16. März 2020

Corona-Krise in Deutschland Eine Chance für das Land, zu gesunden?

Der Marsch in die Klimadiktatur ist vorerst aufgeschoben

von Christian Rogler

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Bildquelle: shutterstock Deutschland bleibt Deutschland: Das Land der Dichter und Denker in der Corona-Krise

Nach allen verpassten Chancen der Wiedervereinigung hatte Deutschland noch mehrfach Möglichkeiten, sich auf Augenmaß, Vernunft, Gemeinsinn und das Wichtige im Leben zu besinnen – und auf diese Weise zu einer normalen und zukunftsfähigen Nation zu werden.

Zweimal waren es Krisen, die diese eröffnet hatten, nämlich 9/11 und ein Jahr später die große Flutkatastrophe: Das Resultat erschöpfte sich jedoch in der Wiederwahl Gerhard Schröders und dem Durchbruch eines hässlichen gutdeutschen Revanchismus, der den Irakkrieg zum Anlass nahm, auf Kosten der USA Tag für Tag die Illusion der eigenen Tugendhaftigkeit zu nähren. Die Flut wurde gleichzeitig weithin zu einem ostdeutschen Regionalproblem gestempelt, ein darüber hinausgehendes Zusammenrücken war nicht zu bemerken.

Dann kam das Sommermärchen-Jahr 2006, das aus positiven Emotionen heraus eine Aufbruchsstimmung entstehen ließ. Auch daraus hätte man etwas machen können, etwa ein neues Selbstverständnis entwickeln, das Patriotismus mit Weltoffenheit, Tatendrang und Optimismus vereint. Diese Hoffnung erstarb jedoch schon bald im Klimawahn und im Wirken der bis heute andauernden Katastrophe im Kanzleramt.

Das Jahr 2019 und der Beginn des Jahres 2020 hatten hingegen befürchten lassen, dass dieses Land nicht mehr nur sich selbst im Weg steht, wenn es um eine bessere Zukunft geht, sondern vielmehr noch proaktiv Sehnsucht nach vergangenen Zeiten der Unfreiheit entwickelt.

Wohlstand, Freiheit und Individualität waren nicht mehr gefragt in einer Zeit, in der die „menschengemachte Klimakatastrophe“ uns alle zu verschlingen drohte – außer die Nomenklatura der Klima-Hohepriester selbst, die wie Langstrecken-Luisa, Seenotretter-Carola oder diverse Youtube-Größen immer noch Gelegenheit finden, um die Welt zu fliegen, um unaufschiebbare Interview- oder Lifestyletermine wahrzunehmen.

Neben der „Klimakatastrophe“ war dann auch noch der „Kampf gegen rechts“ das bestimmende Thema – und die Mitverantwortung aller nicht MLPD-kompatiblen Politikansätze für Amokläufe geisteskranker Einzeltäter und mindestens ebenso schwerwiegende Verbrechen wie die Wahl eines FDP-Kandidaten zum Ministerpräsidenten ohne vorherige schriftliche Genehmigung durch die Weltkanzlerin.

Dazu kamen noch das Gejammer über „Ungleichheit“ in einem der immer noch reichsten Länder mit dem höchsten Lebensstandard und das Mainstreaming unverhohlen linksextremer Forderungen auch im ökonomischen Bereich – wie Enteignungen oder „Klima-Zölle“, die man sonst eher in Venezuela oder Nordkorea als konsensfähig erachten würde.

Das Land befand sich auf einer Vollgasfahrt in einen neuen Totalitarismus, und den Leuten schien es zu gefallen. Ein lange Zeit mehrheitlich unpolitisches Volk mit einer fatalen Neigung zur Naivität wurde wieder einmal zur Ansammlung wiedergeborener Jakobiner, wild entschlossen, ideologischen Reinheitsidealen Geltung zu verschaffen. Die „Tagesschau“ gab regelmäßig ihr Plazet dazu, was sollte also passieren?

Dass all die Un-Themen, die den Wahn befeuert hatten, mit einem Mal in den Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung rücken würden, hätte noch vor Wochen kaum einer für möglich gehalten. Aber jetzt ist die sozialistische Revolution fürs Erste infolge unvorhergesehener Ereignisse abgesagt – und man kann dem Coronavirus insofern fast dankbar sein für die Zwangspause, die die Politisierung und Ideologisierung aller Lebensbereiche nun finden wird.

Zweifellos wird die diesjährige Fastenzeit Corona-bedingt auch in weiten Teilen zu einer unfreiwilligen, auch für Personen, die ohnehin nicht gerne unter Menschen gehen. Viele Annehmlichkeiten werden noch für eine längere Zeit ausfallen. Kein Fußball (wohl auch keine EM im Juni), wahrscheinlich kein Kurzurlaub an Ostern oder Pfingsten, das Wertpapier-Portfolio ist im Keller (für Sparplansparer keine schlechte Entwicklung), und der Frühling wird möglicherweise ohne gesellige Abende im Gastgarten stattfinden.

Insgesamt aber könnte sich das Coronavirus als der wirksamste antikommunistische Spielverderber erweisen, der es in den vergangenen Jahren mit den hiesigen „Eliten“ und der „öffentlichen Meinung“ aufgenommen hat.

