11. April 2019

Befragung im „DIW-Wochenbericht“ über die Zustimmung zum Bedingungslosen Grundeinkommen Links, leistungsscheu und von Armut bedroht

Das war zu erwarten

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Befürworter des Bedingungslosen Grundeinkommens: Links, arbeitsscheu und von Armut bedroht

Die Idee, vom Staat ausgehalten zu werden, ohne etwas zu tun, also über den Staat von denen, die etwas tun (müssen), spricht nach Ergebnissen der neuesten Forschung zum Bedingungslosen Grundeinkommen vor allem jüngere, politisch linksorientierte, leistungsscheue arme Schlucker an. Das ist wenig überraschend, wurde in dieser deutlichen Weise bislang aber noch nicht gezeigt.

Jule Adriaans, Stefan Liebig und Jürgen Schupp haben im neuesten „DIW-Wochenbericht“ die Ergebnisse einer Analyse der Zustimmung/Ablehnung für das Bedingungslose Grundeinkommen veröffentlicht. Sie basiert auf 2.211 Befragten, die im Rahmen des European Social Survey (ESS) befragt wurden, und auf 2.031 Befragten, die im Rahmen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) befragt wurden. Die Befragung hebt sich wohltuend von Meinungsumfragen ab, unter anderem deshalb, weil sichergestellt wurde, dass die Befragten, die eine Meinung zum Bedingungslosen Grundeinkommen äußern, auch wissen, wovon sie reden. Das hat man selten in Befragungen. Ein deutliches Plus für die vorliegende Studie.

Den Befragten wurden, neben der Frage nach dem Grad ihrer Zustimmung zum Bedingungslosen Grundeinkommen, noch eine Reihe weiterer Fragen vorgelegt, die es den Autoren ermöglichten, eine (wie könnte es anders sein) logistische Regression mit der (dichotomen) abhängigen Variablen „Zustimmung/Ablehnung des Bedingungslosen Grundeinkommens” zu rechnen, deren Ergebnis in Tabelle 1 auf Seite 267 der Arbeit dargestellt ist (siehe Link unten).

Interessant für alle, die in Statistik nicht firm sind, ist im Wesentlichen die linke Spalte der Tabelle. Mit 14,4 Prozent der Varianz erklärt das abgebildete Modell erstaunlich viel, gemessen an den Werten für Pseudo-R von ein bis fünf Prozent, die wir sonst gewohnt sind. Die Ergebnisse sind somit mehr oder weniger robust. Sie zeigen, dass die Befürwortung (positive Werte) des Bedingungslosen Grundeinkommens eher bei Befragten im Alter von 16 bis 25 Jahren zu finden ist. Tatsächlich ist die Zustimmung in dieser Gruppe am höchsten. Befragte im Alter von 26 bis 45 Jahren tendieren auch zu einer Zustimmung, jedoch in deutlich schwächerem Ausmaß als die jüngeren Befragten.

Das Schöne an Regressionen besteht in ihren kumulativen Ergebnissen, die es erlauben, die folgende Demographie der Befürworter des Bedingungslosen Grundeinkommens aus der Tabelle abzuleiten: Demnach befürworten jüngere Befragte, die selbst von Armut bedroht sind, das heißt mit weniger als 1.440 Euro Haushaltseinkommen im Monat auskommen müssen, die das Leistungsprinzip eher ablehnen und denken, das Einkommen von Geringverdienern sei ungerechterweise niedrig oder das Arbeitslosengeld zu gering, das Bedingungslose Grundeinkommen. So hätte man das auch erwartet. Mit dem Köder des anstrengungslosen Einkommens kann man nur die zum Anbeißen bringen, die sich dadurch eine Verbesserung in ihrem Leben erhoffen und kein Problem damit haben, diese Verbesserung von anderen, die offenkundig mehr leisten als sie selbst, finanzieren zu lassen.

„DIW-Wochenbericht“ 15/2019

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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