09. Januar 2020

Warum Ökosozialisten an der Regierung das kleinere Übel sein könnten Grüne an die Macht!

Ein libertär-therapeutischer Versuch

von Markus Mostögl

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Bildquelle: shutterstock Für viele Menschen wichtig: Umweltschutz

Die Österreicher wurden am 29. September 2019 vorzeitig wieder zu den Wahlurnen gerufen, nachdem die ÖVP, aus welchen Gründen auch immer, keine Lust mehr hatte, die vergleichsweise konservative Koalition mit der FPÖ weiterzuführen. Da die Grünen 2017 überraschend an der Vier-Prozent-Hürde gescheitert waren, wäre es nicht weiter verwunderlich, wenn auch Bundespräsident Van der Bellen („ehemals“ Die Grünen) nicht unbedingt bis zu den planmäßigen Wahlen im Herbst 2022 warten wollte. Das Ergebnis ist bekannt: Die ÖVP gewinnt dazu, die SPÖ verliert, die FPÖ verliert im Zuge der „Ibiza-Affäre“ noch deutlicher, und die Grünen ziehen, mit dem besten Ergebnis ihrer Geschichte, wieder in den Nationalrat ein. Die Strategie der Schwarzen (lassen wir den lustigen Farbwechsel zu „Türkis“ hier mal beiseite) scheint somit wohl relativ gut aufgegangen zu sein, und als stimmenstärkste Partei hätten sie mit den Roten, den Blauen oder den Grünen jeweils eine Mehrheit im Nationalrat bilden können. Tatsächlich verhandelt wurde allerdings nur mit den Grünen. Der bisherige Koalitionspartner FPÖ hatte das wohl schon früh kommen sehen und im Wahlkampf Slogans plakatiert wie: „Ohne uns kippt Kurz nach links“ oder „Schwarz-Grün gefährdet Deine Zukunft“.

Geholfen hat es jedoch nichts, und die Grünen bekommen in Österreich erstmals einen Platz an den Futtertrögen der Bundesregierung. Vielen Österreichern läuft bei dem Gedanken sicherlich der kalte Schauer über den Rücken, aber ist eine Regierungsbeteiligung der Ökosozialisten tatsächlich so furchtbar? Obwohl das unmittelbare Zerstörungspotential grüner Politik sicherlich alles andere als gering ist, soll hier, ausgehend von zwei wesentlichen Prämissen, nach positiven Aspekten gesucht werden.

Prämissen

Erstens: Das sogenannte westliche System steuert unweigerlich auf eine schwere Korrektur zu. Für große Teile der Bevölkerung wird es dann zu erheblichen Wohlstandseinbrüchen kommen, insbesondere innerhalb der Europäischen Union. Da Reformen in der erforderlichen Größenordnung ohne vorherigen Zusammenbruch politisch nicht umsetzbar sind, ist eine Richtungsumkehr, unabhängig von der Machtverteilung unter den Parteien, nicht mehr möglich. Für Details zu den systemischen Defiziten von Massendemokratien sei auf Hans-Hermann Hoppe verwiesen. Als wesentliche Punkte zu erwähnen wären der Selektionsprozess, der zuverlässig die zweifelhaftesten Charaktere in die Positionen mit der größten Machtfülle hievt, und die inhärente Problematik der hohen Zeitpräferenz.

Zweitens: Die „grüne Bewegung“ (grüne Parteipolitik bildet nur die Spitze des Eisbergs) ist im Kern eine antihumanistische Gesinnung. Unter der nahezu perfekten Tarnung als Umweltschutz zum Wohle der Menschen versteckt sich eine sehr gefährliche Idee: „Die Erde leidet an Überbevölkerung!“ Gaia ist also krank, und die Krankheit heißt „Homo sapiens“! Diese Grundhaltung, gepaart mit einem Hauch von Machthunger, führt schnurstracks in eine zutiefst menschenverachtende Ideologie. Leider wurde das in den Köpfen der Massen (noch) nicht nachvollzogen, weshalb „Umweltschutz“ und die „grüne Bewegung“ gemeinhin weiter positiv besetzt sind. Die meisten Menschen, zumindest außerhalb der Herrschaftseliten, handeln sicherlich in gutem Glauben und nicht in böser Absicht. Selbst die schrillsten AktivistInnen und GrünwählerInnen kämpfen sehr wahrscheinlich aus tiefster Überzeugung für die „gute Sache“. Der Vorwurf richtet sich deshalb keineswegs gegen diese Personen, sondern gegen die fatale Ideologie und ihre Urheber.

