17. Oktober 2019

RezensionPapst Benedikt XVI.: Ja, es gibt Sünde in der Kirche

Zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche

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Im Februar dieses Jahres versammelten sich auf Einladung von Papst Franziskus die Vorsitzenden aller nationalen Bischofskonferenzen der Welt, um über die Krise der Kirche zu beraten, die durch den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker ausgelöst worden war. Für manche überraschend meldete sich damals der bis dahin zurückgezogen in einem Kloster lebende emeritierte Papst Benedikt XVI. mit einem Diskussionsbeitrag in einer katholischen Zeitschrift zu Wort, der von Anhängern des linksliberalen Zeitgeistes als Affront empfunden wurde. Denn Benedikt XVI. führt darin den Missbrauchsskandal auf die Normlosigkeit und Glaubensschwäche zurück, die sich im Westen im Gefolge der „sexuellen Revolution“ der Achtundsechziger-Bewegung breitgemacht hatten. In den Hauptstrommedien wird der Missbrauchsskandal hingegen noch heute eher auf den angeblich durch die Zölibatspflicht verursachten Triebstau der Geistlichen zurückgeführt. Albert Christian Sellner, wie der Rezensent aktiver Teilnehmer und späterer Kritiker der Achtundsechziger-Bewegung, belegt in seinem Vorwort anhand seiner eigenen Biographie, dass der emeritierte Papst mit seiner Diagnose wohl richtig liegt. Benedikt XVI. sieht in den sexuellen Vergehen vieler Priester überdies die Folge der relativistischen Missinterpretation von Ergebnissen des Zweiten Vatikanischen Konzils durch einflussreiche Bischöfe. Diese schritten nicht ein, als sich in etlichen Priesterseminaren kaum verhohlen homosexuelle und pädophile Clubs bildeten. So etwas könne nur in einer gottlosen Gesellschaft geschehen, betont der Papa Emeritus. Der Abfall vom wahren Glauben sei bereits manifest geworden, als sich deutsche Bischöfe und Theologen gegen die 1993 veröffentlichte Enzyklika „Veritatis splendor“ von Benedikts Amtsvorgänger Johannes Paul II. stellten. Darin hatte der polnische Papst klargestellt, dass es Handlungen gibt, die in jedem Fall strafrechtlich geahndet werden müssen und durch keinerlei Güterabwägung entschuldigt werden können. 


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