18. September 2018

Bundestagsabgeordneter Johannes Kahrs in der „Hamburger Morgenpost“ gegen die AfD Glaubt er, was er sagt?

„Ich stehe hier und kann nicht anders.“

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Cosmicgirl (CC BY 3.0)/Wikimedia Commons Johannes Kahrs: Glaubt er selber, was er sagt?

Johannes Kahrs, Bundestagsabgeordneter der vielerorts zügig, aber ohne Hast der Einstelligkeit entgegenstrebenden ehemaligen Volkspartei SPD und seit dem letzten Plenum auch außerhalb Hamburgs bekannt, erläutert in der „Hamburger Morgenpost“ die Beweggründe seiner opportunistischen Rüpeleien gegen den aufstrebenden politischen Mitbewerber zur Rechten: „Seit neun Monaten erlebe ich die AfD in Ausschüssen, im Plenum und den sozialen Netzwerken. Es reicht! Hier geht es nicht um politischen Streit. Hier geht es nicht um unterschiedliche Lösungen für die verschiedenen Fragen und Aufgaben für die Zukunft unseres Landes. Hier geht es um alles! Hier geht es um unser Land! Hier geht es um die Gesellschaft, in der wir leben! Die AfD betrachtet unser Land als marode und kaputt.“ – „Sie ist getrieben von Hass, will diese Gesellschaft zerstören und in ein Land umformen, in dem viele von uns keinen Platz mehr haben. Käme die AfD an die Macht, müssten Millionen von Menschen die Koffer packen, mich eingeschlossen. Die offene, liberale und soziale Gesellschaft, in der wir heute leben, würde über Nacht in eine hässliche Diktatur verwandelt.“ – „Es muss uns darum gehen, sie für alle sichtbar zu entlarven. Zu zeigen, dass wir es nicht nur mit naiven Wirrköpfen zu tun haben, sondern dass hinter diesen Damen und Herren ein System lauert, das Deutschland schon einmal an den Rand der totalen Vernichtung geführt hat. Ich stehe hier und kann nicht anders.“

Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder der Mann glaubt bolzenstramm an das, was er da sagt; dann leidet er an einer schweren Wahrnehmungs- und zugleich narzisstischen Persönlichkeitsstörung, in die sich überdies der Tourette-artige Tic drängt, andere zu beleidigen und mit Verbalschmutz zu bewerfen (Koprolalie), und der Bedauernswerte sollte vielleicht einen Spezialisten aufsuchen. Ähnliches vermutet Alexander Wendt: „Kahrs hält nicht nur Alexander Gauland für den neuen Hitler im Tweedjackett, sondern sich selbst für eine Mischung aus Martin Luther, Otto Wels und Hans Scholl“, wobei dem historisch Gebildeten spontan ein weiterer, sogar beinahe namensgleicher und insofern der alleridealste Kandidat zur übersprunghaften Selbstidentifikation des feschen Sozis einfällt: der bayerische Generalstaatskommissar Gustav von Kahr (der freilich einer Nacht der langen Messer zum Opfer fiel und keine anzuzetteln gedachte).

Oder aber Kahrs gibt nur vor, an das zu glauben, was er da von sich gibt; in diesem Fall eignete er sich moralisch zwar allenfalls als Betreiber eines Pornokinos, könnte aber beruflich weitermachen wie bisher.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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