28. August 2018

Verein für Sprachpflege und Verein Deutsche Sprache Damit unsere Sprache nicht verkommt

Katarina Barley will das Gender-Sternchen im Duden sehen

von Klaus Peter Krause

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Bildquelle: shutterstock Sollte gepflegt werden: Deutsche Sprache

Die deutsche Sprache ist ein Kulturgut. Kulturgüter sind zu erhalten, zu hegen und zu pflegen. Bei alten Gebäuden, Stadtgestaltungen, Kunstwerken, Liedgut, Musikkultur und dergleichen mehr versteht sich das von selbst. Aber beim Kulturgut Sprache ist das nicht so einfach, denn jeder kann sie sprechen, wie er will, kann sie beschädigen, kann sie verhunzen. Das allerdings tunlich nur so lange, wie er damit noch verstanden wird. Und Sprache lebt, wandelt sich mit der Zeit, nimmt Worte aus anderen Sprachen auf und erlebt Moden, die sich abwechseln und wieder vergehen. Daher ist es eine wichtige Aufgabe, dass über Moden und Wandel eine Sprache nicht verkommt, dass sie als Kulturgut gewürdigt und angesehen bleibt. Aber die Sprache wird auch politisch missbraucht, und zu viele sind gegenüber ihrer Sprache gleichgültig. Sprachlicher Verfall ist die Folge. Ihm haben sich im 19. Jahrhundert schon die Gebrüder Grimm entgegengestellt. Wilhelm Grimm schrieb vom „hohen Wert der Sprache, die ein Volk noch zusammenhält, wenn andere Stützen brechen“.

Sprachmoden, Sprachwandel, Sprachsünden

Die deutsche Sprache ist reich an Ausdrucksformen und Dialekten. Die ganze Fülle dieser Ausdrucksformen findet sich in der Schriftsprache. Wer gewählt zu sprechen versteht und sich darum bemüht, nimmt sie als Vorbild. Die meisten begnügen sich mit der Umgangssprache. Aber gerade in ihr breiten sich die Moden, der Wandel und die Sprachsünden aus. Mit der Zeit dann finden sie auch Eingang in die Schriftsprache. Das kann diese armseliger werden lassen, ihre Vielfalt gefährden und ihre Schönheit beschädigen. Wer die Sprache vernachlässigt, geht mit diesem Kulturgut achtlos um und weiß nicht, was er ihr antut, will es wohl auch nicht wissen. Auch neigen viele Deutsche dazu, die inhaltsarmen Floskelsätze der Politiker nachzusprechen und „Denglisch“ zu reden, also anstelle schöner deutscher Wörter das Vokabular aus der englischen Sprache zu benutzen. Daher will ich auf eine kleine Zeitung hinweisen, die sich darum bemüht, dass wir uns nicht versündigen an unserer Sprache.

Der Hochmut der deutschen Fußballmannschaft bei der WM in Russland

Die Zeitung heißt „Deutsche Sprachwelt“ und sieht sich als „Die Plattform für alle, die Sprache lieben“. Sie erscheint in einem kleinen Format vierteljährlich als Frühlings‑, Sommer‑, Herbst‑ und Winter-Ausgabe. Das aktuelle Sommer-Blatt zum Beispiel mokiert sich über den Wahlspruch der deutschen Fußballmannschaft „Best Never Rest“ bei der diesjährigen WM in Russland, also „Die Besten ruhen sich niemals aus“. Peinlich und peinvoll. Die Besten sind die elf der Mannschaft 2014 gewesen, wo sie den WM-Titel geholt hatten. Damals waren sie mit dem Motto auf Deutsch angetreten: „Bereit wie nie“. Bekanntlich schieden sie jammervoll diesmal schon in der Vorrunde aus. Nun, mit dem Anglizismus sind sie regelrecht baden gegangen. „Hochmut kommt vor dem Fall“, reibt Autor Thomas Paulwitz der Mannschaft und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) unter die Nase. Mit dem Sinn des Spruchs auf Deutsch: „Wir sind die Besten, wir brauchen keine Pausen, wir stehen schon von Anfang an als Weltmeister fest“ wäre schnell klar gewesen, so Paulwitz, „dass eine wichtige Tugend fehlt: Demut“. Mit „Best Never Rest“ hat der Verein DeutscheSprache den DFB gerade als Sprachpanscher des Jahres 2018 abgestraft.

Aufgespießt: Gut aufgestellt

Die „Sprachwelt“ spießt Sprachwendungen auf, die häufig beim Herumschwafeln von Politikern entstehen, von Medien weitergereicht, von Unternehmen und Verbänden aufgegriffen und dann immer abgegriffener werden, wie zum Beispiel: „Wir sind gut aufgestellt.“ Klemens Weilandt schreibt: „Man ahnt, dass sich nun ein weites Feld der Anwendung von ‚gut aufgestellt‘ eröffnet. Wie wäre es mit ‚charakterlich gut aufgestellt‘, ‚gedanklich gut aufgestellt‘ oder ‚moralisch gut aufgestellt‘, vielleicht auch mit ‚argumentativ gut aufgestellt‘ oder mit ‚rezeptiv gut aufgestellt‘? Sage niemand, da gebe es Grenzen.“ Weilandt hat dazu ein Buch geschrieben: „Lesefrüchte – Vondergeschliffenen zur geschleiften Sprache“.

