28. November 2019

Buchreihe „Tuttle-Zwillinge“ für Kinder Zu Weihnachten immer Widerhaken

Lerne, dein Gehirn zu benutzen, sonst benutzt es irgendwann dich

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Etwas bleibt immer hängen: Bücher als Weihnachtsgeschenk für Kinder

Es hat einen großen Vorteil, eine kinderlose Patentante zu sein: Wenn das Geschenk zu Weihnachten sowohl die Kinder als auch – heute oft in potenzierter Form – die Eltern enttäuscht, ist eine Erklärung stets zur Hand: „Sie weiß es nicht besser. Sie kennt sich mit Kindern nicht so aus.“ Alle sind besänftigt, die Kirche bleibt im Dorf. Das ist gut, denn enttäuschen tun meine Geschenke kurzfristig regelmäßig. Dies, weil ich mich weigere, Plastikplunder zu verschenken, von dem im Keller bereits vier Kubikmeter lagern, oder Papierfetzen, die man „Geld“ nennt, und die in absehbarer Zeit ihren Wert verlieren werden. Ich schenke Bücher. Frei nach dem Motto: Lerne, dein Gehirn zu benutzen, sonst benutzt es irgendwann dich.

Bücher sind Widerhaken. Und die Eltern meiner Patenkinder haben recht: Ich kenne mich mit Kindern nur insofern aus, als ich selber mal eines war. Aber dank dieser Erfahrung weiß ich: Früher oder später werden Bücher gelesen. Und etwas bleibt hängen in der grandiosen „Apparatur“ unseres Gehirns, das eine zuverlässige Rechenleistung von elf Millionen Bits pro Sekunde (rechte Gehirnhälfte) beziehungsweise 40 Bits pro Sekunde (linke Gehirnhälfte) liefert.

Und was wäre besser, um „hängenzubleiben“, als Freiheit? Echte Freiheit? Nicht die kurzatmige Variante langzeitgestillter Kindermenschen, die sich in den Worten „Spaß haben“ und „Mein Wille geschehe“ zusammenfassen lässt. Nein – die andere Freiheit: Jene, die auf Verantwortung fußt. Verantwortung für das eigene Denken, Fühlen, Entscheiden und Tun. Verantwortung, die auf der Liebe zu einem Leben gründet, das durch sie, und nur durch sie, Tiefe, Weite, Sinn und Grund erhält. Eine Lebensliebe, für die der Respekt und die Achtung anderen Lebens und Tuns zwingende Konsequenz ist.

Indes: Solche Widerhaken, solche Bücher für Kinder zu finden, ist kein einfaches Unterfangen. Dieses Jahr hatte ich Glück: Dank eines Büchertauschs in bestem freiheitlichen Sinn lernte ich die von Elijah Stanfield wunderbar illustrierte Reihe der „Tuttle-Zwillinge“ des Amerikaners Connor Boyack kennen. Ins Deutsche übersetzt und publiziert von Enno Samp. Ich bin begeistert! Hätte man mich vor einem Monat gefragt, ob es möglich sei, die fundamentalen Ideen freiheitlichen Handelns von Frédéric Bastiat, Ayn Rand, Henry Hazlitt und anderen für Kinder aufzubereiten, hätte ich mit Nein geantwortet. Jetzt weiß ich es besser.

Was ist der „Markt“? Oder sollte es „Wer ist der Markt?“ heißen? Ist das Gesetz etwas Gutes? Oder kann es auch schlecht sein? Und die Menschen, deren Beruf „Politiker“ oder „Beamter“ ist? Wollen die nicht, wie alle anderen Menschen mit einem Beruf auch, zuerst selber weiterkommen? Denken sie wirklich als Erstes immer an die „Bürger“ und nicht an sich selbst? Ist Gerechtigkeit, wenn alle gleich viel von allem haben? Oder ist es etwas ganz anderes? Und was ist Geld? Könnte man auch ohne Geld leben? Kann es zu viel davon geben? Und warum in aller Welt ist ein Bleistift nicht einfach ein Bleistift?

Solchen und weiteren Fragen auf der Spur der Freiheit und verpackt in die höchst unterhaltsamen Erlebnisse zweier Kinder nachzugehen, ist ein Lesevergnügen sondergleichen. Und mit Sicherheit ein Widerhaken, der hängenbleibt. Möglicherweise einer, der schmerzt: Nicht in erster Linie die Kinder, die die rohe, ungekochte Freiheit in der Regel sehr gut vertragen. Vielmehr die Eltern – Menschen meiner Generation, denen Freiheit nur noch in ihrer lauwarmen, pürierten und verkochten Form „sozialer Gerechtigkeit“, von „Menschenrechten“, erzwungener „Solidarität“ und lascher „Offenheit“ ein Begriff ist.

Garantiert ist auf jeden Fall: Ob klein oder groß – wer sich auf die Abenteuer der Tuttle-Zwillinge einlässt, gewinnt und wird im wahrsten Sinn des Wortes bereichert. Zentralbanker und Finanzpolitiker mit eingeschlossen.

Connor Boyack: „Die Tuttle-Zwillinge“ (amazon.de)

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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