Das Coronavirus als Störfaktor lässt sich nicht mit den üblichen Mechanismen aus der Welt schaffen, die in diesem Land zur Routine geworden sind: Moralisieren, Empörungspathos und Shitstorms, eine Großdemo oder ein Konzert unter dem Motto „Wir sind mehr“, und notfalls die Schlägertrupps von der Antifa schicken. Sich in hedonistische Ersatzprogramme zu flüchten, ist auch nicht mehr. Clubs, Swingerlokale oder 90er-Partys werden in den kommenden Wochen nicht zu den angesagten Adressen gehören.

Heute redet niemand mehr von der „Klimakrise“, das Gretelein verlegt sich darauf, zum „Online-Streik“ aufzurufen, und von Richard David Precht bis hin zu namenlosen Twitter-Existenzen macht sich der Corona-Neid breit: Warum nehmen die Menschen dieses Virus bloß ernster als unsere „Klimakrise“?

Die staatlichen Universitäten, die größten und wichtigsten steinzeitmarxistischen Nachwuchs-Kaderschmieden, werden geschlossen – ein Schritt, der am besten auch nach dem Abklingen des Coronavirus aufrechterhalten werden sollte.

Dass auch die Kitas dichtmachen und selbst der Schulzwang seinen Meister findet, zeigt sichtbar die Grenzen der Möglichkeiten des Etatismus und des Social Engineering. Der Wert einer intakten Familie wird dem Einzelnen im Stile einer „Luftwatschn“ vor Augen geführt. Wer in seinem Leben keinen eigenen Antrieb, Sinn und höheren Zweck sieht als das, was Politik, Medien und „die Gesellschaft“ ihm über die Jahrzehnte als solche vorgegaukelt haben, ist in Tagen wie diesen eine wirklich arme Sau.

Natürlich bleibt Deutschland immer noch Deutschland. Die grundlegenden Repressionsmechanismen gegen die Opposition funktionieren deshalb noch. Entsprechend wird auch auf laut gedachte Erschießungsphantasien der Linkspartei, Brandanschläge auf AfD-Politiker oder Drohungen gegen die Familien missliebiger Politiker konsequent mit einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz geantwortet – allerdings jener der Opfer und nicht der Täter. Deshalb führen auch nicht gewaltverherrlichende und extremistische Texte linksextremer Künstler zu Entlassungen, sondern nur solche von Xavier Naidoo.

Das „Land der Dichter und Denker“, in dem seit Mitte des 19. Jahrhunderts das Dichten und Denken meist besser unterlassen worden wäre, weil in beiden Fällen nicht viel Brauchbares mehr bei rauskam, will sich weiterhin das Recht auf Utopie nicht nehmen lassen, auch wenn das alles schon zwei Mal mit Leichenbergen geendet hatte. Deshalb auch der Drang, den antitotalitären Konsens der Nachkriegszeit durch einen „antifaschistischen“ zu ersetzen – und aus der linksautoritär deformierten gelenkten Demokratie unserer Tage so bald wie möglich die dritte totalitäre Diktatur in nur einem Jahrhundert zu machen.

Dennoch scheint der Corona-bedingte Ausnahmezustand diesem Vorhaben fürs Erste einen effektiven Riegel vorgeschoben zu haben. Es ist nicht gesagt, dass der politisch-ideologische Wahnsinn, der nun durch ein hartes Stück Lebensrealität ausgebremst wird, nicht nach dem Verschwinden des Virus wieder in vollem Umfang zurückkehren wird. Immerhin sind gefühlte 70 bis 80 Prozent der Deutschen mit einem Virus angesteckt, das noch viel todbringender ist als Corona – nämlich dem (roten, grünen oder braunen) Sozialismus. Es steht aber zu hoffen, dass zumindest bei dem einen oder anderen in der bevorstehenden Zwangspause ein Nachdenkprozess einsetzt.

Und Zeit dazu bleibt ja nun. Da könnte es dem einen oder anderen dämmern: Möglicherweise ist der linkselitäre Zeitgeist der vergangenen Jahrzehnte ein Programm, das nur in Zeiten ohne wirkliche Krise funktioniert. Selbstverwirklichung und „Befreiung“ von „einengenden“ Traditionen und Institutionen sind vielleicht doch nicht das Beste im Leben, wenn man auf unbestimmte Zeit in die soziale Isolation verbannt ist. Möglicherweise sind Minuswachstum, drastischer Verzicht und eine radikale Veränderung unserer Lebensweise, wie wir sie nun über mehrere Monate hinweg erleben werden, etwas, das man dann doch lieber nicht dauerhaft anstreben möchte – wie dies aber auf Seiten der Klimareligiösen der Fall wäre.

Aber wenn man Letztgenannte beim Wort nimmt, können wir uns immerhin auf einen milden und nicht besonders heißen Sommer freuen – augenscheinlich wird die Welt in den nächsten Wochen ja auch den drastischsten Rückgang an Kohlendioxidemissionen seit der Industrialisierung erleben.


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