12. August 2019

Erste Differenzen atmosphärischer Natur zwischen Greta Thunberg und den Medien Kommt bald die grüne USPD?

Habeck und Co nicht mehr radikal genug

von Christian Rogler

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Bildquelle: Liv Oeian / Shutterstock.com Enttäuscht, weil sie nicht kriegt, was sie will: Greta Thunberg

Greta Thunberg ist sehr enttäuscht. Nicht nur, dass die „radikalen Maßnahmen“ zur letzten möglichen Abwendung der „Klimakatastrophe“, die sie seit Monaten fordert, länger auf sich warten lassen als gewünscht. Jetzt gibt es auch noch erste Anzeichen zumindest vorsichtig kritischer Berichterstattung in den Leitmedien.

Ihren Willen nicht durchgesetzt zu bekommen, gehört nicht unbedingt zu den Erfahrungen, mit denen sie und die verwöhnten Wohlstandsbälger aus der urban-liberalen, gebildeten bürgerlichen Oberschicht, die mit ihr die Straßen unsicher machen, vertraut sind.

Die vergangene Woche lief nicht unbedingt nach den Vorstellungen des von Medien, Politik und sogenannter Zivilgesellschaft gleichsam wie eine Heilige verehrten Teenagers. In Lausanne wollten sich Anhänger der „Fridays for Future“-Bewegung zu einer mehrtägigen Strategietagung treffen – und zum ersten Mal kamen Misstöne auf.

Einige klagten über Roaminggebühren, zu wenig exquisite Verpflegung oder den teuren Standort. Andere stritten darum, wie konkret man in seinen Forderungen sein soll. Und es zeigten sich erste Reibungspunkte zwischen Kiddies der Großbourgeoisie, die sich einfach nur als moralisch gut und Teil von etwas Großem fühlen wollen – und mit allen Wassern gewaschenen, hochideologisierten Linksextremisten, die ihre seit Mao erprobten Unterwanderungstaktiken auch hier zielstrebig zur Anwendung bringen wollen und eine Strategie der gezielten Radikalisierung anstreben.

Dass Gretelein jetzt auch nach der Hand schnappt, die sie immer so bereitwillig gefüttert hatte, und gleich mal Medienvertreter des Saales verwies, ließ bei Ulrike Ruppel von der „BZ“ erstmals die Alarmglocken schrillen. „Der Absolutheitsanspruch von Fridays for Future geht langsam zu weit“, schlagzeilt sie, was für ein deutsches Mainstreammedium nach Monaten der Hofberichterstattung fast schon einer Revolution gleichkommt.

Unter Berufung auf den schon kraft seines Amtes zwangsläufig zum realpolitischen Handeln gezwungenen grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann schreibt Ruppel: „Wenn Menschen glauben, das Übel der Welt identifiziert und die Heilsformel entdeckt zu haben, wird es eng für die Demokratie.“ Jan Fleischhauer warnt im „Focus“ vor dem „Flirt mit der Ökodiktatur“.

Hätten Mainstreamjournalisten in den letzten Jahren ab und an Medien außerhalb der linksgutliberalen grünen Wessi-Filterblase konsultiert, wäre ihnen diese Erkenntnis möglicherweise schon etwas eher gekommen. Jetzt aber stehen sie vor einem ähnlichen Zauberlehrling-Phänomen wie die Grünen, die sie zum Erfolg geschrieben hatten: Die sektenmäßig auftretende, fanatisierte und erlösungssehnsüchtige Massenbewegung, von der sie profitiert hatten, verlangt, dass geliefert wird – und in Anbetracht der Tatsache, dass der Klimaglaube offenbar sehr ausgeprägte esoterische Elemente aufweist, wird das schwierig. Umso mehr, als demokratische Mehrheitsfindungen und Prozesse der schönen neuen Klimawelt im Wege stehen.

Das langsame Ruinieren unseres Wohlstandes, unserer Industrie und unserer Freiheit reicht ihnen nicht. Auch nicht, dass die Politik für sinnlose Ideologieprojekte unter dem Banner des „Klimaschutzes“ sogar bereit ist, vom Grundsatz der schwarzen Null abzugehen.

Die Möchtegern-Revolutionäre wollen die unumschränkte Macht und wollen sie jetzt und sofort – und die Medien haben lange genug selbst jede noch so abstruse Forderung der Schulschwänzer als unabdingbare und sofortige Notwendigkeit verkauft, so dass diese dadurch auch noch einflussreiche Referenzen angeben können. Und dann kommt ein Robert Habeck und erzählt bei Dunja Hayali, dass er gerade mal „Alternativen schaffen“ und Inlandsflüge „ein bisschen teurer“ machen will, statt die Fridays-for-Future-Blagen mit ähnlichen Sonderbefugnissen auszustatten, wie sie der Iran seiner Moralpolizei einräumt.

