17. August 2019

Der mediale Wind dreht sich gegen Greta Thunberg Gratismut und Zivilcourage

Ist es Zeit, für Greta Partei zu ergreifen?

von Felix Honekamp

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Bildquelle: Per Grunditz / Shutterstock.com Von den Medien nicht mehr ausnahmslos geliebt: Greta Thunberg

Bislang war die Logik zwar komplett verdreht, aber auch in sich leicht zu verstehen. Ein Gespräch hätte, sehr vereinfacht, so ablaufen können: Umstrittener Kritiker: „Ich halte Greta Thunbergs Aktionen, ‚Fridays for Future‘ und die Berichterstattung darüber für reine Propaganda.“ Haupstrom (‑Medien): „Dann bist du also ein Klimaleugner, Trump-Freund, Eisbärengegner und überhaupt vermutlich ein Nazi!“

Einfache Weltbilder

So einfach können Weltbilder sein. Und man kann es sich in ihnen auf beiden Seiten durchaus gemütlich einrichten. Der Hauptstrom fühlt sich in dieser Konstellation sowieso wohl, steht man doch auf der Seite der Guten, während man mit dem SUV zum Latte Macchiato bei Freunden fährt: „Ich mache zwar sonst nix, aber ich stehe mutig hinter dem armen schwedischen Mädchen mit dem eingefrorenen Lächeln und der Krankheit, deren Bezeichnung ich mir nicht merken kann, die aber seitens ihrer Kritiker übelst instrumentalisiert wird, um die Argumente zu verdecken. Alle anderen sind Nazis!“

Aber auch auf der anderen Seite lässt es sich aushalten: „Ich weiß ja, wie das in den Medien läuft, während die anderen wie die Lemminge auf den Abgrund zustürzen. Ich stelle mich dagegen mutig auf die Seite der Wahrheit: Das ist alles eine von George Soros, Friede Springer und Angela Merkel organisierte Kampagne, um den sozialistischen Umbau unserer Gesellschaft voranzutreiben. Alle anderen sind Idioten!“

Selbstvergewisserung der Filterblase

Funken der Wahrheit stecken wohl in beiden Argumentationen… allerdings auch viel Selbstvergewisserung aus der eigenen Filterblase. Mit Mut hat beides nichts zu tun: Sich im Mainstream hinter Greta oder pubertierende Gören mit handgemalten Schildern voller Rechtschreibfehler zu stellen, ist genauso gratismutig, wie sich auf der gegenüberliegenden Seite über die Verdummung des Stimmviehs zu mokieren. Applaus ist auf beiden Seiten garantiert.

Kompliziert wird es aber, wenn sich der Wind dreht. In gewisser Weise sind wir den Medien zu Dank dafür verpflichtet, dass sich derzeit erweist, dass ihnen Greta so egal ist wie die Umwelt, solange Quoten oder Verkaufszahlen stimmen. Kaum ist nämlich Greta in See gestochen auf ihre Segelreise nach New York zu den Vereinten Nationen, hat jemand mal die Klimabilanz dieser Reise nachgerechnet und kommt zu dem Ergebnis, dass ein Flug Gretas hin und zurück allemal besser gewesen wäre.

Mediale Mechanismen

Man darf annehmen, dass die Organisatoren der Reise – Eltern, Unterstützer, NGOs – gepokert hatten, das Greta-Feuer für die Zeit der Reise am Kochen zu halten. Den Medien umgekehrt scheint gedämmert zu haben, dass sich ein tägliches Bulletin über den Stuhlgang der Klimaaktivistin auf hoher See schnell abnutzen wird. Und schon stürzt sich die Meute auf sie, stellt Konzepte und die Motivation ihrer Unterstützer in Frage.

Der Hauptstrom wendet sich also auf der Suche nach Auflage gegen das Phänomen Greta und sucht sich die nächste Sau, die man durchs Dorf treiben kann. Und die Kritiker sehen sich einerseits bestätigt, fühlen sich aber – soweit sie über ein wenigstens einigermaßen intaktes Feingefühl verfügen – trotzdem unwohl dabei, nun mit der Mehrheit über Greta zu schimpfen. Denn womöglich, und da dreht sich dann deren eigene Sichtweise: Vielleicht wird Greta tatsächlich übel mitgespielt seitens des Hauptstroms, und sie ist in der ganzen Geschichte viel mehr Opfer, als man das vielleicht vorher schon zuzugestehen bereit war?

Fazit

Was kann man daraus lernen? Ich für meinen Teil kann nur ein paar Schlussfolgerungen vorschlagen, die ich für mich zu beherzigen versuche.

Wer ist Greta?

Den Medien ist sowohl Greta Thunberg als auch das Thema Umweltschutz ziemlich egal. Einschaltquoten und Auflage sind das Maß ihres Handelns. Moralisch müssen ihre Vertreter das selbst bewerten, aber als Mediennutzer sollten wir uns dessen immer bewusst sein.

Motivation: Unklar!

Was neben finanziellen Interessen Motivatoren der Medien für bestimmte Hypes sind, kann man oft nur erahnen. Das aber genau ist das Problem: Neutrale Berichterstattung findet nicht statt; jeder Bericht oder Nichtbericht ist eine medienpolitische Entscheidung, die sich einer demokratischen Kontrolle oder wenigstens Nutzerkontrolle entzieht.

Gebet für jedes Opfer

Die Objekte von Berichterstattung brauchen unabhängig von Thema oder geistlicher Orientierung unser Gebet. Sie werden benutzt und instrumentalisiert. Das hat auch derjenige nicht verdient, der sich mit subjektiv ehrenhaften (wenn auch für mich manchmal in Zweifel zu ziehenden) Motiven der Medien zu bedienen versucht.

Bewahrung der Schöpfung

Das Thema Bewahrung der Schöpfung ist für einen Christen auch ohne Klimawandel und Kohlendioxid- oder Feinstaub-Hype relevant. Rückstandsfrei kann niemand durchs Leben gehen, aber seinen eigenen Beitrag zur Nachhaltigkeit der Ressourcennutzung kann jeder leisten.

Politik wird uns nicht retten

In diesem ganzen Konglomerat spielt die Politik eine unrühmliche Rolle, indem sie die eigentlichen Themen nicht setzt, sondern sich ihrer in vollem Bewusstsein der Kurzfristigkeit bedient. Vielleicht nicht dem einzelnen Politiker, sehr wohl aber dem Politikbetrieb im Ganzen sind Menschen, Einzelschicksale und die Themen egal – relevant ist nur „Relevanz“, besser bekannt auch als „Macht“.

Zivilcourage und Heiliger Geist

Das Denken in vorgefertigten Mustern ist bequem und kann manchmal auch hilfreich sein. Aber jenseits dieser „Denkrillen“ bleibt dem mündigen und freiheitsliebenden Bürger nichts übrig, als sein Gehirn einzuschalten und seinen eigenen moralischen Kompass zu benutzen, um sich nicht vor einen fremden Karren spannen zu lassen.

Führung durch den Heiligen Geist, nicht durch Politik- oder Medienvertreter ist es, die wir heute am meisten brauchen. Danach zu handeln und sich auch mal gegen die eigene Peergroup zu stellen, beweist wirklich Mut!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem „Papsttreuen Blog“.


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