26. Juli 2019

Fridays for Future Es gibt keine Jugend!

Unrühmliche Tradition totalitärer Regime

von Maximilian Kneller

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Bildquelle: Rolf G Wackenberg / Shutterstock.com Wird von totalitären Regimen homogenisiert: „Die Jugend“

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft raubt!“ – so schallt es seit circa einem halben Jahr jeden Freitag über die Plätze der Republik, wenn Sören-Malte und Anna aus der 8b mal wieder Weltpolitik machen. Dass sie sich vor allem selbst die Zukunft rauben, wenn sie weiter schwänzen, weil „beim Klima jetzt endlich mal mehr gemacht werden muss!“, hat den selbstgerechten Rotznasen offenbar noch keiner so richtig erklärt. Dass sie nur Staffage für eine Agenda sind, die längst vom Establishment, das sie glauben, unter Druck zu setzen, verfolgt wird, ebenfalls nicht.

Stattdessen werden Wohlstandsgören wie Luisa Neubauer, die für den Klimaschutz „weniger fliegen“, zu den Sprechern einer ganzen Generation gemacht, die – Überraschung – inhaltlich zu 100 Prozent dem ökosozialistischen Zeitgeist entspricht, dies aber mit rebellischem, jugendlichem Habitus vermarktet. Ein solches Propagandamanöver ist nicht mal dem Dritten Reich oder der DDR gelungen.

Eine Schnittstelle besteht dennoch, da man die Jugend – ähnlich den totalitären Staaten – künstlich kollektiviert und als homogene Einheit darstellt, die einheitliche Interessen hat. Dass es sich hier um eine Chimäre handelt, liegt auf der Hand. Zunächst mal ist es nur ein kleiner Teil der Jugendlichen, die zu den „Fridays for Future“-Demos gehen, nicht „die Jugend“. „Die Jugend“ gibt es nämlich nicht, vielmehr gibt es eine sehr heterogene Gruppe junger Menschen, die alle so individuell sind wie der Rest der Gesellschaft. Da das marxistische Modell der Klassen seit langer Zeit widerlegt ist, sucht sich der an seine Stelle getretene Kulturmarxismus immer neue Betätigungsfelder, immer neue Minderheiten oder Personengruppen, die er gegen die Mehrheit wegen angeblicher Diskriminierung und Benachteiligung aufhetzen kann. Nun ist man eben bei der Sakralisierung der Jugend angekommen, das passt sehr gut zum Sozialismus, da dieser ohnehin ein zutiefst infantiles Weltbild ist.

Dabei ist selbst das Narrativ dieser neuen „Jugend dient dem Klima“-Bewegung infantil: Die „jungen Leute“ begehren gegen die „alten Leute“ auf, weil die ja den jungen Leuten die Zukunft rauben, weil sie ja das Klima kaputtmachen und wir dann alle ertrinken, weil die Nordsee in zehn Jahren in Münster anfängt, wenn wir nicht „was tun“! Selbst wenn man ein Vertreter der Theorie des menschengemachten Klimawandels ist, weiß man: Es ist vollkommen egal, ob man heute 35 oder 15 ist, man teilt sich noch Jahrzehnte diesen Planeten gleichermaßen, profitiert von oder leidet unter jeder seiner etwaigen menschengemachten oder nicht- menschengemachten Veränderungen. Es ist die pure Demagogie der (herrschenden) Ökopopulisten, den Eindruck zu erwecken, man würde für „die“ Jugend sprechen, und hält keiner objektiven Prüfung stand. Die unrühmliche Tradition totalitärer Regime, in die sie sich mit ihrem politischen Missbrauch junger Menschen stellen, ist darüber hinaus wenig schmeichelhaft.

Doch stellen wir uns einmal vor, Sören-Malte aus der 8b kommt plötzlich auf die Idee, doch lieber den Unterricht zu besuchen statt blauzumachen, und wenn er darauf angesprochen wird, trägt er genau die hier genannten Argumente vor, zweifelt eventuell sogar an, dass der Mensch mit seinem minimalen Kohlendioxidausstoß verantwortlich für den Klimawandel ist, zumindest aber, dass Deutschland mit seinem noch viel kleineren Anteil daran irgendetwas verändern könnte, wenn es Fahrverbote und Kohlendioxidsteuern erlässt. Vielleicht zieht Sören-Malte dann noch die eine oder andere historische Parallele, um die deutsche Großmannssucht zu belegen, schon kann er sich auf ein Elterngespräch oder einen Tadel einstellen. Die Mitschüler, allesamt wie schon von vergangenen deutschen Regimen immer genauestens auf solche Quertreiber konditioniert, werden dem lieben Sören-Malte ordentlich die Leviten lesen. „Gefährlich“ sei das, was er sagt, findet Anna. Sophie ergänzt: „Bist du irgendwie rechts oder so?“, und Paula findet, dass er sich als weißer, heterosexueller Junge sowieso nicht zu dem Thema äußern dürfe, weil toxische Männlichkeit eine der Hauptursachen für den Klimawandel sei. Am Ende sagt die Lehrerin noch etwas Linkspaternalistisches wie: „Da musst du dich vielleicht noch mal besser informieren, Sören-Malte“, unterstellend, auch nur zehn Prozent der Fridays-for-Future-Demonstranten hätten etwas, das man als politische Meinung titulieren könnte. Man sieht, welche sozialen Mechanismen eine rhetorische Kollektivierung der Jugend hervorruft, damals wie heute. 


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