Der Philosoph und Autor von „The Moral Case for Fossil Fuels“, Alex Epstein, argumentiert, dass die grüne Bewegung gegen alles kämpft, was dem Blühen und Gedeihen der Menschheit zuträglich ist. Beispielsweise sollen im Bereich der Stromerzeugung nicht nur fossile Brennstoffe (65 Prozent der weltweiten Produktion) verteuert oder gleich verboten werden, sondern auch die, nach ihrer eigenen Definition, klimaneutralen Alternativen Kern- und Wasserkraft (zusammen über 25 Prozent der weltweiten Produktion). Nicht weniger als 90 Prozent (!) der Stromerzeugung werden also als inakzeptabel gebrandmarkt, toleriert und gefördert werden ausschließlich die „erneuerbaren“ Primärenergieträger, hauptsächlich Wind und Sonne. Epstein prognostiziert jedoch: Wenn Wind- und Solarkraftwerke morgen tatsächlich tauglich wären, Energie in großer Skalierung zuverlässig und kostengünstig zu produzieren, so würde die grüne Bewegung umgehend versuchen, auch diese zu ächten und ihre Nutzung so weit wie möglich einzuschränken.

Unter den vielen Möglichkeiten, wie es mit „unserer westlichen Gesellschaft“ weitergehen könnte, seien hier zwei rein hypothetische Szenarien als Orientierungspunkte skizziert.

Szenario eins

Formell konservativ geprägte Regierungen machen eine zentralistische, grün-sozialistische Politik. Die Wirtschaft wird in subtiler Art und Weise weiter verstaatlicht und zombifiziert. Durch massiven Kapitalverzehr wird der Scheinwohlstand noch über Jahrzehnte halbwegs aufrechterhalten, gleichzeitig werden die persönlichen Freiheiten der Bürger immer weiter eingehegt und die individuellen Möglichkeiten zur Lebensgestaltung stark dezimiert. Neue Gesetze und Verordnungen werden dabei stets so dosiert, dass dem Aufkeimen von großflächigem Widerstand vorgebeugt wird; dieses Vorgehen ist auch als „Salamitaktik“ bekannt, die seit langem zum Standardrepertoire jeder Politik gehört. Irgendwann werden die Verwerfungen jedoch so groß, dass die Illusion nicht länger aufrechterhalten werden kann, und es kommt zum gesellschaftlichen Offenbarungseid. Aufgrund fehlender materieller wie auch mentaler Substanz bricht sich das Elend großflächig Bahn. Hunger, Leid und Tod prägen das Bild, einige zivilisatorische Errungenschaften gehen vorübergehend verloren. Die Schuld an dem Desaster kann, aufgrund eines fehlenden Momentums, von den Eliten beinahe beliebig zugewiesen werden. Die Herrscher behalten also weiterhin die Deutungshoheit, und das grün-sozialistische Gedankengut in der Bevölkerung überlebt beinahe unbeschadet. Nachdem sich die angestauten Verwerfungen tsunamiartig ausgeglichen haben, beginnt, ohne nennenswerte Änderung der Grundparameter, ein neuer Zyklus.

Szenario zwei

Formell grün-sozialistisch geprägte Regierungen machen eine zentralistische, grün-sozialistische Politik. Die Wirtschaft wird weiter verstaatlicht und zombifiziert, persönliche Freiheiten der Bürger werden weiter eingehegt und die individuellen Möglichkeiten zur Lebensgestaltung stark dezimiert. Die Grünen achten dabei penibel darauf, dass alle Maßnahmen in Bezug auf Umweltschutz und Rettung des Planeten in der Öffentlichkeit ihrer Regierungsarbeit zugeschrieben werden. Damit sollen die Kräfte besänftigt werden, die sie an die Schalthebel der Macht gespült haben. Es gelingt jedoch nicht, die im Vorfeld befeuerte, international grassierende grüne Bewegung inklusive all ihrer extremen Auswüchse in den Griff zu bekommen, und es entsteht eine folgenschwere Dynamik, die die Politik vor sich hertreibt. Immer schneller werden immer wahnwitzigere Maßnahmen zu Lasten immer größerer Gruppen in der Bevölkerung umgesetzt, bis es nach relativ kurzer Zeit schon zum vorprogrammierten Zusammenbruch kommt. Die zu diesem Zeitpunkt, im materiellen wie mentalen Bereich, noch nicht vollständig ausgeblutete Gesellschaft kann die Auswirkungen besser abfedern, und die Katastrophe fällt deutlich geringer aus als in Szenario eins. Dennoch haben große Teile der Bevölkerung mit desaströsen Folgen zu kämpfen. Durch das klare Momentum werden in den Köpfen der Menschen die aktuellen grün-sozialistischen Machthaber und ihre jüngsten Maßnahmen für das Unglück verantwortlich gemacht. Die Elite verliert diesbezüglich die Deutungshoheit, der positive Bezug zur grünen Bewegung wird nachhaltig beschädigt und damit die wohl schärfste Waffe der Antihumanisten und Möchtegernweltherrscher für wenigstens eine Generation stumpf gemacht. Die nahtlose Weiterführung der grün-sozialistischen Entwicklung wird erheblich erschwert, und es öffnet sich ein Zeitfenster mit mehr Freiheit und Selbstbestimmung für die Untertanen.

