09. Februar 2019

Freiheit und Moral Die Bibel und ihre Fracht

Besser als eine Ersatzreligion

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Sollte man ernst nehmen: Bibel

Die Bücher der Bibel nicht zu kennen oder nicht ernst zu nehmen ist meiner Meinung nach eine Beleidigung für jeden aufgeklärten Verstand. Warum?

Negativ ausgedrückt lässt sich sagen, dass die Prinzipien der Bibel und Gott als die Verkörperung der Wahrheit den Menschen in seinem Handeln über lange Zeit beschränkt haben. Eine positive Interpretation ist jene, wonach die Schrift und das Göttliche den Menschen und sein Streben über Jahrtausende hinweg eingebettet haben in einen verbindlichen moralischen Wertekanon, der das heute gern beworbene „tägliche Neuaushandeln“ im Miteinander ganz und gar unnötig machte und dadurch Platz und Freiheit für anderes, größeres schuf.

Die Aufklärung – so der allgemeine Konsens – hat den Menschen von dieser Begrenzung und Beschränktheit, also von Gott und den moralischen Leitplanken und Handlungsanweisungen der Bibel befreit.

Je länger ich die Bibel jedoch studiere (es zumindest versuche), desto überzeugter bin ich davon, dass das, was in ihren Büchern als „Sünde“ gilt, der Graben zwischen Mensch und Wahrheit also, dem Menschen wirklich und real schadet. Dem „Einzelnen“ und seinem „Eigenen“ ebenso wie größeren und kleineren Gemeinschaften.

Dass, mehr noch, das Sich-Erheben über alles und jeden, Raub, Neid, Untreue, Verantwortungslosigkeit, Betrug, Mord, Rufmord (um nur einige zu nennen) und das, was sie an Wirkung und Reaktion auslösen, das Potenzial haben, Individuen und Gemeinschaften buchstäblich und nachhaltig zu zerstören. Und dass umgekehrt, was die Bibel als richtig, tugendhaft und wahr definiert – also das Vermeiden von Sünde in Gedanken und Tun und das Streben nach Wahrheit –‍, dem Einzelnen und einer Gesellschaft dient im Sinn eines erfüllten Lebens und eines fruchtbaren und friedlichen Miteinanders.

Das Obige ist nur ein kleines Schlaglicht auf die gewaltige Fracht der Bibel. Es zeigt aber deutlich genug, dass solches zu verwerfen als menschenunwürdige Begrenzung, als geistige Armut und Unfreiheit nicht nur dumm ist, sondern (ein weiteres Mal) das Potenzial eines Wegs mitten hinein in eine Ersatzreligion birgt, in der ein paar Menschen (Führer) sich selber und ihre Ideen, ihr Handeln und Reden zu Ideal und Wahrheit (Gott) erheben, während der Rest zu folgen haben wird. Das Ende der Freiheit. Auf diesem Weg befinden wir uns.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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