16. Juli 2019

Laut Statistischem Bundesamt ist für knapp die Hälfte der Bevölkerung die eigene Erwerbstätigkeit die Haupteinkommensquelle Wovon wir leben

Eigene Arbeit steckt aber hinter allem

von Klaus Peter Krause

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Steckt hinter allem: Arbeit

Nur jeder Zweite in Deutschland lebt von eigener Arbeit, war gerade zu lesen. Hoppla, mehr nicht? Die Angabe stammt vom Statistischen Bundesamt und aus seinem Mikrozensus 2018. Danach ist es sogar nur knapp die Hälfte der Bevölkerung (46,5 Prozent), die ihren Lebensunterhalt überwiegend durch eigene Erwerbstätigkeit bestreitet, Selbständige und Angestellte eingeschlossen. Und wovon lebt die andere Hälfte? Nach der jüngsten Statistik des Amtes beziehen 22 Prozent der Bevölkerung Renten oder Pensionen. 24,1 Prozent werden von ihren Angehörigen unterstützt. Mit staatlichen Leistungen – wie Arbeitslosengeld I und II, Grundsicherung im Alter, BAföG, Elterngeld – kommen 6,6 Prozent über die Runden. Der kleine Rest von 0,8 Prozent vermag vom eigenen Vermögen zu leben. Doch trifft die statistische Aussage, dass (nur) jeder Zweite von eigener Arbeit lebt, wirklich zu?

Aus ökonomischer Sicht kommt aus eigener Arbeit mehr

Nein, sie trifft nicht zu. Ökonomisch gesehen sind auch Renten und Pensionen aus eigener Arbeit entstanden und folglich ihr zuzurechnen, sie sind also nicht etwa staatliche Almosen. Folglich leben gut zwei Drittel (68,5 Prozent) von eigener Arbeit, die einen (46,5 Prozent) von aktueller Arbeit, die anderen (22 Prozent) von ehemaliger. Auch jene rund 627.000 Menschen, die ihren Lebensunterhalt überwiegend mit dem eigenen Vermögen finanzieren (einschließlich Ersparnisse, Zinsen sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung), sind dieser Gruppe zuzurechnen, jedenfalls insoweit, als sie ihr Vermögen selbst erarbeitet und nicht geerbt haben. Wenn man dann liest, diese 0,8 Prozent „mussten weder selbst arbeiten noch von einem Familienmitglied oder dem Staat unterstützt werden“, trifft davon nur zu, dass sie nicht von anderen finanziell unterstützt werden müssen. Aber mit eigener Arbeit war das durchaus verbunden. Das ist es auch heute noch, denn Vermögen muss üblicherweise verwaltet und erhalten werden, was ebenfalls meist durch eigene Arbeit geschieht, es sei denn, man leistet sich einen bezahlten Vermögensverwalter. Ferner gehören zur Einkünfte-Gruppe „Entstanden-durch-eigene-Arbeit“ auch die Bezieher von Arbeitslosengeld, soweit ihr Anspruch auf dieses Geld durch die Arbeitslosen-Pflichtbeiträge entstanden ist.

Eigene Arbeit steckt hinter allem

Auf eigener Arbeit beruhen letztlich auch die familiären Unterstützungen, wenngleich für die Empfänger nur indirekt. Ebenfalls nicht ohne eigene Arbeit kann es zu staatlichen Sozialleistungen kommen. Hierfür müssen die Steuerzahler die eigene Arbeit einbringen. Hinter allem steckt eigene Arbeit, finanziert wird alles nur durch eigene Arbeit. So gesehen lautet die Antwort auf die Frage: „Wovon leben wir?“, also schlicht: von eigener Arbeit – die einen direkt, die anderen indirekt, indem sie den Erstgenannten auf der Tasche liegen…

Statistisches Bundesamt: „Erwerbstätigkeit für 47 Prozent der Bevölkerung Haupteinkommensquelle“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Marktwirtschaft

Mehr von Klaus Peter Krause

Über Klaus Peter Krause

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige