19. Dezember 2019

Kohlendioxid-Aberglaube Kein Klima für Greta

Inbrünstig in den Untergang

von Maximilian Kneller

Artikelbild
Bildquelle: Antonello Marangi / Shutterstock.com Hat Forderungen an westliche Staaten: Greta Thunberg

Im Westen schwankt man mittlerweile zwischen Autismus und Aberglauben. Autismus, weil man die Umwelt kaum oder nur noch im Rahmen eigener Zwänge wahrnimmt, und Aberglaube, weil man folgerichtig ein autistisches Mädchen in einen unberührbaren Status ähnlich einer Heiligen hebt.

Doch die angeblich so konsequente Greta, die Scharfrichterin bei sämtlichen klimapolitischen Beschlüssen – zumindest in westlichen Nationen – spielen darf und in dieser Rolle regelmäßig Staatsoberhäupter schulmeistert, wird nur im dekadenten Europa mit Preisen, Auszeichnungen und Jubelpresse überschüttet. „Greta fühlte sich nicht gut“, „Greta enttäuscht“, „Greta warnt!“ Und „Greta fordert von Staaten mehr Engagement“. Liest man regelmäßig in allen etablierten Medien. Für ein junges Mädchen ist sie dabei erstaunlich zweckrational. Höhepunkt der medienwirksam inszenierten Farce Greta Thunberg war bisher ihr inszenierter Wutausbruch auf einer Pressekonferenz: „How dare you?“

Auf der UN-Klimakonferenz lief auch wieder das übliche Schauspiel, in dem sich alle wichtigen Politiker und solche, die sich dafür halten, erzählten, wie wichtig doch Klimaneutralität ist und dass nur so die Erde gerettet werden kann, und wenn wir jetzt nicht sofort handeln, dann überschreiten wir einen Kipppunkt, und die Pole schmelzen, und alles Leben wird ausgelöscht. Dieser „Kipppunkt“ ist ein besonderer Fetisch sogenannter Klimaexperten, ähnlich wie der „Rechtsruck“ für sogenannte AfD-Experten: Irgendwie ist er ständig da, und wenn nicht, steht er in regelmäßigen Abständen unmittelbar bevor.

Unterstellen wir aber einmal, der menschengemachte Kohlendioxidausstoß wäre verantwortlich für das Klima, dann wäre das von Greta eingeforderte Engagement doch sinnvoll, oder? Die Antwort lautet: Nein, absolut nicht. Wenngleich man im Westen und vor allem in Deutschland gerne Klimaretter wäre und sich sowieso absolut nicht vorstellen kann, mit dem eigenen, hypermoralischen Handeln mal nicht Wohl und Wehe der Welt zu bestimmen, ist die Realität eine ganz andere. Geht man nach einem Bericht des „Global Energy Monitor“, so plant China einen Ausbau der Kohlekraft um 149 Gigawatt. Dieses Wachstum entspräche dem Gesamtvolumen der EU-Kohlekraft, dieses beträgt nämlich 150 Gigawatt. China soll im nächsten Jahr bei 1.100 Gigawatt liegen, was Kohleverstromung angeht, und will sich bis Mitte der 2030er Jahre auf insgesamt 1.400 Gigawatt steigern, was also noch mal zweimal die EU wäre. Würde man also dem Rat von „Fridays for Future“-Zehntklässlern folgen und morgen sämtliche Kohlekraftwerke abschalten, und das nicht nur in Deutschland, dem Mutterland der klimamoralischen Selbstüberschätzung, sondern in der gesamten Europäischen Union, so hätte man etwas mehr als ein Zehntel dessen, was China bis 2035 emittieren möchte, aus der Atmosphäre genommen. Dies bliebe natürlich nicht folgenlos für die Wirtschaft. Nicht nur Emissionen, auch sämtliche Jobs dieser Sparte würden nach China oder in andere Schwellenländer abwandern, die in dieser Rechnung noch gar nicht enthalten sind. Tschechien will, gemäß den Klimazielen der EU, seine Kraftwerke beispielsweise bis 2040 vollständig stilllegen. Schade, dass dieses kleine Land nicht einmal 0,2 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen ausmacht. Das ist aber vollkommen egal. Greta und Konsorten geht es, neben der moralischen Selbstveredelung, natürlich um das Symbol. Wann immer Politik keinen realen Zweck verfolgt, geht es plötzlich um ein Symbol. Auf dieser abstrakten Ebene ist es für Dummschwätzer wie Heiko Maas ohnehin viel gemütlicher. Man muss keine Ergebnisse vorweisen können, nur ein bisschen altklug und bedeutungsschwanger erzählen und, ganz wichtig: immer fleißig Donald Trump für dessen Unverantwortlichkeit, auch in der Klimafrage, kritisieren.

Das alles wird verbunden mit dem Glauben, wenn man nur selbst als Vorbild vorweg gehe, würden die anderen schon folgen. Ähnlich dachte man auch in der DDR: Wenn es kein vereinigtes Deutschland geben könne, müsste das kapitalistische Ausland eben im Wettbewerb die Unfehlbarkeit des Sozialismus erkennen und umdenken. Wohin solch staatlich verordnete Hybris führt, hat die Geschichte mehrfach gezeigt, und sie ist im Begriff, es wieder zu tun.

Kommen wir aber nun zu des Pudels Kern: Wieso kritisiert Greta ausschließlich westliche Staaten? Weil ihre Bewegung nur dort Mobilisierungspotential hat. Aberglaube, Erlösungssucht und das Streben nach einem tieferen Lebenssinn in einer rationalen, postklerikalen Welt, das gibt es in diesem Ausmaß nur in Nationen, die sich solch postmaterialistische Anwandlungen leisten können: im Westen, vornehmlich in der EU. Ähnlich dem späten Rom also geht man als vermeintliche Weltspitze sehenden Auges in den eigenen selbstverschuldeten Untergang und glaubt von sich, wenn man dies nur inbrünstig genug tue, würden weniger sentimentale, weniger dekadente Kulturen folgen. Die kleine Greta aber, inszeniert von ihren Agenten und gepusht von allen Medien, stellt weiter ihre inbrünstigen Forderungen, das Weltklima zu retten, an Nationen, die nicht ansatzweise wichtig genug sind, dies zu leisten, dafür aber verkommen genug, auf die Sirenenrufe zu hören. Das alles unter der Prämisse, der menschengemachte Kohlendioxidausstoß habe einen Einfluss auf das Weltklima.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Greta Thunberg

Mehr von Maximilian Kneller

Über Maximilian Kneller

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige