14. Dezember 2018

Beschluss der SPD-Jugendorganisation zur Abtreibung Die Jusos sch… auf Moral und Recht

Nein sagen reicht nicht

von Felix Honekamp

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Bildquelle: Helmut Reckling (CC BY-SA 3.0)/Wikimedia Commons Wollen Abtreibungsparagraphen ersatzlos streichen: Jusos

Ich weiß, dass der Beitragstitel ordinär geraten ist. Meine Frau „schimpft“ immer – zu Recht – mit mir, wenn ich mich im Ton vergreife und Worte benutze (und seien sie auch nur angedeutet), die ich unseren Kindern nicht erlauben würde. Aber das Thema hier ist einfach zu wesentlich, es geht zu sehr an die Substanz von Menschlichkeit, als dass es einen kaltlassen dürfte. Leser, die sich mit dem Thema Lebensrecht beschäftigen, wissen, worum es geht: Die Jungsozialisten (Jusos), die Jugendorganisation der SPD, haben auf ihrem Bundeskongress vom 30. November bis 2. Dezember die ersatzlose (!) Streichung der Paragraphen 218 und 219 des Strafgesetzbuches gefordert.

Rechtslage

Paragraph 218 Strafgesetzbuch erklärt, kurz gesagt, dass sich strafbar macht, wer eine Abtreibung vornimmt. Folgeregelungen wie der Paragraph 218a Strafgesetzbuch formulieren Umstände, unter denen eine Bestrafung dieser an sich rechtswidrigen Tat nicht vorgesehen sein soll (beispielsweise nach Fristen- und Beratungsregelung). Paragraph 219 Strafgesetzbuch und Folgeregelungen beschreiben die Beratung von Schwangeren in diesem Prozess,  Paragraph 219a insbesondere das Verbot der Werbung für diese Straftat.

Diese Gesetzgebung ist – insbesondere aus Sicht des Lebensschutzes – ein Kompromiss. Christen betrachten menschliches Leben als mit der Zeugung entstanden; das Bundesverfassungsgericht hat eindeutig festgestellt, dass der Schutz der Würde eines Menschen auch einem ungeborenen Kind ab dem Zeitpunkt der Zeugung zusteht; selbst die Fristen- und Beratungslösung sieht („eigentlich“ muss man sagen, die Praxis ist oft eine ganz andere) vor, im Sinne des Schutzes des ungeborenen Menschen zu beraten. Trotzdem handelt derjenige straffrei (aber nicht gesetzeskonform – von Moral wollen wir für den Moment gar nicht reden), der eine Abtreibung innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate nach einer entsprechend bestätigten Beratung vornimmt.

Die gefährlichste Zeit des Lebens

Innerhalb dieser ersten drei Monate im Mutterleib liegt also für ein Kind – nach derzeitiger Rechtslage – die gefährlichste Zeit seines Lebens, denn niemand schützt es vor einer willkürlichen Tötung, selbst dann nicht, wenn es – wie in gut 99 Prozent aller entsprechenden Fälle – keinen medizinischen oder kriminologischen Grund für eine Abtreibung gibt.

Das reicht der Juso-Führung allerdings nicht. Sie will durchsetzen, dass Kinder im Mutterleib noch bis kurz vor der Geburt getötet werden dürfen. Das Argument: Das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Petra Lorleberg dokumentiert dazu auf kath.net Wortbeiträge der unterschiedlichen Positionen. Verfechter eines Mindestmaßes an Lebensrecht mussten sich dabei beschimpfen lassen, sie klängen eher nach Junger Union denn nach Jusos.

