16. Oktober 2019

Anschlag auf ein Beratungszentrum der Anti-Abtreibungs-Organisation 1000plus am 7. Oktober in Berlin Tage der Schande

Terror gegen andere

von Felix Honekamp

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Bildquelle: shutterstock Es beginnt mit Diffamierungen: Gewalt gegen Sachen

Verbrechen zu vergleichen führt meistens aufs Glatteis. Im globalen und geschichtlichen Maßstab sind es die Verbrechen Nazideutschlands, die schwer zu vergleichen sind mit denen anderer Länder und Ideologien. Aktuell ist es schwer einzuschätzen, ob der Anschlag eines Islamisten in Limburg nur deshalb als kleineres Verbrechen einzustufen ist, weil der Täter es – Gott sei Dank – nicht geschafft hat, Menschen umzubringen, während im Vergleich der Täter in Halle an der Saale tatsächlich zwei Menschen getötet hat. Trotzdem verstehe ich durchaus, warum uns als Deutsche das zweite Verbrechen mehr direkt belastet als das erste, woraus man nicht gleichzeitig schließen kann, das erste sei weniger wichtig. Insofern halte ich das Prädikat „Tag der Schande“ für den Mittwoch durchaus für berechtigt, wenn auch diskussionsbedürftig.

Anschlag auf 1000plus

Wenn aber das ein Tag der Schande ist, dann ist es auch der Montag letzter Woche. Da betrat nämlich eine Mitarbeiterin des Berliner Beratungszentrums der Organisation 1000plus, die sich für Schwangere in Notsituationen und das Lebensrecht Ungeborener einsetzt, die dortigen Räume und sah ein Bild der Verwüstung: Eingeschlagene Fenster, beschmierte Wände, Türen, Teppiche. Und – da sich die Täter dessen offenbar rühmen – ein Graffito mit der Schrift „Pro Choice“. Auf der linksextremistischen Seite „Indymedia“ findet sich ein anonymes Bekennerschreiben, unter anderem mit den Worten: „Seit Juni 2019 befindet sich der Heidelberger ‚Lebensschutzverein‘ Pro Femina e.V./1000plus als dritte Niederlassung in Deutschland in der Adenauerstraße 1, 10557 Berlin. Dieser Verein gibt vor, ergebnisoffene Beratungen für schwangere Frauen* anzubieten, die sich im Schwangerschaftskonflikt befinden. Recherchen zeigten, dass diese Beratungen manipulativ und keinesfalls ergebnisoffen sind. Starke Zweifel der Frauen* wurden ignoriert und medizinisch nicht anerkannte psychische Folgeschäden eines Schwangerschaftsabbruchs aufgeführt. Es wurde sogar Geld dafür angeboten, dass Kinder zur Welt gebracht werden. Wir haben am Wochenende des 05./06.10. das Büro der Vereins Pro Femina am Adenauerplatz am Kudamm besucht. Wir brachen in das Gebäude ein, zerschlugen die Scheiben im dritten Stock, hinterließen einen zugeschmierten Flur mit Farbe und Buttersäure und den Spruch ‚Pro Choice!‘, dazu verklebten wir das Schloss.“

Ergebnis der Kampagnen gegen 1000plus

1000plus schreibt dazu in einer Pressemitteilung: „Vergangene Nacht also ist die Saat derer endgültig aufgegangen, die in einer medialen Kampagne seit Monaten davon schreiben, unsere Beratung sei ‚manipulativ‘, ‚nicht ergebnisoffen‘, oder sogar von ‚Psychoterror‘ gesprochen haben – ohne jemals einen Beweis vorzulegen. So funktioniert Verleumdung, und so werden Menschen manipuliert. So wird Hass gesät und zur Gewalt gegen Andersdenkende angestachelt.“

Kristijan Aufiero, Vorsitzender des Vereins, ergänzt noch persönlich: „Ich will ganz ehrlich sein: Es ist erschütternd und bedrückend, zu sehen, wie sich blanker Hass und Zerstörungswut über uns ergießen, weil wir Schwangeren in Not eine Alternative zur Abtreibung bieten. Bilder einer Vergangenheit kommen hoch, von der ich dachte, sie würde nie wieder zurückkommen.“