Katarina Barley mit dem Gender-Sternchen in der Sprachsünder-Ecke

Auch bietet das Blatt in jeder Ausgabe eine „Sprachsünder-Ecke“. Dort stellt es Personen vor, die in Sachen Sprache besonders unangenehm aufgefallen sind, und ruft seine Leser zum Protest gegen die Sprachspinnerei auf. Diesmal ist es Katarina Barley, die Bundesjustizministerin. Sie hat gefordert, den Gender-Stern in den Duden aufzunehmen. Es soll dort also nicht mehr „Bürger“, „Polizist“, „Verbrecher“ heißen, sondern „Bürger*in“, „Polizist*in“, „Verbrecher*in“. Mit dem Sternchen sollen sich in solchen Wortkennzeichnungen nicht nur männliche und weibliche Bürger, Polizisten, Verbrecher wiederfinden, sondern auch zwittrige und solche, die sich einem der zahllosen Geschlechter zurechnen, die die Gender-Ideologen erfunden haben.

Die aggressive Ideologie des Gender-Wahns

Warum diese Frau (SPD, linker Flügel) das will? „Die Politik muss die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen berücksichtigen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen.“ Das muss sie überhaupt nicht, zumal sie „die Menschen“ gar nicht gefragt hat. Die „Sprachwelt“ zitiert den Dichter Reiner Kunze: „Der Sprachgenderismus ist eine aggressive Ideologie, die sich gegen die deutsche Sprachkultur und das weltliterarische Erbe richtet, das aus dieser Kultur hervorgegangen ist.“ Redewendungen wie „Übung macht den Meister“ oder „Der Klügere gibt nach“ dürften nicht mehr gebraucht werden, weil die geschlechtsübergreifende Bedeutung nicht mehr gedacht werden dürfe. Vorsorglich warnt das Blatt vor dem Rat für deutsche Rechtschreibung, der ebenfalls schon nach den Gender-Sternen greife.

Wenigstens in Österreich: Weg mit dem Binnen-I, weg mit StudentInnen

Natürlich ist dem Blatt auch die Nachricht aus Österreich etwas wert, wonach das österreichische Verteidigungsministerium (BMLV) das „Binnen-I“ in den Orkus verbannt und zur sprachlich normalen Schreibweise zurückkehrt. Minister Mario Kunasek (FPÖ) habe angeordnet, den Sprachgebrauch bei „geschlechtergerechten Formulierungen in Gesetzen, Verordnungen, Verwaltungsvorschriften, Formularen und so weiter für den gesamten Ressortbereich des BMLV“ zu ändern. Dazu gehört auch das große „I“ im Innern eines Wortes. Darauf werde in den „Durchführungsbestimmungen“ zum „geschlechtergerechten Sprachgebrauch“ besonders hingewiesen. Also, mit den Missbildungen wie „SoldatInnen“ oder „StudentInnen“ oder „der/die Studierende“ ist es vorbei, zumindest im Bereich dieses Ministeriums. Zu verwenden ist das generische Maskulinum. Damit, so die „Sprachwelt“, breche Österreichs Verteidigungsminister mit einem wirkmächtigen sprachfeministischen Glaubenssatz. Das generische Maskulinum habe mit Sexismus und Ausklammern des Weiblichen oder gar Unterdrückung der Frau in der Sprache nichts zu tun. So etwas liest man doch gern. Deutschland sollte dem folgen – aber bitte überall, nicht nur im Amtsbereich des Bundesverteidigungsministeriums – und die feministische Sprachpolizei dorthin zurückkehren, von wo sie über uns gekommen ist: in den Orkus.

Die deutsche Sprache als „Orgel unter den Sprachen“

Herausgegeben wird die „Sprachwelt“ vom Verein für Sprachpflege. Daneben gibt es den oben schon erwähnten Verein Deutsche Sprache. Dieser tritt dafür ein, wie er auf seiner Web-Seite schreibt, „dass Deutsch nicht zu einem Feierabenddialekt verkommt, sondern um sie als eigenständige Kultur- und Wissenschaftssprache zu erhalten, weiterzuentwickeln und vor dem Verdrängen durch das Englische zu bewahren“. Der Verein, 1997 gegründet, sei eine bunte, große und wachsende Bürgerbewegung mit derzeit 36.000 Menschen aus nahezu allen Ländern, Kulturen, Parteien, Altersgruppen und Berufen. Allein ein Drittel davon seien Freunde der deutschen Sprache aus Asien oder Afrika. Der Verein verweist auf das vielzitierte Wort von Jean Paul: „Die deutsche Sprache ist die Orgel unter den Sprachen.“ Der Vergleich ist ehrend gemeint, weil die Orgel wegen ihrer Größe, mit ihrem gewaltigen Klang und, wenn sie alt ist, mit ihrer prunkenden Pracht gern als „Königin der Instrumente“ bezeichnet wird. Man kann mit dem Vergleich aber auch spottend warnen: „Eine Orgel hat viele Register, sie wird oft mit Füßen getreten, und reihenweise machen Pfeifen die Musik“ („Worte gegen den Wind“). Auf diese Weise kann man die Sprache zum Misstönen bringen.

Verein für Sprachpflege

Verein Deutsche Sprache

„Worte gegen den Wind“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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