20. November 2019

Melanie Amann und Stephan Anpalagan über „Don Alphonso“ Brutalo-Blogger im Visier

Beitrag zur Meinungsfreiheitsschutzdebatte

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Bedroht die Grundvereinbarungen des zivilisierten Miteinanders: Brutales Bloggen

Die Lage ist offenbar verzweifelt, der Feind steht schon im Wohnzimmer, bedrohlich, blutig und mordlüstern. Alarm in Mediendeutschland! Ein Mann, der Rainer Meyer heißt, sich aber „Don Alphonso“ nennt, bedroht die Grundvereinbarungen des zivilisierten Miteinanders, indem er Texte schreibt, die nicht jedem gefallen. Darin geht es um Ferraris und Fahrräder, um Doppelmoral und Reichtum, immer wieder aber auch um Menschen und Medien und die Furcht beider, beim Schwindeln ertappt zu werden.

Don Alphonso hat eine Feder, ein Blatt Papier und trotz der angespannten Lage an der Meinungsfront noch immer diverse Möglichkeiten, sich öffentlich zu äußern. Melanie Amann, ihres Zeichens nicht nur Autorin des furchteinflößenden Bestsellers „Angst für Deutschland“, sondern als Chefin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros auch hauptberuflich eine Art Bundesangstbeauftragte mit Warnermächtigung, hat sich jetzt aus gegebenem Anlass der Widerstandsbewegung gegen Alphonso angeschlossen. Die war notwendig geworden, weil der Vater der „Stützen der Gesellschaft“ zuvor offenbar gedroht hatte, mehrere Tausend ehrliche und aufrechte deutsche Leitmedienmitarbeiter durch seine Handlanger einschüchtern, bedrohen und ermorden zu lassen.

Zwar schrieb Amann noch nicht selbst Meterstücke, um die Ungeheuerlichkeit ungenehmigter Ansichtenverbreitung anzuprangern. Doch ihre Verlinkung eines „lesenswerten Beitrages über die Methode des Brutalo-Bloggers Don Alphonso, inklusive einem Rückblick, wie deftig er sich früher über seinen heutigen Brotgeber ‚Welt‘ äußerte“ hat auch so genügend Qualität. Grammatikalisch an der Grenze zur Genitiv-Poesie, ohne aber den so oft geschmähten Dativ zu verweigern, nennt Amann zwar nicht die Methode, um die es geht. Doch dass der „heutige Brotgeber“ (Amann) sich gar nicht glücklich schätzen kann, einen „Brutalo-Blogger“ zu bezahlen, das ist unverkennbar.

Sind da nicht Konsequenzen angesagt? Muss nicht jemand, der sich „deftig“ über seinen späteren Arbeitgeber geäußert hat, als der noch gar nicht sein Arbeitgeber gewesen ist, sofort aus dessen Mitarbeiterbestand entfernt werden? Unverzüglich? Immerhin sind beleidigende Äußerungen wie „Drecksblatt“ erst vor zwölf Jahren gefallen, und das „rechtsreaktionäre Müllblatt aus dem Springersumpf“, über das Meyer damals wetterte, „ist dieselbe ‚Welt‘, für die er heute arbeitet“, wie Stephan Anpalagan von der rechtspopulismuskritischen Plattform „Volksverpetzer“ schreibt.

Anpalagan hat sich viel Mühe gemacht, dem „Don“, wie ihn seine menschenfressenden und linketrollenden Anhänger nennen, die schreckliche Maske vom Gesicht zu reißen. Für die „Welt“ arbeite Meyer mittlerweile nur, hat der Diplomtheologe, Kolumnist, Unternehmensberater und Mitglied der Band „Microclocks“ herausgefunden, weil die „FAZ“ „ihn und seine Kolumnen rausgeschmissen hat und er beinahe in dieselbe Arbeitslosigkeit geriet, die er zuvor anderen Journalistinnen hämisch vorgehalten hatte“.

Melanie Amann dagegen ging nach frühen Stationen beim Bonner „General-Anzeiger“ und der „Süddeutschen Zeitung“ zur „Financial Times Deutschland“, ehe sie zuerst zur „FAZ“ und dann zum „Spiegel“ wechselte, um nun mit dem Begriff „Brutalo-Blogger“ sprachbildend tätig zu werden.

Augenzwinkernd angelehnt an den „Brutal-Blogger“, den ihr „Spiegel“-Kollege Marc Pitzke vor zwölf Jahren für einen tagebuchführenden US-Soldaten im Auslandseinsatz in Bagdad erfunden hatte, leistet die 41-Jährige einen unschätzbaren Beitrag zur Meinungsfreiheitsschutzdebatte, die von interessierten Scharfmacher-Kreisen weiter angeheizt wird, selbst nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sie bindend für beendet erklärt hat. Amann, die nach einer Auflistung des „Medium Magazin“ noch 2015 zu den „zehn führenden politischen Journalisten Deutschlands“ gehört hatte, hat damit gute Chancen, einen Schlussstrich unter eine Diskussion zu ziehen, die „auf eine bewusste Strategie interessierter verantwortungsloser Kräfte“ (Steinmeier) zurückgeht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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