28. November 2019

Beobachtung auf einem unwirtlichen Bahnsteig Der Apfel…

…der einem Bahnreisenden die Wartezeit vertreibt

von Klaus Peter Krause

Artikelbild
Bildquelle: Klaus Peter Krause Weit vom Stamm: Der Apfel auf dem unwirtlichen Bahnsteig

Man sagt: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieser Apfel ist sehr weit vom Stamm gefallen. Nicht sanft auf einen weichen Rasen, sondern unsanft auf den Plattenbelag eines unwirtlichen Bahnsteigs und so gar nicht passend zu der bekannten Redewendung, mit der wir im übertragenen Sinn zu bemerken pflegen, dass ein Sprössling nach den Eltern geraten ist. Ein Reisender muss den Apfel verloren haben. Ein Kind vielleicht. Den Verlust wird es erst bemerken, wenn es ihn verzehren will. Es wird sich auf den Verzehr gefreut haben. Aber der Apfel ist weg, liegt nun einsam da auf diesem Bahnsteig, sieht nicht aus wie heruntergefallen, sondern wie unbeschadet hingelegt. Ein Zug kommt an. Viele Leute steigen aus. Niemand hebt den Apfel auf. Achtlos laufen sie an ihm vorbei. Es ist ein trüber, feuchtkalter Novembertag. Der Apfel hätte Besseres verdient. Ein Reisender, der auf den Anschlusszug wartet, vertreibt sich die Zeit damit, im Apfel ein Motiv zu sehen. Er fotographiert ihn. Kindergedichte über den Apfel fallen ihm ein. Aber auch er hebt ihn nicht auf. Sein Zug fährt ein. Der Apfel bleibt ziemlich allein zurück. Wie lange mag er dort wohl liegen bleiben?

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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