Was Juso sein bedeutet

Man darf also festhalten: Juso sein bedeutet, zu wollen, dass Kinder im Mutterleib ohne gesetzliche Bremse umgebracht werden dürfen, egal ob sie nach dem „Eingriff“ anfangen, „auf dem OP-Tisch zu stöhnen, sich zu bewegen…!“, wie es eine der vernünftigeren Delegierten äußerte. Für diese Darstellung der Wahrheit musste sie sich „pathetische Rhetorik“ vorwerfen lassen. Das war den sozialistischen Snowflakes mit ihrer verqueren Vorstellung von einem Selbstbestimmungsrecht offenbar zu viel Realität. Lorleberg zitiert eine Vertreterin dieses Selbstbestimmungsrechts, das vor keinem Menschenleben Halt macht: Man müsse das „feministisch“ ernst meinen. Man müsse für etwas einstehen, „ja – für die Lebenden, für die Frauen, für ihre Selbstbestimmung, und nicht für irgendwelche Ungeborenen“. Es sei doch zuvor juristisch erklärt worden, dass Ungeborene kein Recht hätten, „das Menschenrecht gilt erst mal für die Frau und dann für alles andere“. Alles andere würde „den CDU-Leuten“ argumentativ entgegenkommen.

Nein sagen reicht nicht

Ich zähle mich selbst zu denjenigen, die den Lebensschutz – von der Zeugung bis zum natürlichen Tod – an die erste Stelle setzen. Als Menschen sind wir von Gott aus keinem anderen Grund als aus tiefster Liebe geschaffen, und jede leichtfertige Tötung eines Menschen – mutwillig, erklärbar, fahrlässig, aus verständlichen oder aus niederen Absichten – stellt eine menschen- und gottesverachtende Ablehnung dieses Geschenks dar.

Trotzdem bin ich gleichzeitig der Meinung, dass es nicht reicht, Frauen oder Familien im „Schwangerschaftskonflikt“ einfach ein Verbot entgegenzuhalten. Die Liebe Gottes zu einem Menschen, die sich in uns widerspiegeln sollte, muss über ein Nein zu seiner Tötung hinausgehen. Darum bin ich ein Fan solcher Lebensschutzorganisationen – wie der Aktion 1000plus –, die sich der Hilfe für Schwangere im Konfliktfall verschrieben haben und nicht mit christlicher Morallehre, sondern mit Hilfe zur Stelle sind.

Ausnahmen – mit politischer Vertretung

Unter Lebensschützern und Katholiken gefällt diese Position auch nicht jedem, und ich versuche dann gegenzuhalten mit dem Argument, dass ich überzeugt bin, dass nur die wenigsten Frauen leichtfertig ein Kind abtreiben. Solche gibt es auch, diejenigen, die öffentlich bekunden, sie seien stolz auf ihre Abtreibungen, aber an deren Statements mache ich erstens Fragezeichen hinsichtlich Wahrhaftigkeit und geistiger Reife, vermute vielleicht sogar psychische Schäden und Schutzreflexe aus der Abtreibung und halte sie zweitens eben für Ausnahmen.

Auf die Seite dieser Ausnahmen haben sich jetzt die Jusos gestellt, deren Forderung nach Abschaffung des Lebensrechts zwar sozialistisch folgerichtig, trotzdem (oder gerade deshalb) moralisch verwerflich ist und unserer Verfassung widerspricht. In den Medien, die kürzlich erst meinten, das Westerwald-Lied als Nazipropaganda skandalisieren zu müssen, herrscht zu diesem handfesten Skandal in der Jugendorganisation einer abgehalfterten ehemaligen Volkspartei Schweigen oder Verständnis.

Trauer und Wut

Man muss es immer wieder herausstellen: Die Tötung eines Menschen im Mutterleib ist aus christlicher Sicht durch nichts zu rechtfertigen und widerspricht verfassungsrechtlich unserer deutschen Grundordnung. Die Jusos stellen sich außerhalb unserer christlich geprägten westlichen Moral und außerhalb unserer Verfassung. Die Jusos sind ein Verein, der sich mit solchen Forderungen Menschenverachtung auf die Fahnen geschrieben hat.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 100.000 Kinder durch Abtreibung im Mutterleib. Den Sozialisten dieser Welt ist dieser Babycaust noch nicht groß genug. Mir fehlt die Phantasie, wie sich meine Verachtung für einen solchen Verein noch steigern ließe. Darum der Titel dieses Beitrags, der – womöglich unbeholfen – meiner Trauer und Wut Ausdruck verleihen soll, was in Deutschland zwischenzeitlich alles denk- und politisch kommunizierbar ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem „Papsttreuen Blog“.


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