15. Dezember 2019

RezensionMax Otte: Weltsystemcrash

Krisen, Unruhen und die Geburt einer neuen Weltordnung

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Unter den deutschen Fondsmanagern ist Professor Max Otte eine Ausnahmeerscheinung. Weil er politisch Stellung bezieht und seine Meinung zur Regierungspolitik frei und unmissverständlich äußert. Vor allem aber, weil er profunde Kenntnisse der Geopolitik und der Finanzen mit Ausflügen in die Soziologie und die Psychologie verbindet. So auch im vorliegenden Buch „Weltsystemcrash – Krisen, Unruhen und die Geburt einer neuen Weltordnung“, das den Bogen viel weiter spannt als die gängigen Crash-Publikationen. In 16 Kapiteln befasst er sich mit der amerikanischen Weltpolitik vor und nach 1990, mit dem Aufstieg Chinas, dem Abstieg Deutschlands, der Entwicklung der Europäischen Union zu einer EUdSSR, der internationalen Währungsordnung nach dem Ende von Bretton Woods und dem Weg in Repression und Knechtschaft, wobei er schon auf den ersten Seiten an die von Friedrich August von Hayek beschriebene unheilvolle Spirale erinnert. Besonders eindrucksvoll das Kapitel über den „Abstieg der Mittelschicht“ in den USA und auch in Deutschland. Im dritten Teil des voluminösen Bandes folgen Ratschläge, wie man sich auf die Krise vorbereiten sollte und was dann von den verschiedenen Kapitalanlagen zu erwarten ist. Otte gibt nicht vor, zu wissen, wann der Crash eintreten könnte und wie er genau ablaufen würde. Er setzt auf Qualitätsaktien und Gold. Und er warnt eindringlich vor komplizierten Finanzprodukten, an denen nur die Banken verdienen. Er spricht von einem Weltsystemcrash, weil eine zerfallende Weltordnung, zunehmend zerrissene Gesellschaften im Westen und ein labiles Wirtschaftssystem aufeinandertreffen. Ein sehr informatives, gut geschriebenes Buch eines Realisten, das sich mit seinem umfangreichen Anmerkungsapparat auch als Nachschlagewerk eignet. Eine lohnende Lektüre für lange Winterabende.


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