27. Januar 2020

Kita in Erfurt schafft den Karneval ab Wegen Nazi-Kostümen

Kein Einlass für Faschingsfaschisten

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Haben in Erfurter Kita keinen Zutritt: Faschingsfaschisten

Es war bisher noch nicht passiert, hätte aber jeden Moment geschehen können. Historische Beispiele gibt es genug, gerade in Dunkeldeutschland, wo Hitler auch ohne Bart erkannt wird. Ein Kindergarten in Erfurt, nach dem berühmten Sprachpflegebeschluss der Bundesregierung vom Sommer 1998 „zur Ausmerzung der Reste von DDR-Vokabular aus dem Verwaltungshandeln“ (ZARDDRVoV) nur kurz „Kita“ genannt, bannte die Gefahr jetzt durch einen entschlossenen Verbotsvorschlag an alle Eltern der Insassen: Kinder dürfen in diesem Jahr erstmals sowohl am Rosenmontag wie auch am Karnevalsdienstag unverkleidet erscheinen, verkleidete Kinder hingegen erhalten als Faschingsfaschisten keinen Einlass.

Hintergrund ist eine Grundsatzentscheidung aus der Karnevalssaison 2017, als die Interessengemeinschaft Oegg e.V. verbindliche Regeln erlassen hatte, um fragwürdige Karnevalsbräuche wie die Verkleidung mit Kostümen, die rassistische, sexistische, kulturalistische oder religiöse Stereotype befördern, um so „Ausbeutung und Unterdrückung von bestimmten Menschengruppen zu rechtfertigen“, verbot.

Verkleiden als Indianer, als Kleiner Muck, als Frau, Muselman aus Tausendundeiner Nacht, als Betonhindernis, Schwein, Kuh, Ratte, Nackter, Zeichentrickfigur oder Lastwagen sind seitdem bundesweit moralisch untersagt, dasselbe gilt für Cowboy, Pirat, Putzfrau und Prinzessin. Ein gesellschaftlicher Konsens, den die Erfurter Kita „Campus Kinderland“ beispielhaft umsetzt – der aber gleichzeitig sofort die üblichen Hetzer, Hasser und Karnevalsschützer mit ihren nationalistischen Reflexen auf den Plan rief.

„Abschaffung der Tradition“ heißt es da, beklagt wird zudem eine angebliche Einschränkung des Spaßcharakters der Kindheit und eine übertriebene Rücksichtnahme auf andere Kulturen. Dabei hatte Kita-Betreiber Sebastian Hollnack, ehemals Schatzmeister der SPD in Weimar, den Eltern seiner Insassen nicht einmal direkt verboten, ihren Kindern Karnevalskostüme in seine Einrichtung mitzugeben. Mitgebrachte Karnevalskostüme müssen allerdings an den beiden sogenannten Karnevalstagen im Fach des Kindes verbleiben, weil „wir im Rahmen eines kultursensiblen Umgangs die Feierlichkeiten nicht maximal ausreizen wollen“, wie Hollnack der „Bild“-Zeitung erläuterte. Ziel sei es, durch ein Verbleiben in den gewohnten Alltagskostümen „für Stereotype zu sensibilisieren, die für die Betroffenen schmerzhaft, zum Teil sogar entwürdigend sein könnten“.

Die Verantwortlichen der Erfurter Kita spielen damit offenbar auf Gender-Zuschreibungen an, die es vielen Frauen unmöglich machen, in Zukunftsberufen wie dem des Influencers oder des Youtubers so viel Geld zu verdienen wie ihre männlichen Kolleginnen. Kinder frühestmöglich ehemals für wichtig erachteter traditioneller Kulturerlebnisse ­und falscher Prägungen zu berauben, gilt als wichtige Maßnahme zur Beseitigung einer kulturellen Spaltung: 97 Prozent aller kritischen Weißheitsforscher sind sich darüber einig, dass Weiß keine Farbe ist, sondern ein Verbrechen, das durch eine Kostümierung, wie sie im Karneval lange Zeit üblich war, nur noch schlimmer wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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