20. November 2019

Wenn es ein Bedingungsloses Grundeinkommen gäbe Neulich beim Putzen

Pleite für die kommende Generation

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Bedingungsloses Grundeinkommen: Sinnsuchend Fett und Schimmel kratzen

Letzthin rief hier ein Mann wegen eines Putzjobs an. Einmalige Sache. „Große Baustelle“. Auf meinen Bescheid hin, dass ich ausgebucht sei und außerdem als „Ein-Mann-Unternehmen“ für „große Baustellen“ nicht die richtige Adresse sei, lachte er. Es handle sich um ein kleines Haus. Mit „großer Baustelle“ meine er die Hinterlassenschaft der letzten Mieter. Ich willigte ein. Nicht des Geldes wegen, sondern weil ich das, wovon ich von Vermietern schon so oft gehört hatte, sehen wollte. Es lässt sich mit dem Wort „widerlich“ zusammenfassen.

Ich mache mich an die Arbeit. Und dann stelle ich mir vor, wir hätten ein BGE und das Pro-Argument der Freiwilligkeit würde der praktischen Prüfung seiner Wirklichkeitstauglichkeit ausgesetzt. Ich sehe vor mir, wie in begeistertem Ehrenamt die Schamhaare von drei Generationen aus stinkenden Abflüssen geklaubt werden. Wie sinnsuchend Schicht und Schicht Schimmel und Fett von Küchenkombis und -wänden gekratzt werden. Ein Bild ungetrübten Enthusiasmusses und solidarischer Kreativität.

Halt, sagt die Pro-BGE-Seite. Solche Drecksarbeiten würden bestimmt nicht im Ehrenamt gemacht werden – aber weil die Leute nicht darauf angewiesen wären, hätten die Arbeitgeber, in diesem Fall die Vermieter, endlich einen „fairen“ Lohn zu zahlen. Nicht mehr 15 Euro brutto beziehungsweise neun Euro netto, sondern 50 brutto. (Das BGE-ergänzende Netto, das nach Abzug des Prozentsatzes zur Finanzierung des BGE bleibt, der in einer Größenordnung sein müsste, die den Enthusiasmus durchaus etwas dämpfen könnte, findet keine Erwähnung in der schönen BGE-Welt.)

Okay. Lassen wir uns darauf ein und beschränken uns auf die Feststellung, dass die Vermieter massiv höhere Löhne zahlen müssten. Und da ist der nächste Haken: Sämtliche Vermieter, die hier auf dem Land Häuser und Wohnungen vermieten, sind Private. Viele von ihnen Selbständige. Das oft in Wochenendarbeit gebaute oder renovierte Objekt ist Einkommen und Vorsorge zugleich. 1.000 Euro für zweimal zehn Stunden Putzarbeit sind im besten Fall uninteressant oder schlicht nicht drin. Was geschieht also? Putzen sie selber? Einmal vielleicht, ja. Aber dann werden sie versuchen, dies zu vermeiden. Und zwar dadurch, dass potentiellen Mietern verstärkt auf den Zahn gefühlt und Referenzen eingeholt werden. Viele Leute werden unter diesen Umständen keine Wohnungen oder Häuser mehr kriegen. Und viele Häuser und Wohnungen werden leer stehen.

Die Folgen: Weniger Jobs. Gesetz, das Vermieter zur Vermietung verpflichtet. Verkaufswelle. Kollabierende Immobilienpreise. Kollabierende Steuereinnahmen. Ein zerstörter Markt.

Kurz: Weniger Wohlstand für alle. Pleite für die kommende Generation. Wobei diese von solchen Aussichten eigentlich begeistert sein müsste, da eine radikale Wohlstands- und Konsumdrosselung ihrer Meinung nach gut fürs Klima ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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