27. Juni 2019

Die Bundeszentrale für politische Bildung über Islamfeindlichkeit Gipfel an politischer Blödheit

Rassisten gegen Rassismus

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Vom Einzelfall auf die Gesamtheit geschlossen: „Rechtspopulistischer“ Hass auf Muslime

„Dieser Text ist der absolute Gipfel an politischer Blödheit“, so schreibt ein Leser. „Petitio principii“ und ein „logisches Adynaton“ als logische Fehler hat er in jenem Text der Bundeszentrale für politische Bildung gefunden, den er mir geschickt hat. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltungsankündigung, die mit dem wirklich dämlichen Titel „Von Blicken und Brandbomben“ überschrieben ist.

Und der Leser hat recht, der Text vereint „petitio principii“, also den logischen Trick oder Fehler, bei dem das vorausgesetzt wird, was erst noch gezeigt werden soll, und logisches Adynaton, also das, was man am besten als maßlose Übertreibung bezeichnen kann, aber der Text ist noch mehr: Er ist ein Schulbeispiel dafür, wie Rassisten sich gegen Rassismus wenden.

Ich mache es heute einmal ausführlich: Der erste Absatz aus der Veranstaltungsankündigung der Bundeszentrale für politische Bildung: „Feindselige Blicke. Beschimpfungen, nicht nur online, sondern im Alltag. Überall, jederzeit. Rassismus gegenüber Menschen, die als muslimisch wahrgenommen werden, ist trauriger Alltag. Wer sie ablehnt, sei verunsichert, heißt es dann beschwichtigend – durch islamistische Attentate, durch radikalisierte Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus den Kriegsgebieten in Syrien und dem Irak oder die Unterstützernetzwerke des militanten Salafismus und des Dschihadismus. Der Kurzschluss funktioniert: Schnell wird gefragt, ob ‚der Islam‘ wirklich friedfertig sei, tauglich für die Moderne und ob er wirklich zu Deutschland gehören könne.”

Das Adynaton, die maßlose Übertreibung, sie findet sich in der Behauptung, feindselige Blicke, Beschimpfungen, „Rassismus gegenüber Menschen, die als muslimisch wahrgenommen werden“ fänden sich „überall, jederzeit“. Nun, selbst der größte Rassist muss irgendwann schlafen, schon diese Feststellung macht die effekt- und tränenheischende Formulierung aus der Bundeszentrale als den Blödsinn kenntlich, der sie ist.

Die petitio principii, sie findet sich da, wo zum Rassimus erklärt wird, was erst als Rassismus gezeigt werden muss, da, wo eine Äquivalenz zwischen Rassismus und feindseligen Blicken und Beschimpfungen behauptet wird. Jeder feindselige Blick ein Rassismus? Dümmer geht es wohl wirklich nicht mehr. Was darüber hinaus relevant ist: Hier wird bemängelt, dass ein Kurzschluss vorgenommen werde, dass jeder Muslim wegen ein paar wenigen Muslimen, die in den Syrischen Krieg für den IS gezogen sind, unter Generalverdacht gestellt werde. Dazu komme ich gleich.

Im zweiten Absatz wird, wie könnte es anders ein, der Rechtspopulismus als „stetig“ die „Islamfeindlichkeit“ schürende Ursache ausgemacht. Eine monokausale Erklärung, die schwer damit in Einklang zu bringen ist, dass schiitische und sunnitische Muslime bis heute im Irak und in Syrien aufeinander losgehen. Entweder Sunniten und Schiiten sind Rechtspopulisten, oder bei der Bundeszentrale für politische Bildung wird grenzenloser Blödsinn publiziert.

Und dann kommt das, was man nur als vollkommenen geistigen Blackout bezeichnen kann. „Auch Marwa El-Sherbini widerfuhr dieses Schicksal. Auf einem Spielplatz wurde sie von einem Mann beleidigt. Sie trug ein Kopftuch. Er beschimpfte sie als ‚Islamistin‘ und warf ihr ‚Terrorismus‘ vor. Sie zeigte ihn an. Es kam zum Prozess. Im Gerichtssaal attackierte er plötzlich die schwangere Apothekerin und erstach sie – ihr Tod jährt sich am 1. Juli zum zehnten Mal.“

Der rechtspopulistische Islamismus, der hier gezimmert wird, hat schwangere Apothekerinnen zum Opfer. Vielleicht hat sich zeitgleich mit der Verhandlung auch ein verzweifelter Muslim in Kanada über den Rand der Niagara-Fälle gestürzt, das wäre dann auch eine klare Folge der Verwendung des Begriffs „Islamismus“ gegenüber El-Sherbini und somit dem deutschen Rechtspopulismus, der einzigen Ursache von Rassismus gegenüber Muslimen, anzulasten… Von Steuerzahlern finanzierter geistiger Absturz. Aber es kommt noch besser: „Schon damals wurde gegen ‚den Islam‘ gehetzt, Musliminnen und Muslime wurden grundsätzlich als potentielle Terroristen betrachtet. Die rassistischen Diskurse haben sich seitdem nur bedingt verändert – dafür aber an Zuspruch gewonnen. Pegida wendet sich schon im Namen gegen die ‚Islamisierung des Abendlandes‘. Anders Breivik begründete so seine Bluttat 2011, bei der in Norwegen 77 Menschen starben. Und jüngst ermordete ein gebürtiger Australier im neuseeländischen Christchurch 49 Menschen während des Freitagsgebets in zwei Moscheen. Sein Motiv: Hass auf Musliminnen und Muslime.”

Zu Beginn des Textes wurde bemängelt, dass Einzelfälle auf alle übertragen werden. Zum Ende des Textes werden Einzelfälle auf alle übertragen. Weil ein paar Muslime für den IS in den Krieg ziehen, sind nicht alle Muslime böse, so hat man bei der Bundeszentrale für politische Blödheit argumentiert. Am Ende des Textes ist die Welt eine andere. Nun wird der Einzelfall Breivik benutzt, um alle Kritiker am Islam, alle, die der Bundeszentrale als Rechtspopulisten gelten, zu verkappten Mördern zu erklären oder doch zu geistigen Wegbereitern des verwirrten Breivik. Und weil es immer noch dümmer geht, werden die Pegida-Demonstranten samt und sonders zu Rassisten erklärt: Verurteilung wegen des Wahrnehmens demokratischer Rechte, wegen Mitlaufens.

Folglich ist die Bundeszentrale für politische Bildung genau des Rassismus, genau des Kurzschlusses schuldig, den sie selbst doch angeblich bekämpfen will. Stimmte die Logik, die die Bundeszentrale hier so heftig verbiegt, dann müsste man jeden, der in den nächsten Jahrzehnten durch Rechtsextremisten Schaden nimmt, vor der Tür der Bundeszentrale ablegen, denn die geistigen Brandstifter, die nicht differenzieren können, die Stereotype verbreiten und alle über einen Kamm scheren, die den Weg dafür bereiten, dass Einzelfälle zur Gesamtheit erhoben werden können, sie sitzen in der Bundeszentrale, auf Kosten der Steuerzahler und stiften geistigen Brand… aus Dummheit oder Absicht? Wer weiß

Bundeszentrale für politische Bildung: „Von Blicken und Brandbomben“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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