02. September 2019

„Süddeutsche“ und „Titel, Thesen, Temperamente“ über die AfD-Kulturpolitik Rechtspopulisten gegen die finanzielle Sorgenfreiheit der Kunst!

Erschütternd illiberale und offenheitsfeindliche Attacken

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Manaf Halbouni (CC BY-SA 4.0)/Wikimedia Commons Von weltverschlossenen Schwefelbuben diskreditiert: Schrottbusse vor der Dresdner Frauenkirche

Der „Süddeutsche Beobachter“ hat in schöpferischer Zusammenarbeit mit dem sogenannten TV-Kulturmagazin „Titel, Thesen, Temperamente“ ein Zwei-Mann-Team gebildet – die Vermischung von privatwirtschaftlich und staatlich finanzierten Medien schreitet, wie man sagt, munter voran –‍, um zu dokumentieren, „wie Rechtspopulisten und Rechtsextreme Kultureinrichtungen in Deutschland unter Druck setzen“. Wichtig ist das Framing: Das gerade noch tolerable „rechtspopulistisch“ wird mit dem grundverwerflichen „rechtsextremistisch“ zusammengerührt und dadurch vergiftet. (In Kitas und TV-Redaktionen soll das besonders gut wirken.) Leider ist die „Chronik“ nicht online, nur der Vorspann, weshalb ich in meiner unbedingten Minderheitenbevorzugung den wenigen Nicht-Abonnenten des „Süddeutschen“ ein bisschen daraus vortrage.

„Manchmal sind es anonyme Hassmails oder Mord- und Bombendrohungen. Manchmal sind es Strafanzeigen, Störaktionen, Demonstrationen gegen Kunstprojekte oder Polemiken“, hebt der Beitrag an, ohne den Framing-Modus zu verlassen. „Manchmal sind es Anfragen und Anträge der AfD in Parlamenten, Stadträten und Kulturausschüssen.“

Gut, Hassmails, anonyme Morddrohungen, Angepöbeltwerden, Gegendemonstrationen, das gehört für AfD-Mitglieder zur Daily Soap, aber die wollen sich bekanntlich nur in der Opferrolle aalen. Nein, suhlen. Wenn aber Angst essen sensible Künstlerseelen auf, ist das ein ganz anderes Format. Was weiß denn so ein braunes Waschbretthirn, wie einem durch die Abendnachrichten traumatisierten Berliner Intendanten oder einem Wirsindmehr-Erbsenprinzesschen zumute ist, wenn plötzlich auf dem Laptop die Hassbotschaft aufpoppt?

„Die Akteure aus dem rechten und rechtsextremen Milieu und ihre Mittel sind unterschiedlich. Was sie verbindet, ist die Aversion gegen ein weltoffenes, liberales Kulturleben und der Versuch, Kunstinstitutionen zu diskreditieren.“ The same procedure as everyday: Wie die Kategorien „rechts“ und „rechtsextrem“ werden auch Kleine Anfragen im Parlament mit anonymen Morddrohungen zu einer Sauce verquirlt.

Zartere Gemüter als ich bringen dafür den Begriff „Lügenpresse“ in Vorschlag, aber richtig gelogen ist es ja nicht; wir haben es lediglich mit gewöhnlicher Hetze und einer Sorte von Regierungspropaganda zu tun, für deren Plumpheit man sich in Ungarn oder Russland durchaus noch schämen würde. So viel zum Präludium, wir kommen zur Chronik.

Welche liberalen Kunstwerke sind von den weltverschlossenen Schwefelbuben versuchshalber diskreditiert worden? Nun, zum Beispiel die drei bayerischen Schrottbusse, die der „deutsch-syrische Künstler“ Manaf Halbouni vor der Dresdner Frauenkirche hochkant gestellt hatte, so dass das ganze Altöl herauslief, womit die gewagte Skulptur nicht nur als Kunst, sondern gleichermaßen als Protest gegen Krieg und Umweltverschmutzung betrachtet werden konnte. Anstatt das zu mögen und zu applaudieren, demonstrierten Dresdner, Sachsen, Pegidisten, Identitäre und andere ästhetisch undurchglühte Dunkeldeutsche gegen die Verwandlung des Neumarktes in einen, wie sie meinten, Schrottplatz. (Außerdem machten sie sich ins Hemd, weil man später auf der Webseite des Jahrhundertkünstlers eine Europakarte fand, in der die altmodischen Städtenamen durch trendige arabische ersetzt worden waren, aber das führt vom Thema weg.)

Als weitere Beispiele für Störaktionen gegen ein weltoffenes liberales Kulturleben listet die Chronik unter anderem: die Anfrage des AfD-Abgeordneten Thorsten Weiß im Berliner Abgeordnetenhaus, ob dem „Zentrum für Politische Schönheit“ Fördergelder oder sonstige Fördermaßnahmen seitens des Senats bewilligt wurden; die Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsabgeordneten Jongen, Bystron und Höchst, ob die Bundesregierung Erkenntnisse darüber habe, ob Aktivisten des Zentrums für Politische Schönheit mit öffentlichen Geldern, zum Beispiel aus dem Hauptstadtkulturfonds, gefördert werden oder wurden; dass die AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus die Kürzung der Zuwendungen für das Maxim-Gorki-Theater mit der Begründung beantragte: „Die zur Verfügung gestellten Mittel und der Zuspruch zum Maxim-Gorki-Theater in der Berliner Bevölkerung stehen in einem Missverhältnis!“, und dass der Abgeordnete Dieter Neuendorf im Kulturausschuss dortselbst erklärte: „Unter der Intendantin Shermin Langhoff reduziert sich das Maxim-Gorki-Theater zunehmend auf politischen Kulturkampf und Gesinnungstheater“; die Kleine Anfrage der AfD-Landtagsabgeordneten Gabriele Walger-Demolsky zum Sinn der öffentlichen Finanzierung „der ‚Freien Kulturszene‘ durch die Stadt Bochum in Höhe von 1,5 Millionen Euro“; dass Marc Jongen, kulturpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, sich gegen ein Papier der Kulturminister des Bundes und der Länder stellte, in dem die Museen aufgefordert werden, die Herkunft von Werken aus kolonialen Kontexten zu untersuchen und Raubkunst an die Herkunftsländer zurückzugeben; Jongen unterstellte „moralischen Größenwahn“ und beklagte, dass „die kuratorischen und konservatorischen Leistungen“ ignoriert würden, „die in über 100 Jahren in deutschen Kulturinstitutionen erbracht wurden, um Artefakte zu erhalten“.

Die erschütternd illiberalen und offenheitsfeindlichen Attacken gegen die Kunst, die der „Süddeutsche Beobachter“ und das Magazin „Tiraden, Thesen, Toleranzien“ zusammengetragen haben, werden auf den Punkt gebracht durch den AfD-Bundestagsabgeordneten Renner, der, in der Skandalchronik ebenfalls gelistet, festgestellt hat: „Wenn Kultur Werte und Identität stiftet und als Brückenbauer in der Gesellschaft agieren soll, kann sie nicht nach dem Tombola-Prinzip gefördert werden. Kunst muss immer einer Beliebigkeit vorbauen, weil in der Maske der Kunst Kitsch und Propaganda um nichts weiter als um Geld buhlen.“

Man begreift schnell: Die einzige Freiheit dieser von den Rechten durch Anfragen und Proteste in Frage gestellten Kunst ist die finanzielle Sorgenfreiheit ihrer mit Steuermitteln gepamperten Fabrizierer. Die Rechten unterzögen dieses Finanzierungsmodell gern dem Markttauglichkeitstest. Das hört speziell ein ARD-Kulturredakteur nicht gern. Das ganze Toleranz- und Offenheitsgeplärr ist nur ein Greinen nach fortgesetzter Alimentierung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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