20. November 2018

Hintergründe zum potenziellen Merkel-Nachfolger Blackrock und der nützliche Lobbyist Friedrich Merz

Kein Leistungsträger, sondern Apparatschik

von Viktor Heese

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Bildquelle: David Tran Photo / Shutterstock.com Agiert im Stillen: Vermögensverwalter Blackrock

Friedrich Merz wird heute irrtümlicherweise als hochqualifizierter Mann der Wirtschaft gehandelt. Sein Job als Obercontroller bei der deutschen Niederlassung des weltgrößten Fondsbetreibers und Vermögensverwalters Blackrock (Anlagevolumen 6,3 Billionen US-Dollar oder knapp das Doppelte des deutschen Bruttoinlandsprodukts) soll diese Top-Fähigkeit eindrucksvoll belegen. Warum hinterfragen die Systemmedien nicht, was Merz bis dato konkret geleistet hat und was er bei Blackrock wirklich tut?

„Die heimliche Weltmacht“ immer in den Diensten der Mächtigen

Der US-Finanzmulti agiert im Stillen und genießt einen denkbar schlechten Ruf. Zu seinen Kunden zählen die Fed und die EZB, die Finanzministerien und Staatsfonds, die sich von ihm gegen üppige Honorare beraten lassen. So die EZB bei ihren Anleihekäufen, oder die mit EU-Geldern geretteten Banken Griechenlands und Zyperns. Besonders der persönliche Draht zu EZB-Chef Mario Draghi scheint sich wegen der Insiderinformationen, die kleinere Konkurrenten nicht haben, auszuzahlen. Wer mehr darüber erfahren will, der findet im Wikipedia-Artikel „Blackrock“ und in dem Buch „Blackrock: Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld“ von Heike Buchter einen guten Einstieg. Auch bei Großkrisen in den USA waren die New Yorker auf Risiko und Kosten der Steuerzahler als „Aufkäufer“ und Vermittler bei der Abwicklung fauler Kredite und Schrottanleihen dabei. Sie fehlten nicht in der Finanzkrise 2008 und bei der Rettung der Investmentbank Bear Stearns, des Versicherungsgiganten AIG oder der öffentlichen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac. „Blackrock gehört zu den großen Gewinnern der Rettungsaktion“, meint ein Experte, der die Entscheidungen der US-Regierung kontrolliert. Konkurrent und Hedgefonds-Profi Icahn sieht, wohl nicht uneigennützig, Blackrock als „eine Bedrohung für die globalen Finanzmärkte“ und „eine extrem gefährliche Firma“. Wohl noch gefährlicher als Goldman Sachs, Ex-Arbeitgeber von Draghi und Co.

Das liegt nicht primär an den gefälligen Beratungen für die Mächtigen, sondern an seiner Finanzmacht. Als Großinvestor kann Blackrock – ihm gehören unter anderem große Dax-Pakete – durch Käufe und Verkäufe die Markttrends massiv beeinflussen, was jedoch nicht verboten ist. Plastisch ausgedrückt sei Blackrock so etwas wie der „Elefant im Teich“, der potenziell das „Boot zum Schaukeln“ bringen könne. In Entwicklungsländern soll der Koloss schon öfters die dortigen winzigen Finanzmärkte und die politischen Verhältnisse durcheinanderbringen. Dabei wechseln Brutalität und Heuchelei beliebig. 2012 fiel Blackrock wegen der Spekulation mit Agrarpreisen auf und wurde von Verbraucherverbänden indirekt für die Verstärkung der Hungersnöte in der Welt mitverantwortlich gemacht. Wer dagegen heute auf die Webseite der deutschen Niederlassung schaut, findet dort nur edle und neutrale Investmentthemen: Altersvorsorge, Megatrends, Nachhaltigkeit, Schwellenländer.

Friedrich Merz ist kein Manager, sondern ein Lobbyist und Controller

Selbstverständlich ist Friedrich Merz als Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Niederlassung von Blackrock für den schlechten Ruf des Multis nicht verantwortlich. Dafür ist er einige Nummern zu klein. Er kann im Konzern auch keine operative Leistung zum Beispiel als erfolgreicher Fondsmanager nachweisen. Würde er Performance nachweisen müssen, wäre er wahrscheinlich schon längst rausgeflogen. Auch die ganze berufliche Vita des Juristen dreht sich vornehmlich um Beratung, Controlling und Aufsicht, primär bei Banken, Versicherungen und Unternehmen mit mehrheitlichem Staatsbesitz oder in Staatsnähe (Köln-Bonner Flughafen). Hier nutzt der Ex- und Wieder-Politiker seine alten Top-Verbindungen. Wer diese besitzt, kann auch schon mal als „Berater“ einen Tagessatz von 5.000 Euro verlangen, wie seinerseits beim Verkauf der öffentlich-rechtlichen WestLB, wie es aus dem Bericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses des nordrhein-westfälischen Landtags hervorgeht.

Kein Wunder, dass dieser Apparatschik, kein nachgewiesener Leistungsträger oder Visionär, versucht, sich mit kruden Angriffen auf die AfD beliebt zu machen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Prawda24.com.


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