende Durchdringung des Themas, wie sie anderswo auf dem Büchermarkt derzeit nicht zu bekommen ist. In Teil eins wird untersucht, ob die europäische Integration scheitern könnte. Teil zwei beschreibt die Krisenpolitik einschließlich Negativzinsen, Kampf gegen das Bargeld, italienische Bankenrettung und Kosten der bisherigen Griechenland-Rettung. In Teil drei wird die trotz Währungsunion immer noch mögliche nationale Geldschöpfung (ANFA/ELA) erklärt. Dann folgen in Teil vier die Reformvorschläge der Zentralisten (Eurobonds, Europäischer Währungsfonds). Die Teile fünf und sechs behandeln sehr ausführlich alle innovativen Vorstöße, wie der Euro-Falle zu entkommen wäre. Auch der Austritt aus dem Euro wird juristisch und ökonomisch durchgespielt. Meyer favorisiert Parallelwährungen als Lissabon-konforme Krisenlösung, widmet aber auch dem „Hart-Euro“ ein langes Kapitel. Dank des Stichwortverzeichnisses, der übersichtlich gegliederten 24 Kapitel und zahlreicher Literaturhinweise eignet sich der dicke Band vorzüglich als Nachschlagewerk. Dieses Buch ist also fast ein Muss für Zeitgenossen, die sich ernsthaft für die Dauerkrise interessieren, in der die Europäische Union und die Euro-Zone stecken.


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