23. Januar 2019

Empörung über „Dschungelcamp“-Äußerung von Tommi Piper Du brauchst keinen BH

Es sollte wohl ein Kompliment sein

von Jörg Seidel

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Bildquelle: shutterstock Nicht immer nötig: Bikini

Wir waren im Thermalbad in Harkány. Da lief eine junge Blonde in knappem Bikini an mir vorüber, mit einer klassischen Büste – vielleicht sogar ein bisschen mehr –‍, fest und weiß wie Marmor! Ich dachte: Die braucht auch keinen Bikini, an der Form würde sich nichts ändern.

Hatte ich diesen Satz nicht gerade erst gelesen? Stimmt: im „Focus“. Es ging um die Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ („Dschungelcamp“), und dort soll ein gewisser Tommi Piper einer gewissen Doreen Dietel – beide in Welten bekannt, die ich nicht betrete – ins Ohr geflüstert haben: „Du brauchst keinen BH“.

Nach allem, was ich ermessen kann, war das etwas übertrieben, aber immerhin, es sollte wohl so etwas wie ein Kompliment sein. Dass es das nicht war, zeigt der „Aufschrei“, die „Empörung“, die dem armen Mann nun in der Presse und auf der neuen Weltmacht Twitter entgegenschlägt. „Metoo-Aufschrei im Dschungel!“, schreibt der „Focus“, also jenes Blatt, das diese Sendung regelmäßig promotet und bespricht.

Da werden ein Dutzend Menschen in den Urwald geschickt, schwitzend, halb nackt, eng an eng, und alles dafür getan, dass „was passiert“, und geschieht es dann nicht ganz hygienisch, geilen sich verschiedene Hauptmedien daran auf und die Feministen heulen um die Wette. Dabei ist das Ziel derartiger unseliger Sendung seit „Big Brother“ eben jener Voyeurismus.

Wieder ein schönes Beispiel – von Dutzenden an jedem Tag –, wie sich das System der Moralisierung des Lebens selbst verstärkt und zugleich auffrisst.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Seidwalk“.


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