29. Januar 2019

Elektromobilität kommt im Alltag an Audi E-Tron statt Ausreden

Man muss nur zugreifen – für 80.000 Euro

von Holger Finn

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Bildquelle: Grzegorz Czapski / Shutterstock.com Audi E-Tron: Greifen Sie zu!

Die Grünen schworen schon im letzten Bundestagswahlkampf auf konsequente Elektromobilität, auch wenn die eigene Kampagne dadurch nicht so recht in Fahrt kam. Doch wer das Richtige tun will, der muss sich eben die Zeit dazu nehmen. Und wer elektrisch unterwegs ist, dem schlägt keine Stunde, weil sein Smart fortwo Electric Drive für knapp über 21.000 Euro ihn reisen lässt wie zu Zeiten der Postkutsche. Der im Heck platzierte Drehstrom-Synchronmotor bringt den Wagen auf eine Geschwindigkeit von bis zu 130 Kilometern in der Stunde, im realistischen Fahrbetrieb fährt der hochmoderne E-Wagen damit bis zu 140 Kilometer weit, ehe er wieder aufgeladen werden muss.

Eine Stunde unterwegs, zwei Stunden laden. Die Reise aus München zum Kurzurlaub nach Schleswig währt länger als der Aufenthalt am Ziel. Noch lässt die Bundesregierung hochrangige Forscher untersuchen, warum das vor sechs Jahren ausgerufene Ziel, das Weltklima bis 2020 durch den großflächigen Einsatz von einer Million Elektromobilen zu retten, nicht in Sichtweite rückt.

Oder eben doch. Hoffnung macht der neue Stromer der VW-Premiummarke Audi, nach einem alten Hollywood-Streifen „E-Tron“ genannt. Das erste rein elektrisch angetriebene Serienmodell aus Ingolstadt überzeugt mit kräftiger Linie, 21-Zoll-Schmiederädern, Sportsitzen, Panorama-Glasdach, LED-Matrix-Scheinwerfern, Lederausstattung, Vier-Zonen-Klimaautomatik, einem Audiosystem von Bang & Olufsen und neuartigen virtuellen Außenspiegeln, die dem interessierten Fahrer über Kameras Eindrücke vom rückwärtigen Verkehr vermitteln.

Das 360 PS starke Elektromobil im Gewand eines richtigen Autos ist mit einer 95-Kilowattstunden-Batterie ausgerüstet, deren Ladung ausreichen würde, rund 100 Mittagessen für vier Personen auf einem Elektroherd zu kochen. Im Verkehr gibt sie dem E-Tron-Besitzer laut Hersteller die Möglichkeit, rund 270 Kilometer weit zu fahren, ehe der E-Tron wieder an die Ladebuchse muss.

Ohne Stopp und mit ein wenig Glück schafft es der Münchner E-Tron-Urlauber mit seinem Stromer also ohne Halt von daheim bis an die frühere deutsch-deutsche Grenze bei Hof, ehe er einen ersten Ladehalt durchführen muss. Der nächste folgt dann auf Höhe Potsdam, den Rest der Strecke bis nach Heiligenhafen kann der Audi dann aber ohne Halt durchbrettern – dank einer Wärmepumpe, die die Abwärme der elektrischen Bauteile nutzt, um thermisch belastete Teile wie E-Maschinen, Ladegerät und Leistungselektronik zu kühlen. Diese kluge Idee deutscher Ingenieure bringt einen Reichweitenvorteil von bis zu zehn Prozent – abhängig von der Außentemperatur – und lässt die Fahrt von München an die See zu einer kurzweiligen Reise von nur zehn bis zwölf Stunden schrumpfen. Das ist nicht einmal doppelt so lange wie ein stinkender Diesel oder ein umweltzerstörender Benziner bräuchte, und es liegt noch weit unter der Zeit, die Lastkraftwagen benötigen.

So viel Luxus und so viel Mobilität der Zukunft hat freilich ihren Preis. Die Einstiegssumme für den E-Tron liegt bei 80.000 Euro, ein paar Extras inbegriffen wird der Kaufpreis schnell sechsstellig. Bereits grundsätzlich jenseits der magischen Schwelle von 100.000 Euro, nämlich 105.900 Euro, kostet die bereits vorkonfigurierte und auf 200 Exemplare limitierte Edition One, mit der der engagierte Umweltschutzmobilist seiner Umwelt am besten zeigen kann, dass er weiß, dass wir die Erde nur von unseren Enkeln geborgt haben und bereit sind, den letzten Baum nicht zu roden, den letzten Fluss nicht zu vergiften und den letzten Fisch ungefangen zu lassen, weil er gemerkt hat, dass man Geld nicht essen kann.

Ein Lump, wer jetzt noch Ausreden sucht, weshalb er sich der Elektromobilität immer noch verweigert. Mit dem E-Tron kommt diese im Alltag von Millionen Bürgerinnen und Bürgern an, die nun nur noch zugreifen müssen. Die ersten Auslieferungen des E-Tron sollen im März 2019 folgen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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