15. November 2018

Regierungsportal „Make it in Germany“ für ausländische Fachkräfte Mit ganzem Gewicht

Altmaier als Youtube-Star

von Holger Finn

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Bildquelle: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com Das freundliche Gesicht Deutschlands: Peter Altmaier

Er selbst, der Wirtschaftsminister, wirft auf der Startseite sein ganzes Gewicht in die Waagschale. „Make it in Germany“, fordert Peter Altmaier, das freundliche Gesicht Deutschlands, auf dem „zentralen Informationsportal der Bundesregierung für alle Fragen rund um das Thema Einwanderung nach Deutschland“, das seit 2012 völlig unbeachtet im Internet steht.

Geht es nach den Zahlen, die die Seite beim Bemühen produziert, „weltweit Fachkräfte dafür zu begeistern, in Deutschland zu arbeiten“, dann sieht die Zukunft düster aus: make-it-in-germany.de liegt nach sechs Jahren harter Arbeit bei den Besucherzahlen gleichauf mit aufstehen.de, der Internetseite des inzwischen gescheiterten Versuchs, alle linken Kräfte Deutschlands unter Führung von Sahra Wagenknecht wiederzuvereinigen.

Dabei bietet „das Portal der deutschen Bundesregierung für Fachkräfte aus dem Ausland“ alles, was das Herz begehrt. Beim angeschlossenen Youtube-Kanal spricht Peter Altmaier in mehreren Fremdsprachen zu einem nicht existierenden Publikum. Eine Hotline namens „Arbeiten und Leben in Deutschland“ öffnet den Zugang zur Bundesagentur für Arbeit und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. „Darüber hinaus verfügt ‚Make it in Germany‘ über ein starkes Partnernetzwerk“, werben die Initiatoren, die für eine „Kultur in Politik, Gesellschaft, Verwaltung und Unternehmen“ stehen, „die zum Bleiben in Deutschland einlädt“.

Entsprechend sind die meisten Menschen, die sich für „Make it in Germany“ interessieren, auch schon hier. Etwa ein Drittel der Besucher der Seite klickt sich nicht aus dem Ausland durchs Angebot, um mal zu schauen, was Deutschland so zu bieten hat. Sondern aus dem Inland, wo sie das „moderne und vielfältige Bild von Deutschland“, das die Bundesregierung hier zeigen will, um „die Bundesrepublik als sympathisches und weltoffenes und damit für qualifizierte Fachkräfte attraktives Land zu präsentieren“, eigentlich auch gut vor der Haustür anschauen könnten.

Sie aber sind es, die make-it-in-germany.com so erfolgreich machen: Von den Besucherzahlen her ist die Einwanderungsseite dem „Soester Anzeiger“, der „Esslinger Zeitung“ („Über 300 Lehrstellen in Esslingen unbesetzt“) und fast sogar auch dem „Mallorca-Magazin“ ebenbürtig. Leicht übertrifft sie sogar den „Landfunker“, den „Schuhkurier“ und das werbefreie Mitmachangebot politplatschquatsch.com. Kein Wunder bei Ratschlägen wie: „German language skills improve your chances“, „deutsche Sprachkenntnisse erhöhen ihre Chancen“, ohne die kaum ein Zuwanderer sich nach Deutschland trauen würde, weil er ja nicht wüsste, ob es besser ist, ein bisschen Deutsch zu können, oder doch, es nicht zu beherrschen.

Die Perle des flippigen, coolen Angebots bleibt aber in jedem Fall die Sammlung an aufwendig und oft mehrsprachig produzierten Videos, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zu einem echten Online-Giganten machen: Altmaiers Einladungsfilme kommen schon nach einer Woche auf über 100 Zuschauer, die meisten anderen, die Erfolgsgeschichten aus der neuen Heimat erzählen, wurden in acht Monaten bereits von 50 oder sogar 70 Leuten gesehen.

Portal der Bundesregierung für Fachkräfte aus dem Ausland: „Make it in Germany“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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