03. September 2018

Deutsche Medien über Gewaltserie in Schweden vor den Wahlen Nun ist doch etwas passiert

Plötzlich bekommt Donald Trump recht

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Plötzlich gibt es sie doch: Gewaltverbrechen in Schweden

„Sehen Sie, was in Deutschland passiert, sehen Sie, was gestern Abend in Schweden passiert ist. Schweden, wer hätte das gedacht?“, fragte Donald Trump im Februar 2017. Nichts! Gar Nichts! Kein bisschen was!, antworteten die Leitmedien von „New York Times“ bis zur „Tagesschau“. Trump war danach erledigt, einmal mehr der Verbreitung von Fake News überführt. In Schweden jedenfalls war alles in Ordnung, eine „dieser langen skandinavischen Winternächte“ habe es gegeben, so die „Tagesschau“. Nicht mehr.

Im „Spiegel“ konterten Migranten Trumps Behauptung: Angeblich gestiegene Kriminalitätsraten und soziale Probleme?  Eine „gestiegene Zahl von Angriffen mit Waffengewalt und Vergewaltigungen in den vergangenen Jahren“? Quatsch! Die Waffengewalt sei in den letzten Jahren zurückgegangen. Und auch bei den angezeigten Vergewaltigungen habe es 2015 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang gegeben, berichtete das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg.

Seitdem aber scheinen die Verhältnisse in Schweden ins Tanzen gekommen zu sein. „Eine Serie brutaler Gewalt erschüttert Schwedens größte Städte“, heißt es in der aktuellen Ausgabe des von Auflagenschwund, Glaubwürdigkeitsverlust und strategischen Fehlern geplagten Blattes. Zehn Menschen seien allein in Malmö seit Jahresanfang umgebracht worden, im ganzen Land habe es „mehr als 120 Schusswechsel mit 24 Toten“ gegeben. In der Hauptstadt Stockholm komme es immer wieder zu Brandanschlägen, Handgranatenexplosionen oder Schießereien auf offener Straße, in Göteborg seien Mitte August Vermummte in Banden durch die Straßen marodiert und hätten rund 100 Autos angezündet.

An sich natürlich kein Thema für ein Nachrichtenmagazin, das seine Prioritäten den Erfordernissen der Staatsraison anpasst.  Da die Mörder, Marodierer und Brandschafter in Schweden „oft einen Migrationshintergrund“ haben, hält sich der Eifer, über Brandanschläge, Handgranatenexplosionen oder Feuergefechte in den Innenstädten zu berichten, nicht nur beim Qualitätsblatt Nummer eins in Grenzen. Wenn überhaupt ein paar Meldungen produziert werden, dann über bedauerliche Einzelfälle. Und als Erklärung muss dann ein wachsendes „Problem mit Handgranaten“ herhalten, als hätten die milden Nordlichter der „langen skandinavischen Winternächte“ („Tagesschau“) die fatale Gewohnheit entwickelt, von selbst zu explodieren.

In einer Woche aber sind nun Wahlen in Schweden, dem selbsternannten „Volksheim“, das einen linksdrehenden DNS-Strang und sozialdemokratische Nukleotide besitzt. Stärkste Partei im bevölkerungsreichsten skandinavischen Land werden anschließend die Schwedendemokraten sein, eine „rechtspopulistische Partei mit Wurzeln in der Neonazi-Szene“. Wie aber erklärt man das seinem Kinde? Wo man doch eben noch behauptet hat, Schweden sei wirklich ein Heile-Welt-Land, ein Bullerbü-Idyll, in dem die Bürger keineswegs um ihre Sicherheit bangen?

Nun, man tut so, als habe man nie etwas anderes getan als getreulich zu berichten. Und schiebt dem mutmaßlichen Profiteur des Staatsversagens made in Sweden die Verantwortung für dasselbe in die Unterwanderstiefel: „Die Gewaltverbrechen kommen wie gerufen für die Schwedendemokraten“, berichtet Claus Hecking aus dem mordgeplagten Malmö. Die „Tagesschau“ sekundiert, als würde das plötzlich einsetzende Konzert jemand dirigieren: „Wie Rechtspopulisten Schweden verändern“ und legt damit nahe, dass die Folge einer Ursache die eigentliche und einzige Ursache ist.

Die Rechten missbrauchen die Gewalt der Opfer einer schwedischen Politik, die es versäumte, die für die erste Generation der „Einwanderer aus dem Nahen Osten, Iran oder Bosnien“ gebauten „Siedlungen lebenswert zu machen und in die Städte zu integrieren“. Der Schmerz verursacht die Wunde, der Verband den Schmerz.

Das Muster ist bekannt, die Folgeforderungen sind programmiert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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