06. Februar 2020

„Literarische Welt“ und „Welt“ gegen Uwe Tellkamp Darf der Brandbeschleuniger noch verlegt werden?

Die Verlagsleitung von Suhrkamp stellte diese Frage nicht

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Dontworry (CC BY-SA 3.0)/Wikimedia Commons Uwe Tellkamp: Darf man ihn verlegen?

Die „Literarische Welt“ hat versucht, ein Scherbengericht gegen Uwe Tellkamp in Form einer Umfrage unter Schriftstellerkollegen zu veranstalten. Ausgangspunkt war die kecke, weil durch keinerlei Fakten gestützte Unterstellung, der Suhrkamp-Verlag werde den neuen Roman des Dresdners womöglich nicht veröffentlichen. In einer Mail, die von der „Welt“ an diverse Autoren verschickt wurde, heißt es, der Verlag zögere „offenbar“, Tellkamps Roman 2021 herauszubringen, der oder die Angeschriebene möge sich doch bitte zu der Frage äußern, was sie davon hielten und wie sie zu Tellkamps „Positionen“ stünden.

„Faktisch forderte die ‚Literarische Welt‘ also Kollegen Tellkamps dazu auf, die Frage zu beantworten: Soll/darf Tellkamp noch verlegt werden? Bis auf die ‚Literarische Welt‘ beziehungsweise die ‚WamS‘, die das Ergebnis der ‚Umfrage‘ am Sonntag veröffentlichte, stellte niemand diese Frage. Auch die Verlagsleitung von Suhrkamp nicht“, notiert Alexander Wendt bei „Tichys Einblick“, wo der Fall gründlich decouvriert wird.

Das einzige belastbare „offenbar“ bestand wohl darin, dass die „Welt“ den Kreis der Befragten offenbar auf „Intellektuelle“ erweitern musste, da kein Schriftsteller bei diesem Tribunal auf die gewünschte Weise mitspielte; zumindest haben die Genossen Feuilletonisten niemanden gefunden, der die Ansicht kundtat, Tellkamp müsse ostrakisiert werden. Das blieb neben einer sinistren Figur wie Philipp Ruch, dessen Expertise für Literarisches praktisch selbsterklärend ist, der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann vorbehalten, die sich über Tellkamps neuen Roman, von dem sie immerhin den Titel – „Lava“ – und sonst keine Silbe kennt, bestens im Bilde befindet und dem Verfasser bescheinigt, er „mobilisiert gegen den demokratischen Rechtsstaat des wiedervereinigten Deutschlands. Wenn er tut, was der Titel des neuen Romans verspricht, nämlich glühende Lava über das Land zu gießen, dann wird man ihn daran nicht hindern können.“ – „Man muss sich allerdings fragen, durch welchen Vulkan, sprich Verlag, diese Lava sich ergießen soll. Es sollte nicht der Suhrkamp-Verlag sein, denn auch Verlage haben ihre Identität und ein Gesicht zu verlieren.“ Conclusio: „Zu einem Zeitpunkt, wo sich in der Gesellschaft Hass, Antisemitismus und Gewalt mit der Geschwindigkeit des Coronavirus ausbreiten, muss der Suhrkamp-Verlag keinen Brandbeschleuniger auf den Markt werfen.“

Das ist nicht nur schlechtes Deutsch, sondern obendrein islamfeindlich. Ob Frau Assmann jenseits der Zurechnungsfähigkeits- oder bloß der Sittlichkeitsgrenze agiert, möge entscheiden, wessen Nüstern so unsensibel sind, in dieser intellektuellen Gülle noch Differenzen zu erschnüffeln.

„Tichys Einblick“: „Wie die ‚WamS‘ Stimmung gegen Uwe Tellkamp macht“

„Welt“: „Das sagen Intellektuelle zu Uwe Tellkamp“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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