Dass sich Greta nun demonstrativ mit den verfassungsschutzzertifizierten Linksextremisten vom „Hambi“ zeigt, ist durchaus als Warnung zu verstehen. Wenn nicht bald geschehe, was sie verlangt, könne sie auch andere Saiten aufziehen – und ihre Getreuen dazu aufrufen, sich angesichts des dringlichen übergesetzlichen Notstandes, den die „menschengemachte Klimakrise“ schafft, bei Bedarf auch über das Gesetz zu stellen. Für die moralisch gute Sache sollte das allemal drin sein – das weiß ja auch die Antifa, und das wusste auch schon die RAF.

Der deutsche Medienmainstream ist jedoch insgesamt immer noch weit entfernt davon, dies zu erkennen oder überhaupt sehen zu wollen. Immerhin hat man es ja sowohl in Christchurch als auch in El Paso schon bewusst verabsäumt, zu erwähnen, dass die dortigen fremdenfeindlichen Attentäter in ihren „Manifesten“ durchaus auch ökologistische Anklänge erkennen ließen – und ihre Sympathie zur Idee, Zwang und Gewalt einzusetzen, um eine Bevölkerungsreduktion zu erzwingen.

Noch gibt es einiges, was linke und rechte Öko-Totalitaristen trennt – aber das, was sie verbindet, könnte früher oder später eine Synthese bewirken und einer breiten ökofaschistischen Kraft jenseits von Grünen und Rechtsparteien den Weg ebnen.

Zwar ist Greta in weit rechten Kreisen immer noch ein Feindbild und das „Fridays for Future“-Konzept, dass Deutschland, wenn alle Welt den Mut verlor, die Fehde zu beginnen, allein den Völkern vortreten und sein Herzblut rinnen lassen möge – sprich: sich industriell und wohlstandsmäßig selbst entleiben –‍, dort nicht konsensfähig.

Allerdings könnte sich dies ändern, wenn eine grüne USPD die Klimaangst mit der Angst vor dem „großen Austausch“ verbinden würde. In Teilen der AfD-Anhängerschaft stößt die Forderung einer Verena Brunschweiger nach einer Prämie für den Verzicht auf Kinder ja nicht deshalb auf Ablehnung, weil man Kinder als Gottesgeschenk, Weiterführung der eigenen Generationenkette oder Chance auf eine bessere Welt von morgen begreifen würde. Meist wird nur kritisiert, dass genudgte oder gar erzwungene Kinderlosigkeit, wie sie die linken Öko-Taliban favorisieren, offenbar nicht für angeblich eine „Überbevölkerung“ fördernde Menschen in Afrika gelten soll.

Was ja nicht mal stimmt – immerhin fördert die EU jetzt schon mittels des UN-Weltbevölkerungsfonds (UNFPA) die „reproduktiven Rechte“ in Afrika und Asien, inklusive Abtreibung und Zwangssterilisationen. Allerdings leisten manche Staaten Widerstand, weil sie diese Programme – zu Recht – für Neokolonialismus und Einmischung halten. Und auch von der Trump-Regierung gibt es dafür keinen Cent mehr.

Es ist zu befürchten, dass auch auf der Rechten eine breite Unterstützung für eine öko-extremistische Bewegung zu erwarten wäre, wenn diese glaubhaft machen kann, dass sie eine Ein-Kind-Politik nach chinesischem Vorbild auch für Afrika fordert und durchsetzen will – und die niedrige deutsche Geburtenrate als Ausdruck eines deutschen Vorbilds für die Welt verkauft. Eine radikale Öko-Partei, die beispielsweise das Recht auf Einwanderung an eine Zustimmung zu einer Sterilisation binden oder die Gewährung von Sozialleistungen für Einwanderer an Kinderlosigkeit knüpfen wollte, würde in ähnlicher Weise ein Honigtopfpotential für nationale Etatisten aufweisen wie linke Islamkritik.

Wenn dann noch Aussicht besteht, Vorschläge wie die von Klimaguru Schellnhuber nach Reservierung eines bestimmten Quantums an Bundestagssitzen für „Wissenschaftler“ in eigener Sache nutzen zu können, lässt sich bestimmt auch noch der Rest an Differenzen überbrücken.


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