23. Juli 2019

Zuwanderung in Schweden und Deutschland Integration zunächst gescheitert

Politik und Medien sind auf einem besorgniserregenden Pfad

von Katja Triebel

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Bildquelle: shutterstock „Refugees Welcome“ 1690: Hugenotten

Die „FAZ“ veröffentlichte am 17. Juli 2019 einen Artikel über die gescheiterte Integration in Deutschland in Bezug auf den Wohnungsmarkt. Ich ergänze dies mit Fakten zum Arbeitsmarkt und der inneren Sicherheit in Schweden und Deutschland.

Wohnungsmarkt

Die Forscher sollten den Nachweis erbringen, dass die Flüchtlinge sich rasch integrieren würden, dass sie die deutsche Gesellschaft nicht überforderten und sich in ihrer sozialen Schichtung dieser Gesellschaft bald angleichen würden.“ Es „gibt erste umfassende Studien zu zentralen Teilaspekten der Integration. Und die zeichnen ein ernüchterndes, teilweise sogar entmutigendes Bild der deutschen Integrationsgesellschaft. Dass es im Sinne einer erfolgreichen Integration natürlich wünschenswert wäre, Flüchtlinge und andere Zuwanderergruppen räumlich möglichst gleichmäßig zu verteilen, scheitert an der städtischen Konzentration von bezahlbarem Wohnraum. Die Folge ist, dass gerade sozial ohnehin benachteiligte Stadtviertel und deren Bewohner auch noch mit den Integrationsaufgaben im Übermaß belastet werden.“ („FAZ“ vom 17.07.2019)

Arbeitsmarkt

Man hätte den letzten Satz auch für den Arbeitsmarkt schreiben können: Die Zugewanderten drängen in den prekären Arbeitsmarkt und belasten die „sozial ohnehin benachteiligten Bürger auch noch mit den Integrationsaufgaben im Übermaß“.

„Die Zuwanderung nach Deutschland ist auch deshalb im Wesentlichen eine Armutszuwanderung, und das schlägt sich in den Zahlen der Studie nieder: Der Anstieg der Ausländeranteile in sozial sehr ungünstigen Vierteln der untersuchten Städte war dreimal so hoch wie in den deutlich bessergestellten. Auch zeigt sich, dass dieser Effekt in Ostdeutschland stärker ausgeprägt ist als in westdeutschen Städten. Hier wie dort lasse sich außerdem ein ‚positiver linearer Zusammenhang‘ zwischen der SGB-II-Quote und Ausländeranteilen feststellen: Je mehr Hartz-IV-Empfänger, desto mehr Migranten. In der Gesamtschau, so die beiden WZB-Forscher, entwickelt sich die deutsche Gesellschaft dadurch sozialräumlich weiter auseinander.“ („FAZ“ vom 17.07.2019) Man hätte einfach mal nach Schweden schauen können. Das Land hatte seine Massenzuwanderung bereits einige Jahre zuvor mit seiner „explizit humanitär ausgerichteten Migrationspolitik“ realisiert. „Wie Daten des schwedischen Statistischen Amtes nämlich zeigen, bleibt die Beschäftigungsrate von Immigranten aus Asien und Afrika vor allem in den ersten acht Jahren ihres Aufenthalts in Schweden deutlich hinter derjenigen von Europäern oder Nord- und Südamerikanern zurück. Von den Flüchtlingen im arbeitsfähigen Alter, die Schweden 2003 erreicht hatten, war 2013 jeder Zweite immer noch beschäftigungslos. Kommentatoren sehen zwei wesentliche Gründe, weshalb die Integration von Flüchtlingen ins Arbeitsleben unbefriedigend verläuft. Der eine liegt in den relativ hohen Löhnen. Der zweite Grund liegt darin, dass Schwedens Wirtschaft punkto Technologie und Automation weltweit mit an vorderster Front ist. Es fehlt an manuellen Jobs, die von Arbeitnehmern mit geringen sprachlichen und beruflichen Qualifikationen ausgeführt werden können. Es sind aber solche Jobs, die zahlreichen Immigranten ein wenigstens teilweises Fußfassen im Arbeitsleben ermöglichen könnten. Die vergleichsweise wenigen Stellen solcher Art sind laut dem schwedischen Rundfunk für Leute, die noch nicht im Arbeitsmarkt etabliert sind, schwer erreichbar – nicht nur für Immigranten, sondern oft auch junge Einheimische.“ („Neue Zürcher Zeitung“ vom 30.11.2015.)

Innere Sicherheit

In Schweden ist auch die innere Sicherheit „den Bach runtergegangen“. „In Schwedenhaben wir ernsthafte Probleme mit illegalen Schusswaffen und Schießereien auf der Straße. Im Jahr 2018 hatten wir 306 Schießereien und 45 Tote. Gleichzeitig war die Aufklärungsrate der Polizei noch nie so niedrig. Das bedeutet, dass die meisten dieser Schießereien nie aufgeklärt werden. Politiker in Schweden möchten, ähnlich wie Politiker in der EU, so wahrgenommen werden, als würden sie etwas tun, und so verfolgen sie die legalen Besitzer von Schusswaffen, obwohl diese die Gesetze befolgen. Es gibt Gebiete, die in Bezug auf Schießereien stärker betroffen sind als andere und die mit kriminellen Banden in Verbindung stehen. Die Vergewaltigungsverbrechen sind jedoch nicht mit bestimmten Gegenden verbunden, und wir haben sogar Fälle von Vergewaltigungen in Schulen und am helllichten Tag. Laut einer aktuellen Studie der schwedischen Behörde BRÅ wählt fast ein Viertel der Bevölkerung einen anderen Weg oder ein anderes Verkehrsmittel, um Kriminalität zu vermeiden. Bei Frauen im Alter zwischen 24 und 40 Jahren liegt die Zahl bei 42 Prozent.“ (Pia Clerté im Interview mit der German Rifle Association, 19.07.2019.)

Ähnlich sieht es bei uns aus: Das Bundes­lage­bild Krimi­nalität im Kon­text von Zuwanderung 2017 zeigt die Anteile Gewaltverbrechen auf, und zwar die Gesamtzahlen und die Zahlen mit tatverdächtigen Zuwanderern. Für 2016 habe ich diese Zahlen ins Verhältnis zur Bevölkerung gesetzt. In Klammern ist immer das Verhältnis zu 82.522.000 Einwohnern insgesamt beziehungsweise zu 1.602.590 Zuwanderern angegeben. Straftaten gegen das Leben: 3.713 (0,004 Prozent), davon 532 (0,033 Prozent) durch Zuwanderer: eins zu acht. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 39.829 (0,05 Prozent), davon 4.852 (0,3 Prozent) durch Zuwanderer: eins zu sechs. Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die Freiheit: 614.628 (0,75 Prozent), davon 59.716 (3,73 Prozent) durch Zuwanderer: eins zu fünf. Opfer von Straftaten: 1.017.602 (1,23 Prozent), davon 43.825 (2,74 Prozent) durch Zuwanderer: eins zu 0,4.

Diese Zahlen zeigen, dass es überproportional viele Opfer unter den Zuwanderern gibt, aber die Proportionen bei Gewaltdelikten durch Zuwanderer noch viel größer sind. Während es keine deutschen Tatverdächtigen gab, die Zuwanderer getötet hatten, haben Zuwanderer Zuwanderer und Deutsche getötet. Und auch bei Strafdelikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gibt es überproportional mehr deutsche Opfer durch Zuwanderer als Opfer unter den Zuwanderern durch Deutsche.

Ein Blick nach Schweden

„Bei den landesweit derzeit 61 Quartieren, die von der Polizei als ‚exponiert‘ oder ‚sehr exponiert‘ eingeschätzt werden und wo rund 200 kriminelle Netzwerke mit insgesamt etwa 5.000 Mitgliedern am Werk sein sollen, handelt es sich durchgehend um Stadtgegenden mit hohen Anteilen von Immigranten. Das heißt gleichzeitig, dass es in hohem Maße die Zuwanderer selbst sind, die unter den prekärer gewordenen Sicherheitsverhältnissen leiden – Leute, die vielleicht einst aus Kriegsgebieten flüchteten und nun wieder mit Gewalt konfrontiert sind. Schweden hat es über Jahrzehnte verpasst, seine explizit humanitär ausgerichtete Migrationspolitik mit effizienten Mechanismen der Integration der Zuwanderer zu unterlegen. Im Gegenteil hat eine Kombination von Faktoren dazu beigetragen, Segregation sogar zu zementieren. Dabei geht es um Eigenheiten der Gesellschaft an sich, aber auch Charakteristiken etwades Wohnungs- und Arbeitsmarktes, wo Outsider auf Kosten von Insidern grundsätzlich benachteiligt sind. Diese Umstände haben der Entstehung von Parallelgesellschaften Vorschub geleistet. Einer Auseinandersetzung mit dem Thema ist die Politik allerdings lange ausgewichen.“ – („Neue Zürcher Zeitung“, 05.03.2018.)

„Schweden mag allzu lange davon ausgegangen sein, das eigene gesellschaftliche Modell sei attraktiv genug, dass Zuwanderer auch aus völlig anderen Kulturkreisen sich ihm wie von selbst anpassen würden. Mit der Bildung starker Parallelgesellschaften wurde nichtgerechnet.“ („Neue Zürcher Zeitung“, 05.03.2018.)

Ein Blick in die Vergangenheit

Wir haben Erfahrungen mit Massenzuwanderung gemacht, nicht nur direkt nach dem Krieg, sondern auch 1690 mit der Zuwanderung von zigtausend verfolgten Hugenotten aus Frankreich: Auch damals war die Elite für die Ansiedlung, gab finanzielle Starthilfen, erhöhte dafür die Steuer, und vieles mehr. Die einfachen Bürger mussten sich mit dem Kampf um knappen Wohnraum und erhöhten Preisen rumschlagen.

Es gab anfangs Brandanschläge und Hass gegen die neuen Bürger. Gemischte Hochzeiten waren verpönt, die Zugezogenen schlossen sich zusammen und kapselten sich ab (Parallelgesellschaft). Es dauerte drei Generationen, bis sich die Zugezogenen integriert hatten und zum Beispiel gemischte Hochzeiten üblich wurden.

Die großen Unterschiede zu heute: Es kamen damals überwiegend Facharbeiter und Spezialisten mit ihren Familien. Die damalige Parallelgesellschaft war ein Schutz für Bedürftige (Armenspeisung, Krankenhaus, Waisenhaus, Schule) mit dem Ziel der Integration. Die finanziellen Mittel kamen ausschließlich von den lokalen Unterstützern, den Hugenotten selber und der lokalen politischen Elite (Kurfürsten, preußischer König und andere), nicht jedoch von Ideologen aus dem Ausland oder der internationalen organisierten Kriminalität.

Fazit

Wer die berechtigten Ängste der Bevölkerung diskreditiert, die in direkter Konkurrenz am Wohnungs- und Arbeitsmarkt mit den Zugewanderten leben, der verliert zu Recht ihr Vertrauen. Wer vor der steigenden gewalttätigen Kriminalität die Augen verschließt, ebenfalls.

Und wer sich mit „Partnern“ umgibt und diese fördert, die im Geheimen gar nicht an Integration interessiert sind, sondern nur ihre Lebensweise allen anderen aufpfropfen wollen, der ist meines Erachtens sogar gefährlich.

Die erfolgreiche Integration der Gastarbeiter der 70er Jahre, die – wie bei den Hugenotten – sich erst nach mehreren Jahrzehnten einstellte, wird durch die aktuelle Politik fast zunichtegemacht.

Politik und Medien sind bereits länger auf einem besorgniserregenden Pfad. Mein heutiges Jahres-Abo für die „NZZ“ („Westfernsehen“) war daher schon lange überfällig.

„Frankfurter Allgemeine“: „Wo Flüchtlinge auf Hilfsarbeiter treffen“

„Neue Zürcher Zeitung“: „Schweden fehlt es an Jobs für Migranten“

German Rifle Association: „Interview – Pia Clerté: In Schweden ist es nicht möglich, Mittel zur Selbstverteidigung zu besitzen“

„Neue Zürcher Zeitung“: „Schwedens Integrations-Traum ist geplatzt“

„Neue Zürcher Zeitung“: „Schweden – kein einfaches Land für Zuwanderer“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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