28. Januar 2020

Der britische „Guardian“ berichtet über Vorwürfe gegen deutsche Rundfunkanstalt Ist die Deutsche Welle ein „Nazisender“?

Vom Deutschen Bundestag finanziert

von Benjamin Kaiser

Artikelbild
Bildquelle: Tobias Arhelger / Shutterstock.com Deutsche Welle: Ein Nazisender?

Wie jeder weiß, haben es die Briten mit den Deutschen. An fast allen Supermarktkassen liegen neben der üblichen „chick lit“ (Unterhaltungsliteratur für Frauen) die neuesten Bücher zu den beiden Weltkriegen aus. Es gibt in England kaum eine Tankstelle ohne ein grundständiges Sortiment Kriegsgeschichte. Wer als Mann spannende Bücher lesen möchte, liest über Nazideutschland oder die Schlachtenpläne Kaiser Wilhelms.

Dabei lohnt es sich durchaus, in diese Bücher einmal hineinzuschauen. Anders als in Deutschland ist diese Weltkriegs-Unterhaltungsliteratur durchaus spannend und weitestgehend moralinfrei geschrieben. Die Deutschen kommen dabei zwar schlecht weg, aber erstaunlicherweise nicht so schlecht, wie man das aus der entsprechenden deutschen Literatur kennt. Dramaturgisch laufen diese Bücher immer nach dem gleichen Schema ab: Die einerseits genialen, andererseits aber auch ein bisschen einfältigen Deutschen sind verführt worden. Nun wollen sie die Welt erobern und begehen dabei unsägliche Schandtaten. Kaum ist der Kriegsfall eingetreten, liegt der militärische Totalversager Frankreich auch schon am Boden. Da sonst niemand in Sicht ist, der die Deutschen aufhalten könnte, müssen nach langem Zögern doch wieder die Engländer auf den Plan. Die Rufe nach „Winston“ werden laut, und der Krieg nimmt seinen Lauf. Schließlich gewinnen die Briten zusammen mit ihren amerikanischen Freunden gegen die Deutschen, und die Welt ist wieder in Ordnung. Ende gut, alles gut.

Deutschland, die beiden Weltkriege und der Nationalsozialismus besitzen also eine ungebrochen große Faszination. Zwar wird man als Deutscher nicht mehr, wie es mir als Jugendlicher in den 1990ern erging, mit „Jawohl, mein General!“ begrüßt, aber das „Nazi-Deutschland-Thema“ ist in den britischen Massenmedien immer noch ein Garant für hohe Verkaufszahlen.

Entsprechend groß ist die Freude in den britischen Medien, wenn irgendwo ein Deutscher „den Nazi macht“, und sei der „Naziverdacht“ auch noch so absurd. Und „absurd“ heißt absurd. Schließlich steht derzeit der staatliche, zur ARD gehörende und überdies durch den Bundestag kontrollierte Radiosender Deutsche Welle unter Verdacht. Die Vorwürfe, die der „Guardian“ gegen die Deutsche Welle erhebt, lauten „Rassismus, Antisemitismus und Sexismus“: In der arabischen Abteilung des Senders Deutsche Welle habe ein Mitarbeiter damit gedroht, während einer laufenden Sendung seiner schwangeren Kollegin den Finger zu brechen. Eine Mitarbeiterin der arabischen Abteilung sei vergewaltigt und sexuell belästigt worden. Der verantwortliche Mitarbeiter streitet diese Vorwürfe ab. In den Büros des Senders im „bunten und vielfältigen“ Berliner Wedding seien rassistische und antisemitische Sprüche geäußert worden. Eine schwarze Mitarbeiterin sei laut Aussagen anderer Mitarbeiter ebenfalls rassistisch beschimpft worden. Die Mitarbeiter in den Büros würden sich wie Gefangene fühlen.

Da mag man fast rufen: Hilfe! Tummeln sich in den Räumen der Deutschen Welle die Nazis? Werden hier Menschen gefangengehalten und gequält? Und wenn ja, finanziert der Deutsche Bundestag diesen Nazisender auch noch wissentlich?

Wer die deutsche Medienlandschaft kennt, darf diese Fragen sicherlich mit einem leichten Schmunzeln beiseiteschieben. Was auch immer das Problem mit der Deutschen Welle ist, ein „Naziproblem“ ist es sicher nicht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Radio Libertas“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Mediales

Mehr von Benjamin Kaiser

Über Benjamin Kaiser

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige