23. November 2018

Gesindel an der Spitze Skrupel, das Schwein zu killen

Lieber Bratkartoffeln klauen

von Kurt Kowalsky

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Bildquelle: shutterstock Selbermachen ohne Skrupel: Bratkartoffeln

Neulich unterhielt ich mich mit einem guten Freund über Schweinskopfsülze. Das wäre nicht erwähnenswert, hätte mein Freund nicht bemerkt, dass er doch gewisse Skrupel hätte, so ein Schwein zu killen.

Das Dilemma, in dem sich ein Tierfreund beim Verzehr von Fleisch befindet, scheint weitaus größer zu sein als das des Pflanzenfreundes beim Essen von Salat.

Und so ist es natürlich auch mit den Kreaturen, die sich als gesellschaftliche Führerlinge hervorbringen, gleich wie sich Münchhausen aus dem Sumpf gezogen hat. Friedrich Nietzsche bezeichnete es übrigens als eine Art logischer Notzucht und Unnatur, wenn man sich selbst aus dem Sumpf des Nichts an den Haaren ins Dasein zu ziehen versucht.

Zu viel der Ehre für die Figuren mit den gefärbten Haaren, den Perücken und den Pferdegebissen, die tagein tagaus von einer halben Armee bis an die Zähne bewaffneter Schergen bewacht, geleitet und gestützt werden müssen, weil sie sonst die längste Zeit den Führerling einer Nation gemimt hätten.

Es ist selbstverständlich nicht unnatürlich, riecht es aus einem Eimer Gülle nach Gülle, doch so ein Gesellschaftsmitglied, also ein Mensch oder eine Menschin, ist nicht per se abgründig, böse, hinterhältig, verlogen und skrupellos. Obwohl ich persönlich mit den wenigsten davon etwas zu tun haben wollte, möchte ich gerne annehmen, dass die meisten – bei aller, auch mir eigenen inhärenten Beschränktheit – guten Willens sind.

Der Mensch an sich ist tatsächlich auch irgendwo edel, hilfreich und gut. Umso mehr verwundert es mich, dass das Gesindel, das man normalerweise wegsperren würde, sich regelmäßig an die Spitze von Gesellschaften schwemmt und sich dort zu halten vermag.

Mir hat, und das ist kein Witz, mein Sohn vor wenigen Jahren (ich war schon über 60) erzählt, wie man Bratkartoffeln selbst machen kann. Sollte ich also jemals in Not geraten und Hunger haben, würde ich dieses Wissen nutzen und irgendwo Kartoffeln klauen, um diese dann zu kochen und zu braten. Das erscheint mir einfacher zu sein als ein Schwein zu fangen, um an Schweinskopfsülze zu kommen.

Ich hoffe, ich habe mit der mir eigenen Umständlichkeit die eingangs nicht formulierte Frage jetzt hinreichend beantwortet. (Schade, zu schade, liebe Polizeispitzel und Verfassungsschützer, dass Sie jetzt diesen Text vermutlich drei Mal lesen müssen, aber die Ungeheuerlichkeit meiner Polemik nicht erfassen können.)

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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