08. November 2019

Angebliche Hetze „der AfD“ gegen das Nürnberger Christkindl Benigna Munsi Parteien als Kondensatoren der Dummheit

Ein Beispiel für funktionierende Einwanderung

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Elena Dijour / Shutterstock.com Christkind: Blond und biodeutsch?

Die 17-jährige Gymnasiastin Benigna Munsi ist das neue Nürnberger Christkindl. Wenn man „Bild“ Glauben schenken darf, und das tu‘ ich in diesem Fall, dann spricht die gebürtige Nürnbergerin neben Deutsch auch Englisch, Portugiesisch und Spanisch, ist Ministrantin, singt im Jugendchor der Nürnberger Kirchengemeinde St. Bonifaz und spielt Oboe (übrigens das anspruchsvollste Holzblasinstrument). Ihr Vater ist Inder, die Mutter Deutsche. So funktioniert Einwanderung, wenn sie denn funktioniert.

Anders als diverse Medien jetzt schlagzeilen, hat nicht „die AfD“ gegen diese Wahl „gehetzt“, sondern zwei ausgemachte Trottel in der AfD teilten mit, dass nach ihrer Ansicht das Christkindl so blond und biodeutsch zu sein hat wie der Heiland beziehungsweise jeder anständige Christenmensch. Man darf die Nürnberger Wahl nicht verwechseln mit der aufdringlichen Multikulti-Propaganda eines Kardinal Woelki oder der Deutschen Bahn (die einige ihrer Kampagnen-Modelle ja klammheimlich ausgetauscht und das Gesamtbild ins Realistische zurückverwandelt hat). Niemand will beispielsweise das Christkindl in eine Lichterfestgretel umformatieren. Die junge Frau macht einen sympathischen Eindruck, sie ist hübsch, gebildet, Deutsche und vor allem: Christin. Was spricht also gegen ihre Nominierung?

„Mit solchen Aktionen stützen unterbelichtete AfD-Funktionäre den linken Vorwurf der generellen Ausländerfeindlichkeit in dieser Partei“, schreibt ein Leser. Genau so ist es – auch wenn „Funktionäre“ zu hoch gegriffen ist (der „Münchner Merkur“ nobilitierte einen der beiden, einen IT-Angestellten, stracks zum MdB).

Wie Don Nicolás bemerkte, sind Parteien Kondensatoren der Dummheit, das gilt für alle, wobei sich nicht der Grad, wohl aber der Inhalt der Dummheit von Partei zu Partei unterscheiden mag. Während bei den Grünen und den Linken exponierte Knallköpfe behaupten, es existierten keine ethnischen und kulturellen Unterschiede zwischen den Menschen, versammeln sich am Rande einer konservativen Partei naturgemäß auch Leute, die meinen, dass primär Abstammungskriterien über die Staatsvolkszugehörigkeit entscheiden sollten. (Besonders pikant wird es, wenn solche Leute wenige oder keine Kinder haben, nicht oder nur noch ein bisschen christlich sind und über elementare Kenntnisse der abendländischen Kultur kaum mehr verfügen; dass sie an der Fortführung Letzterer arbeiten, wird man ja nicht verlangen können.) Ich halte das, allein schon aus persönlichen Gründen, für aussichtslos und töricht.

Natürlich kann jeder bevorzugen, wen oder was er will, und sich auch öffentlich darüber auslassen. Aber wer einem gebürtigen Nürnberger Christenmädel die Eignung abspricht, das Nürnberger Christkindl zu verkörpern, weil der Vater zwar Arier ist, aber kein gebürtiger Deutscher, der sollte sich besser zur NPD trollen.

PS: Natürlich frage ich mich bei solchen Posts jedes Mal, ob das inszeniert ist, ob da nicht heimlich Geld fließt, oder ob die wirklich so drauf sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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