13. März 2019

„Mantegna und Bellini – Meister der Renaissance“ in der Gemäldegalerie in Berlin Eine Jahrhundertausstellung

Ein Künstlerpaar, wie man es selten findet

von Vera Lengsfeld

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Bildquelle: Städel Museum/Wikimedia Commons Verblüffende Raumillusion: „Der Evangelist Markus“ von Andrea Mantegna (1431-1506)

Der Nachmittag ist verregnet? Macht nichts. Wer in Berlin und Umgebung wohnt, kann sich in der Gemäldegalerie in großer Kunst sonnen!

Darf man so früh im Jahrhundert von einer Jahrhundertausstellung sprechen? Man darf, denn es handelt sich um eine Schau, die so nie wieder zu bewundern sein wird. Die rund 100 Exponate in der Gemäldegalerie sind aus Museen und Privatbesitz aus Europa und Amerika zusammengetragen: aus der National Gallery und dem British Museum in London, dem Louvre in Paris, dem Prado in Madrid, der National Gallery of Art in Washington und natürlich aus Italien, wo die beiden Renaissance-Künstler herkommen.

Andrea Mantegna (1431-1506) und Giovanni Bellini (1430-1516) sind ein Künstlerpaar, wie es selten in der Geschichte zu finden ist. Mantegna entstammte einer Tischlerfamilie in Padua, Bellini wurde, wenn auch als wahrscheinlich uneheliches Kind, in die berühmte Malerfamilie Jacopo Bellini hineingeboren. Während Mantegna schon früh durch sein außerordentliches Talent auffällt, wird Bellini von seinem Vater gefördert, bis er das Malerhandwerk beherrscht. Am Anfang des Rundgangs hängt ein Frühwerk Mantegnas, das von seinem Genie zeugt. Das Bildnis des Heiligen Markus hat er mit 17 Jahren gemalt. Es verblüfft durch seine Raumillusion.

Von Mantegnas Selbstbewusstsein zeugt, dass er seinen Namen auf einem gemalten Papierzettel am unteren Bildrand platziert. Es ist sicherlich seinem frühen Ruhm zu verdanken, dass Mantegna in die venezianische Künstlerfamilie Bellini einheiraten darf. Mantegna wird nicht nur Ehemann von Bellinis Schwester, sondern Bellinis großes Vorbild. Dieser setzt sich intensiv mit dem Werk Mantegnas auseinander. Er eignet sich dessen Malstil an, übernimmt seine Kompositionen. Das geht bis zum Abpausen ganzer Figurengruppen, die dann zu einem eigenen Gemälde werden. Erstmals hängen Original und Kopie der „Darbringung Christi im Tempel“ nebeneinander.

Dabei ist zu sehen, dass es für Bellini nicht beim bloßen Kopieren geblieben ist. Er entwickelt einen eigenen, prägenden Malstil; leuchtende Farben, stimmungsvolle Landschaften, feierliche Kompositionen werden zu seinem Markenzeichen.

Die Wege der beiden Künstler trennen sich. Mantegna wird zum Hofmaler der Markgrafen von Mantua berufen, Bellini zum gefragtesten Maler seiner Heimatstadt Venedig. Aber die beiden bleiben in Verbindung. Mantegnas letztes Werk, ein Fresko, wird von Bellini vollendet.

Bis zum 30.6.2019 ist die Ausstellung zu sehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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