Es ist natürlich ziemlich unwahrscheinlich, dass beim Durchschnittsbürger tatsächlich ein derart massives Umdenken stattfinden wird. Auch wenn also das Szenario zwei wohl nicht zur Gänze wie beschrieben eintreten kann, so sind dennoch gewisse Aspekte davon geeignet, eine grüne Regierungsbeteiligung in einem positiven Licht zu betrachten.

Politik unter falscher Flagge

Zunächst kann man feststellen, dass, speziell innerhalb der EU, die aktuell betriebene Politik kaum noch „grüner“ werden kann. Neben dem „ganz normalen Wahnsinn“ manifestiert sich das in der allgegenwärtigen Klimahysterie, die alle bisherigen Bestrebungen zur Bildung eines sozialistischen Weltstaates in den Schatten stellt. Gleichzeitig beträgt der grüne Anteil beispielsweise am mehrheitlich konservativen Europäischen Parlament weniger als zehn Prozent. Auch auf nationaler Ebene haben die Grünen (und die Dunkelroten) kaum offizielle Entscheidungsgewalt. Die faktisch grün-sozialistische Politik wird also weitgehend unter falscher Flagge gemacht und somit in den Köpfen der Bürger ein stark verfälschtes Bild erzeugt. Hätte in Deutschland eine offen grün-dunkelrote Bundesregierung den Karren so weit in den Dreck fahren können, wie es der salamitaktisch nach links driftenden CDU gelungen ist? Man kann es wohl als erwiesen ansehen, dass subtile Machtausübung erheblich effektiver ist als offene Unterdrückung. Eine gewisse Demaskierung könnte hier also durchaus wünschenswert sein.

Krise oder Katastrophe

Noch bedeutender ist sicherlich der Zeitfaktor. Es ist sehr plausibel, dass die Fallhöhe für die anstehende Korrektur mit fortschreitender Dauer immer größer wird und damit die Konsequenzen für die Menschen entsprechend dramatischer ausfallen müssen. Gleichzeitig erschlafft das gesellschaftliche Immunsystem mehr und mehr. Der „krisenfeste“ Anteil an der erwachsenen Bevölkerung, Menschen, die noch im Zeitgeist der Sparsamkeit und Eigenverantwortung geprägt wurden, ist aktuell noch relativ groß. Auch die materielle Substanz ist, trotz allem, noch in belastbarer Größenordnung vorhanden. In 20 oder 30 Jahren sieht die Welt anders aus. Wenn man also davon ausgeht, dass das System nicht mehr reformierbar ist, so kommt man beinahe zwangsläufig zur Erkenntnis, dass ein früherer Zusammenbruch das geringere Übel darstellt, und es hat nichts mit Utilitarismus zu tun, wenn man die schwere Krise der totalen Katastrophe vorzieht. Würde aber eine Erhöhung des grün-sozialistischen Anteils an Regierungen den systemischen Niedergang tatsächlich beschleunigen? Neben dem bereits angeführten internationalen Druck aus der grünen Bewegung spricht auch der Personalfaktor für eine solche Annahme. Während die Politikdarsteller der etablierten Regierungsparteien im Schnitt aus soliden Strukturen kommen, in Kaderschmieden sorgfältig ausgewählt, geformt, poliert und vernetzt werden, befindet sich das machtgeile Humankapital der Ökosozialisten noch im unsteten Fluss. Man darf dort zu Beginn mit weniger prinzipienlosen, aalglatten Opportunisten rechnen und auch veritable Grabenkämpfe sind zu erwarten. Neue Pfründen wecken eben neue Begehrlichkeiten, was durchaus unvorhergesehene Dynamiken in Gang setzen kann, und die komplett fehlende Abgrenzung zum linksextremen Rand wirkt ebenfalls nicht gerade stabilisierend. Wer sollte also besser befähigt sein, das System im Eiltempo über die Klippe zu manövrieren, als die Grünen mit ihren dunkelroten Artgenossen?

Bei diesem Artikel handelt es sich weder um eine konkrete Zukunftsprognose noch um eine grün-sozialistische Wahlempfehlung, sondern eher um einen libertär-therapeutischen Versuch, im Unheil auch positive Aspekte zu bemerken. Als Menschen neigen wir von Natur aus dazu, auf das Negative zu fokussieren. Das war und ist zwar durchaus überlebenswichtig, kann mitunter aber auch kontraproduktiv sein. Aktuell müssen nur die Österreicher das schwarz-grüne Menü verdauen, aber der Hauptstrom fabuliert schon vom Musterprojekt für ein politisches Zukunftsmodell in Europa. Na dann, Prosit Neujahr.


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