15. November 2019

Symposion über die Österreichische Schule im 21. Jahrhundert in der Oesterreichischen Nationalbank Geopolitik und Wirtschaft

Ein oft übersehener Zusammenhang

von Andreas Tögel

Artikelbild
Bildquelle: ferriphor / Shutterstock.com Beherbergte ein Symposion zur Österreichischen Schule: Oesterreichische Nationalbank in Wien

Im Rahmen eines unter Beteiligung des Wiener Hayek-Instituts und des Austrian Economics Center im Kassensaal der Oesterreichischen Nationalbank abgehaltenen Symposions mit dem Titel „The Austrian School of Economics in the 21st Century“ („Die Österreichische Schule der Ökonomie im 21. Jahrhundert“)fungierte eine Reihe hochkarätiger Fachleute als Referenten. In drei parallel laufenden Vortragsreihen wurden Themen wie „Free private cities – there is an alternative“ („Freie Privatstädte – Es gibt eine Alternative“), „The intellectual partnership of Hayek and Popper“ („Die geistige Partnerschaft zwischen Hayek und Popper“), „Law and praxeology“ („Recht und Praxeologie“) und viele andere, zumeist wirtschaftsbezogene Themen behandelt.

Wie immer wenn eine nichtlinke Organisation zu einer Veranstaltung ruft – besonders dann, wenn sie in einer öffentlichen Einrichtung stattfindet –‍, gab es schon im Vorfeld aufgeregte Kritik. Schon am 15. Juni des Jahres ereiferte sich Renate Graber im „Standard“ unter dem überaus subtilen Titel „Saalschlacht in der Notenbank“ über die Ankündigung dieses Symposions. Der angeblich „rechte Ökonom“ Thomas Woods („The Church and the Market“), tatsächlich ist er allerdings Historiker, sollte im Rahmen dieser Veranstaltung geehrt werden. Unerhört! Für das lachsrosa Blatt ein Grund zur Empörung, zumal der zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung erst designierte neue Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Robert Holzmann, als FPÖ-nahe gilt – wie auch die Vizepräsidentin der Nationalbank und Organisatorin dieser Tagung, Barbara Kolm.

Als besonders interessant erwies sich eine prominent besetzte Podiumsdebatte zum Thema „A transatlantic view on economics, finance and governance“ („Eine transatlantische Sicht auf Wirtschaft, Finanzwesen und Staatsführung“), in der es um die internationale monetäre und wirtschaftliche Entwicklung seit dem Abschluss des Abkommens von Bretton Woods im Jahre 1944 ging. 1971 kam es zur Beendigung der Bindung des Dollars an das Gold und damit faktisch zum Ende der internationalen Währungsordnung, 2002 zur Einführung des Euro und ab den 1990er Jahren zum Aufstieg Chinas, der auf das Wirtschaftsliberalisierungsprogramm Deng Xiaopings folgte. Alle Diskutanten waren sich darin einig, dass Europa kein Einnahmen‑‍, sondern ein Ausgabenproblem hat. Versuche, jedes vermeintliche Problem unter Unmengen von (Steuer‑) Geld zu begraben, sind unsinnig. Internationale Studien beweisen, dass es eine – negative – Korrelation zwischen der Höhe der Einkommenssteuern und dem Wirtschaftswachstum gibt. Mit Steuern zu steuern, führt in die falsche Richtung. Die Bürger ausschließlich als Steuersubjekte zu betrachten, denen der Staat deutlich weniger als die Hälfte ihrer Einkommen lässt, ist jedenfalls kontraproduktiv. In den Unternehmen verbleibende („nicht entnommene“) Gewinne sollten steuerfrei bleiben.

Der Soziologe und Politikwissenschaftler Erich Weede widmete sich dem häufig übersehenen „Zusammenhang zwischen Geopolitik und Wirtschaft“. Unübersehbar stehen nach seiner Ansicht Aufstieg und Fall einer Nation stets in einer engen Beziehung zu ihrer wirtschaftlichen Organisation und ihren Außenhandelsverbindungen.

Jahrhundertelang profitierte Europa von seiner kleinräumigen Organisation und der Konkurrenz zwischen den Nationen. Wettbewerb, so Weede, stellt den entscheidenden Fortschritts- und Entwicklungstreiber dar. Ebenso wichtig wie der internationale Wettbewerb ist allerdings das Vorhandensein von „Ausstiegsoptionen“, die besonders die kleinen Staaten zu einer (nicht nur steuerlich) moderaten Behandlung ihrer Bürger zwingen. Wird mit der Regulierung übertrieben oder die Steuerschraube zu scharf angezogen, beginnen ausgerechnet die Produktivsten, das Land zu verlassen. Genau das ist derzeit in Deutschland zu beobachten: Viele Millionäre und gutausgebildete Junge wandern in hellen Scharen aus.

Riesenstrukturen, im Extremfall ein Weltstaat, aus dem es kein Entrinnen gibt und in dem die Bürger der Willkür Leviathans ohnmächtig ausgeliefert sind, sind daher für die Freiheit der Bürger – und für den kollektiven Wohlstand – ein Albtraum.

Die am Beginn der Neuzeit erfolgte Abkehr Chinas vom Außenhandel und seine starke Zentralisierung zogen seine wirtschaftliche Stagnation nach sich. Die Selbstbespiegelung Chinas ebnete der europäischen Weltherrschaft den Weg. Maos Kollektivierungen im Zuge des „Großen Sprungs nach vorn“ (1958 bis 1961) führten zu einem katastrophalen wirtschaftlichen Niedergang, der sich in rund 40 Millionen Hungertoten manifestierte. Erst Deng Xiaopings wirtschaftliche Liberalisierung im Inneren und die Öffnung Chinas nach außen brachten eine dramatische Wende, die das Reich der Mitte zur heute größten Wirtschaftsnation der Welt machte. Weede rechnet damit, dass China bis zum Jahr 2050 über die doppelte Wirtschaftsleistung verfügen könnte wie die USA.

Freihandel schafft Wohlstand, und der sorgt für Frieden: Wer miteinander Handel treibt, schießt nicht aufeinander. Weedes Überlegung, wonach Donald Trumps protektionistische Wirtschaftspolitik eine potentielle Bedrohung für den Weltfrieden bedeutet, ist daher nachvollziehbar. Im Hinblick darauf, dass im Abstieg begriffene, sich herausgefordert fühlende Mächte immer wieder versucht haben, das Rad der Geschichte durch kriegerische Mittel aufzuhalten, sind seine Gedanken mehr als plausibel.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Marktwirtschaft

Mehr von Andreas Tögel

Über Andreas Tögel

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige