25. Oktober 2018

Äußerungen des Afrikabeauftragten der Bundesregierung, Günter Nooke, zur Kolonialzeit Deutsche drängeln wieder zur Selbstanklage

Das Entwicklungsministerium knickt ein

von Michael Klonovsky

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Wirkt nach: Kolonialismus in Afrika

Der Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), „steht wegen seiner Aussagen zur Kolonialzeit in der Kritik“, meldet die „FAZ“. Diverse Grüne wollen Nooke die beliebte Rassismus-Schelle umhängen, unter anderen die Bundestagsabgeordnete und „Afrika-Expertin“ („Welt“) Kirsten Kappert-Gonther, eine Bremer Psychotherapeutin, in deren Lebenslauf und Bildungsweg Afrika zwar nicht vorkommt, deren Kennerschaft sich aber sympathischerweise, im Gegensatz zu anderen Grünen, statt mit der ganzen Welt mit nur einem Kontinent zufriedengibt. In einem Interview hatte Nooke auf die Frage, inwieweit die Missstände in Afrika Folge der Kolonialzeit seien, geantwortet: „Es gibt schon Nachwirkungen. Schlimm waren die Sklaventransporte nach Nordamerika. Auf der anderen Seite hat die Kolonialzeit dazu beigetragen, den Kontinent aus archaischen Strukturen zu lösen. Experten, auch Afrikaner, sagen: Der Kalte Krieg hat Afrika mehr geschadet als die Kolonialzeit.“ Außerdem schlug er vor, in Afrika Städte auf neuem Gelände zu gründen, wo aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge angesiedelt werden könnten, und sagte: „Vielleicht ist der eine oder andere afrikanische Regierungschef bereit, gegen eine Pacht ein Stück territoriale Hoheit abzugeben und dort für 50 Jahre eine freie Entwicklung zuzulassen.“

Naturgemäß knickte das zuständige Bundesministerium (für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sofort ein und ließ durch irgendeine Sprechpuppe verkünden: „Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass der Kolonialismus eine historisch anerkannte, massiv schädigende Wirkung auf die Entwicklung in Afrika hatte. Die Bundesregierung, so auch der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin, stehen zur Durban-Erklärung und der Bekämpfung von Rassismus in jeder Form.“ Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium, tat, was deutsche Politiker am liebsten tun: Er distanzierte sich von Nookes Aussagen. Was an ihnen falsch sein soll, welche Entwicklung Afrika beispielsweise ohne den Kolonialismus genommen hätte – nebenbei: die meisten Afrikaner wurden von muslimischen Menschenhändlern in die Sklaverei verschleppt, was komischerweise nie Thema ist, vor allem bei den Moslems selber nicht (die in diesem Weltteil beliebte Schächtung kam weiland auch schon zur Anwendung) –, ob die Kolonialzeit, neben allen unbestrittenen Scheußlichkeiten, nicht auch positive Effekte hatte, warum die ganze milliardenschwere Entwicklungshilfe nichts gebracht hat und ob nun, zwei bis drei Generationen und Tausende Entwicklungschancen später, nicht endlich einmal Schluss sei mit den Schuldvorwürfen und die Afrikaner ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen sollten, all diese Fragen können wegen ihres offenkundig rassistischen Untertons nicht gestellt werden. Es sind immer Deutsche, die sich bei der Selbstanklage ganz nach vorn drängeln und die unbedingt auch einen Völkermord an den Hereros begangen haben wollen (die Belgier etwa, die ganz anderes auf dem Kerbholz haben, schweigen vornehm). Diese trostlosen Figuren machen sich anscheinend keinen Begriff – oder gerade? –, welches Erpressungspotenzial sie mit ihren verspäteten notorischen Selbstbezichtigungen afrikanischen Aktivisten zur Verfügung stellen. Was Nooke betrifft: Er stammt aus der DDR, dort war bekanntlich alles schlechter, sogar die Gehirnwäsche.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Afrika

Mehr von Michael Klonovsky

Über Michael Klonovsky

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige