24. Juli 2019

Satire zu den Reformplänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Triage unter neuer Nummer

Der Minister erhofft sich einen Rückgang von Patientenanrufen

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Zu simpel: Notrufnummer 112

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nach seinem Scheitern beim geplanten Umstieg an die Spitze des Verteidigungsministeriums einen Plan zu einer Reform der Notfallversorgung in Deutschland vorgelegt. Dabei soll die bisherige Notrufnummer 112 durch die neue Nummer 116 117 118 3312 98756546 ersetzt werden. Dadurch erhofft sich der Minister einen Rückgang von Patientenanrufen, da die neue Kontaktnummer „zumindest am Anfang lange nicht so bekannt“ sein werde, wie es im politischen Berlin hieß.

Damit nimmt die von Spahn (CDU) seit langem geplante grundsätzliche Reform der Notfallversorgung erstmals konkret Gestalt an. Nachdem Spahn bereits Mitte Dezember 2018 Grundzüge vorgestellt hatte, nach denen es Ziel der Reform ist, die bestmögliche Versorgung von Menschen in medizinischen Notfällen abzusichern, liegt nun ein Gesetzentwurf vor. „Derzeit sind die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu häufig überlaufen, weil unter den Patienten auch solche sind, denen andernorts besser geholfen werden könnte“, begründete Spahn die Notwendigkeit der Reform. Weil die 112 aber landesweit bekannt sei, riefen dort auch Menschen an, die eigentlich in den Warteraum eines Hausarztes gehörten, wo viele schon während der langen Wartezeit bis zum Aufruf gesunden.

Patienten, die wirklich auf die Hilfe in der Notfallambulanz angewiesen seien, kämen deshalb kaum durch, eine ordentliche Triage zur Entscheidung, wo sich eine Behandlung lohnt, sei so kaum möglich. Es handele sich um eine „Reform, die an der Wurzel ansetzt“, sagte der CDU-Politiker, deshalb erfordere der Wechsel der Notrufnummer möglicherweise sogar eine Änderung des Grundgesetzes, das bisher aufgrund von Artikel 1 eine Behandlungspriorisierung nur eingeschränkt erlaubt.

Dem Gesetzentwurf zufolge sollen Patienten, die nach der Reform noch über die neue Nummer 116 117 118 3312 98756546 durchkommen, von eigens mit medizinischer Fachliteratur ausgestatteten Callcenter-Angestellten eine erste Einschätzung bekommen, ob ihnen eine Klinikbehandlung zusteht oder ob sie sich beim ambulanten Arzt in die Warteschlange einreihen müssen. Der Gesetzentwurf spreche von der „zentralen Lotsenfunktion“ der Callcenter, die Gewinner der Telefonlotterie direkt in neue bundesweite „Integrierte Notfallzentren“ (INZ) überweisen können, die dem Gesetzentwurf zufolge „jederzeit zugänglich“ und „räumlich derart in ein Krankenhaus eingebunden“ seien, dass sie von den zugangsberechtigten Patienten „als erste Anlaufstelle im Notfall wahrgenommen werden“.

Unklar sind noch die Gesamtkosten des Umbaus des deutschen Gesundheitswesens, bei dem unter anderem mehrere Hundert Kilometer Telefonkabel neu verlegt werden müssen. Wegen der Freischaltung der neuen Geheimnummer ist das Bundesgesundheitsministerium aber bereits im Gespräch mit der Deutschen Telekom. Kein Wunder: Immerhin gilt die neue Nummer als wichtigstes Asset der geplanten Reform.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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