16. März 2019

Das Scheitern des geordneten Brexit macht radikale Maßnahmen erforderlich Wird die EU Unternehmen „Seelöwe“ aktivieren?

Die Friedensbereitschaft des Feindes soll erzwungen werden

von Holger Finn

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Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 101II-MW-5674-43 / Engelmeier / CC-BY-SA 3.0/Wikimedia Commons Könnte wieder aktuell werden: Unternehmen „Seelöwe“

Immer wieder stimmen sie ab in ihrer kleinen Parlamentshütte, in die gar nicht alle Volksvertreter hineinpassen. Und immer wieder versagen sie beim Versuch, eine Lösung für das selbstverschuldete Brexit-Dilemma zu finden. Inzwischen hat sich das britische Parlament den letzten Weg zu einem geordneten Brexit verbaut. Die EU überlegt nun nach Angaben des Magazins „Der Spiegel“, ob sie zu radikalen Maßnahmen greifen sollte.

Mit großer Langmut hatte die EU die Entscheidung der Briten akzeptiert, wider besseres Wissen aus der Weltfriedensgemeinschaft ausscheiden zu wollen. Doch alle Angebote, doch noch in der EU zu bleiben, indem weitere Referenden stattfinden, bis das Ergebnis eines Tages passt, haben die hartleibigen Briten ausgeschlagen. Notgedrungen zieht die EU deshalb jetzt andere Saiten auf. Keine Zugeständnisse mehr, erklärte Jean-Claude Juncker, kein Entgegenkommen, kein Einlenken.

Ein klares Zeichen, dass das Pokerspiel der Briten nicht mehr länger geduldet werden wird. Bereits nach dem unabgesprochenen Ausstiegsbeschluss hatte sich die Bundesregierung Unterlagen zum „Unternehmen Seelöwe“ aus dem Bundesarchiv bringen lassen, um auf die verschärfte Lage notfalls auch mit verschärften Maßnahmen reagieren zu können.

Nun, da Berlin und Brüssel augenscheinlich wirklich die Hutschnur reißt, sind die alten Lageskizzen, Dokumentationen über Vormarschwege und Verteidigungsanlagen Gold wert, die im „Seelöwe“-Plan stecken, den der Generalstab der Wehrmacht 1939 anfertigen ließ, um das perfide Albion militärisch in die Knie zu zwingen.

„Zielsetzung der Luftkriegführung gegen England in der Endlösung“ war es seinerzeit, „die letzte Widerstandskraft des Gegners durch Besetzung größerer Landesteile zu brechen“ und damit eine europäische Einigung unter deutscher Führung voranzutreiben. Schon damals hatte sich das Inselreich geweigert, friedliebenden Vorschlägen einer gemeinsamen Strategie zur Aufteilung der Verantwortung über die Welt zuzustimmen. Deutschland prüfte daraufhin „Möglichkeiten einer Invasion Englands“, um das perfide Albion an seine europäische Verantwortung zu erinnern.

Es ist alles noch da, etwas staubig und an manchen Stellen aktualisierungsbedürftig. Doch eine gesamteuropäische Landungsflotte könnte dank Seelöwe-Unterlagen in der Lage sein, die von der Brexit-Unsicherheit demoralisierten Streitkräfte von Royal Navy und Royal Air Force zu überrollen. Dabei geht die europäische Strategie über die seit so vielen Jahren so erfolgreichen Sanktionsstrategien gegen Russland, die Türkei, Saudi-Arabien und zahlreiche andere Länder hinaus und setzt unter deutsch-französischer Führung erstmals auch in Kampfeinsätzen ein Signal als moralische Führungsmacht der Welt.

Spitzt sich die Lage um die britische Hartleibigkeit weiter zu, würden die deutschen Truppen diesmal als Befreier kommen und sicher begeistert gefeiert werden. Hinter Deutschland steht schließlich ganz Europa, hinter Europa die gesamte freie Welt, gegen deren geeinte Kraft Großbritannien vermutlich nicht lange standhalten könnte. „Ein Landungsunternehmen im großen Stil über die Nordsee ist unter den vorerwähnten Voraussetzungen ein mögliches Mittel, die Friedensbereitschaft des Feindes zu erzwingen“, heißt es deshalb in Berlin, wo man Richtung Sommer schaut, wenn bestes Invasionswetter herrschen wird. Mit Hilfe französischer Basen und holländischer Häfen, aber auch über den Landweg vom EU-Mitgliedsstaat Irland aus könnte eine schnelle Besetzung des abtrünnigen Königreiches gelingen.

Bis dahin gehe es darum, „mit Ruhe und Besonnenheit zu analysieren“, heißt es im Regierungsviertel zu den Papieren zum Fall „Seelöwe“. Bei der Bundeswehr sei man jedenfalls optimistisch für den Feldzug, hofft aber, dass dies allein schon die Briten zum Umdenken zwingt. Geschieht das nicht, könnte die Bundesmarine gerade 91 Seefahrzeuge mobilisieren, um ein Landungsunternehmen auf der Insel durchzuführen, sie müsste dazu allerdings die Operation Atalanta am Horn von Afrika abbrechen und auch die Außengrenzen der EU völlig entblößen. Eine Entscheidung müsse bald fallen, heißt es im Führungsstab, sonst „verlieren wir noch ein Jahr“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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