24. Januar 2020

Zum Tod von Terry Jones Der nackte Einsiedler, Knusperfrosch und Spam

Wir verdanken ihm viele Stunden feinster Unterhaltung

von Archi W. Bechlenberg

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Bildquelle: s_bukley / Shutterstock.com Monty-Python-Mitglied und ein kluger Mann: Terry Jones (1942-2020)

Man kann viel über den Tod sagen, und bei weitem nicht nur Freundliches. Dennoch, entgegen seinen Gewohnheiten, gerne plötzlich und unerwartet mit seiner Sense an der Türe zu klopfen („Ach, Sie kommen wegen der Hecke?“) muss man ihm hoch anrechnen, dass er seit 1989 – damals holte er den erst 48 Jahre jungen Graham Chapman ab – bis jetzt seine knochigen Finger von den Mitgliedern der Monty-Python-Truppe fernhielt. Immerhin volle 30 Jahre.

Nun hat er Terry Jones geholt. Der wurde immerhin fast 78, und zumindest seine Familie und Freunde dürften davon nicht besonders überrascht gewesen sein. Seit einigen Jahren war Terry Jones an Demenz erkrankt und aus der Öffentlichkeit verschwunden. 2015 drehte er noch den mäßig lustigen Film „Zufällig allmächtig“ (Regie, Drehbuch, Darsteller), aber danach war Schluss. Die Erkrankung, verbunden mit einem Verlust der Kommunikationsfähigkeiten, ließ Terry Jones verstummen.

Bekannt geworden ist er vor allem durch seine Mitgliedschaft beim Flying Circus, wo der „Ringo der Monty Pythons“ (Volker Bleeck in: „Kommen wir nun zu etwas völlig anderem“, 2008) als Autor und Darsteller brillierte. Gerne spielte Terry schrille Frauen wie Brians Mutter in „Das Leben des Brian“ (1979), die Betreiberin des Spam-Restaurants in „Monty Python‘s Flying Circus“ (1970) oder die Gattin des bei lebendigem Leibe ausgeweideten Organspenders in „Der Sinn des Lebens“ (1983, „Hat er etwa wieder einen dieser albernen Zettel unterschrieben?“). Genauso gerne verkörperte er Männer jeglicher Bauart, so wie den Eremiten in „Brian“, Sir Bedevere in „Die Ritter der Kokosnuss“ (1975), den (nackten) Organisten in der Erpressungsshow „Blackmail“ in „Monty Python‘s Flying Circus“ (1970), Mr. Creosote in „Der Sinn des Lebens“, dem ein zum Nachtisch gereichtes Pfefferminzplättchen den Rest verpasst (und der Putzfrau viel zu wischen) oder auch Mr. Milton, den alleinigen Anteilseigner und Besitzer der Whizzo Schokoladen AG, der in „Monty Python‘s Flying Circus“ (1969) von Inspektor Praline verhört wird: „Wir möchten uns hier mit Ihnen über Ihr Produkt mit der Bezeichnung ‚Die Whizzo-Qualitätsmischung‘ unterhalten.“ – „Ich verstehe.“ – „Was darin ist Knusperfrosch?“ – „Ein kleiner, toter Frosch.“ – „Ist er gekocht?“ – „Nein.“ – „Was, ein roher Frosch?“ – „Aber nein! Er hat einen üppigen Überzug aus fünffach zarter, dreifach sahniger Schweizer Milchschokolade, umhüllt und liebevoll mit Glukose glasiert.“ – „Das mag sein, aber es ist immer noch ein Frosch!“ – „Was sonst?“ – „Nehmen Sie denn noch nicht mal die Knochen raus?“ – „Dann wäre er doch nicht mehr knusprig!“

Bevor er mit John Cleese, Eric Idle, Michael Palin und Terry Gilliam die Monty Pythons gründete, hatte Terry Jones in Oxford studiert. Mitte der 1960er Jahre kam er zum Fernsehen und schrieb Sketche für Comedyshows wie „The Frost Report“, „Do Not Adjust Your Set“ und „At Last the 1948 Show“. Schon während der Zeit bei der „Comedy Machine“ begann er, Regie zu führen, zusammen mit Terry Gilliam drehte er „Die Ritter der Kokosnuss“, solo war er für „Das Leben des Brian“ verantwortlich, ebenso für „Der Sinn des Lebens“ sowie, nach Monty Python, eine Handvoll weiterer Spielfilme, die mehr („Personal Service“, 1987) oder weniger lustig waren. Als Beispiel für Letzteres sei „Erik der Wikinger“ (1989) genannt, ein Film, der so unlustig war, dass man ihn im Laufe der Jahre immer weiter kürzte; allerdings nicht konsequent genug, es blieben zuletzt noch 75 überflüssige Minuten übrig.

Terry Jones war ein kluger Mann. Er hatte in Oxford Englisch und Geschichte studiert, was sich später auszahlte, indem er Bücher verfasste und historische Dokumentationen drehte und moderierte („Terry Jones im Mittelalter“, 2004).

Nun hat Terry Jones seine metabolischen Prozesse eingestellt. „Two down, four to go“ („zwei weniger, noch vier übrig“, John Cleese). Er würde sich auch nicht mehr bewegen, wenn man ihm 4.000 Volt durch seinen Schnabel jagen täte. Er ist abgeritten zu seinen Ahnen. Wir verdanken ihm viele Stunden feinster Unterhaltung, als Autor, als Darsteller, als Regisseur, als Schriftsteller. Geboren am 1. Februar 1942 in Colwyn Bay, Wales, gestorben am 21. Januar 2020 in London. Immerhin.

Danke, Terry!

P.S.: Und ein Wort an den Schnitter: Es wäre zu begrüßen, wenn jetzt für die verbliebenen Montys erst einmal Ruhe vor dir ist. Sagen wir, weitere 30 Jahre?

„A Tribute to the late Terry Jones 1942-2020“ (Englisch)

„Michael Palin remembers Terry Jones“ (Englisch)

„Terry Jones World Penguin Day BBC“ (Englisch)

Brians Mutter (Englisch)

Spam, Spam, Spam, Spam (Englisch)


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