Warum ich hinter 1000plus stehe

Ich will gar nicht erst behaupten, dass ich mich hinsichtlich dieser Taten „neutral“ aufstellen könnte. Das Lebensrecht Ungeborener liegt mir am Herzen, und wenn es 1000plus mit seinen Hilfsangeboten für Frauen im Schwangerschaftskonflikt nicht schon gäbe, müsste man es erfinden. In der Tat werden bei 1000plus keine Beratungsscheine ausgestellt, mit denen man zu einer straffreien Abtreibung innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate gelangt. Hier werden echte Alternativen angeboten, wenn sich Frauen in einem Konflikt befinden und das ungeborene Kind gerne bekommen möchten, aber keine Perspektive sehen, wie das gehen soll. Wo bei anderen Beratungsangeboten am Ende meist die Option zur Abtreibung steht, werden hier Türen aufgemacht, inklusive Unterstützung mit Sachspenden und sonstigem, die bislang verschlossen waren.

Abtreibungs- und „Pro Choice“-Organisationen ist so was ein Dorn im Auge, denn deren Ideologie basiert darauf, dass eine Schwangerschaft eher wie eine Krankheit zu behandeln sei und es so etwas wie ein Lebensrecht des Ungeborenen gar nicht gebe. Zu Recht spricht man von einer „Kultur des Todes“, die hier verbreitet wird.

Gesellschaftliche Realität

Man muss allerdings auch zur Kenntnis nehmen, dass dieses Lebensrecht in unserer Gesellschaft kein Konsens mehr ist, sondern man dieses Lebensrecht auf allen politischen Ebenen zu schleifen sucht. Die Bestrebungen, Werbung für Abtreibungen, bislang verboten, zu erlauben, sind genauso ein Zeugnis dafür wie die Proteste gegen den alljährlichen Marsch für das Leben und die immer wieder aufflammende Diskussion, Abtreibungen als „Frauenrecht“ generell zu erlauben. Insofern muss man auch damit leben, dass Gegner des Lebensrechts Ungeborener medial Stellung nehmen und ihre Meinung zu verbreiten suchen. Auch das ist kein „fairer“ Kampf, da die Medien in weiten Teilen auf der Seite dieser sogenannten „Pro Choice“-Bewegung stehen. Aber immerhin einer, der weitgehend mit den Mitteln der Argumentation ausgetragen werden könnte.

Diffamierungen, wie sie Lebensschützern entgegenschlagen, beginnen damit, dass diese Bezeichnung in Anführungszeichen gesetzt wird, bis hin zu Unterstellungen, dass Frauen nicht beraten, sondern unter Druck gesetzt würden, führen aber am Ende zu genau solchen Anschlägen wie am 7. Oktober in Berlin. Und machen wir uns nichts vor: „Gewalt gegen Sachen“ schlägt, wenn sie nicht zum erhofften Erfolg führt, immer auch in Gewalt gegen Personen um.

Terror

Wenn also heute berechtigterweise analysiert wird, wie es zu einer Radikalisierung von rechtsextremen Tätern kommen konnte, dann lohnt auch ein Blick auf die linke politische Seite, die sich zunehmend radikalisiert – der Anschlag in Berlin ist ein deutliches Zeichen dafür. Und das beredte Schweigen der Medien werden die Täter als Bestätigung auffassen, dass sie es bei Lebensschützern mit Freiwild zu tun haben. Unterstützung erfahren Vereine wie 1000plus jedenfalls auch dann nicht, wenn sie auf diese Weise angegriffen werden.

Darum meine Bitte an meine Leser: Verbreiten Sie die Kenntnisse über den Lebensschutz weiter, verbreiten Sie auch die Pressemeldung über diesen Anschlag weiter. Wir müssen für die notwendige Aufmerksamkeit sorgen, die dazu führt, dass der Anschlag als das gewertet wird, was auch der in Halle ist: Terror gegen andere.

Ich wünsche den Beraterinnen und 1000plus jedenfalls viel Kraft beim Weitermachen: Im Gebet verbunden danke ich Ihnen für Ihre Arbeit für Schwangere und die Ungeborenen!

Pressemitteilung von 1000plus: „Anschlag auf unser Beratungszentrum in Berlin!“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem „Papsttreuen Blog“.


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