08. Oktober 2018

Dokumentation: Stellungnahme der Bayernpartei vor der Landtagswahl in Bayern Die Bayernpartei steht bei sechs Prozent

Wie sich Meinungsforscher mit Fehlprognosen blamieren

von Redaktion eigentümlich frei

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Bildquelle: shutterstock Am Sonntag wird gewählt: Bayern

Die Chancen stehen gut, dass wir am 14. Oktober 2018 Zeugen eines historischen Ereignisses werden: Denn die Rückkehr der Bayernpartei in den Bayerischen Landtag steht unmittelbar bevor. Noch nie in den vergangenen 50 Jahren war das Interesse an der Bayernpartei größer: Täglich beantwortet die Geschäftsstelle unzählige Anfragen von interessierten Wählern, die Zahl der wöchentlichen Neueintritte ist konstant zweistellig. Darüber hinaus hat die Bayernpartei so viele Plakate aufgestellt, so viele Flugblätter verteilt und so viele Informationsveranstaltungen abgehalten wie lange nicht mehr. Die Bayernpartei ist lebendig und professionell wie seit Jahren nicht, und das wird auch vom Wähler bemerkt. Circa sechs Prozent der wahlberechtigten bayerischen Bürger liebäugeln mit einer Wahl der Bayernpartei – auch wenn uns Presse und Umfrageinstitute etwas anderes glauben lassen wollen.

In Wirklichkeit haben diese Wahlumfragen nämlich so gut wie keine Aussagekraft. Denn was viele Wähler nicht wissen: Umfrageinstitute, egal ob Forsa, Civey oder INSA, fragen die Bayernpartei in ihren Wahlumfragen gar nicht ab. Die sogenannten „Sonstigen“ werden den Teilnehmern nämlich nie als einzelne Antwortoptionen, sondern fast immer nur in einem gemeinsamen Block zur Auswahl angeboten. Der Befragte kann also immer nur eine „andere Partei“ auswählen, nicht aber die „Bayernpartei“. Am Wahltag steht aber nun mal keine „andere Partei“, sondern die Bayernpartei zur Wahl. Deshalb können die Umfragen gar kein echtes Stimmungsbild einfangen. Es überrascht daher nicht, dass die sogenannten „Sonstigen“ am Wahltag meist sehr viel besser abschneiden als in den Wahlumfragen im Vorfeld einer Wahl. Einen Beweis für die mangelnde Aussagekraft von Umfragen hat unter anderem die letzte Landtagswahl im Jahr 2013 geliefert: Während die sogenannten „Sonstigen“ in den Wahlumfragen zwischen drei und sechs Prozent vermutet wurden, haben sie am Wahltag fast neun Prozent erreicht. Aufgrund dieser Nicht-Abfrage wird die Bayernpartei auch diesmal von vielen angeblichen „Experten“ weit unterschätzt, während die etablierten Parteien mal wieder viel zu stark eingeschätzt werden.

Ein weiteres Problem ist die unzureichende Auswahl der Befragten. Noch immer werden die Teilnehmer in der Regel über einen Festnetz-Telefonanschluss kontaktiert. Wähler allerdings, die über kein Festnetztelefon verfügen – zu dieser Gruppe gehört mittlerweile ein Großteil der 18- bis 35-Jährigen –, haben somit keine Möglichkeit, aneiner Wahlumfrage teilzunehmen. Andere Umfrageinstitute befragen die Wähler ausschließlich online. Hier wiederum bleiben ältere Menschen außen vor. Wie auch immer die Meinungsforscher also vorgehen, ein erheblicher Teil der Wählerschaft bleibt unberücksichtigt. Eine realistische Einschätzung der politischen Stimmung ist auf diesem Wege somit nicht mehr möglich. Die Folge ist ein weltweit zu beobachtendes Versagen der Umfrageinstitute: Egal ob bei den letzten britischen Unterhauswahlen, beim Brexit-Referendum oder bei der Wahl von Donald Trump, immer haben die Umfrageinstitute das Wählerverhalten im Land völlig falsch eingeschätzt. Aber auch bei der letzten Bundestagswahl haben sich die Meinungsforscher blamiert. Von allen Instituten wurde die CSU in Bayern zwischen 47 und 49 Prozent gesehen. Am Ende hat sie 38,8 Prozent erreicht…

Ferner stellen die Besonderheiten des bayerischen Wahlrechts die Meinungsforscher vor unlösbare Herausforderungen. Die den Wahlumfragen zugrundeliegende Methodik basiert nämlich auf dem Wahlsystem für die Bundestagswahl: Mit der Erststimme wird ein Direktkandidat gewählt, mit der Zweitstimme wählt man eine Parteiliste. Ausschließlich die Zweitstimme entscheidet über die Zusammensetzung des Bundestags. Bei der bayerischen Landtagswahl hingegen werden Erst- und Zweitstimme zusammengezählt, damit keine Stimme verlorengeht. Angenommen ein Wähler verteilt, aus welchen Gründen auch immer, seine Erststimme und seine Zweitstimme auf zwei unterschiedliche Parteien, so wirkt sich das auf das Gesamtergebnis beider Parteien aus. In einer einfachen Umfrage jedoch lässt sich dieses komplizierte Verrechnungsverfahren nicht abbilden. Auch aus diesem Grund sind die Wahlumfragen zur Landtagswahl kaum aussagekräftig.

Auch die Berichterstattung über eine mangelnde politische Unabhängigkeit vieler Umfrageinstitute muss bei der Einschätzung der Umfrageergebnisse beachtet werden. Denn viele Institute stehen laut einschlägigen Presseberichten politischen Parteien nahe. Der Chef von Forsa, Manfred Güllner, zum Beispiel ist Mitglied in der SPD, INSA-Chef Hermann Binkert wird eine Nähe zur AfD nachgesagt, während Matthias Jung, der Vorsitzende der Forschungsgruppe Wahlen, dem Umfeld der CDU zugerechnet wird. Es ist also nicht verwunderlich, dass immer wieder Gerüchte von der Bevorzugung bestimmter Parteien die Runde machen. Auch die Berichte über gezielte Beeinflussung von Umfrageergebnissen durch die verantwortlichen Institute haben das Vertrauen in die Meinungsforscher nachhaltig zerstört.

Vom politischen Gegner werden die Wahlumfragen genutzt, um der Bayernpartei Schaden zuzufügen. Es wird einfach behauptet: „Eine Stimme für die Bayernpartei wäre eine verlorene Stimme.“ Zum Beleg wird auf die aktuellsten Umfragen verwiesen, bei denen die sogenannten „Sonstigen“ meist irgendwo zwischen drei und sieben Prozent stehen. Nutznießer sind immer die etablierten und medial präsenten Parteien.

Die neue Stärke der Bayernpartei lässt sich auf anderer Ebene nachvollziehen: So steht sie in Bezug auf die Anzahl der Follower und die Zugriffszahlen in den sozialen Netzwerken auf dem dritten Platz aller in Bayern vertretenen Parteien. Und das ganz ohne Werbebudget. Die Qualität ihrer „Social-Media-Arbeit“ wird von Fachleuten gepriesen. Darüber hinaus ist die Bayernpartei nach Mitgliederzahlen die viertgrößte Partei Bayerns. Letztes Jahr haben sich 33 Prozent der Bayern für einen unabhängigen Freistaat ausgesprochen. Der Bayernpartei-Vorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Florian Weber, analysiert daher: „Auch diese Zahlen lassen selbstverständlich keine wasserfeste Prognose für den Wahlausgang zu. Sie sind jedoch ein Indikator für ein enormes Interesse an der Bayernpartei. Wetten, dass sich dies im Wahlergebnis widerspiegeln wird?“


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