23. August 2018

Spekulationen über das Ende der Präsidentschaft Donald Trumps Ein Held der Arbeiterklasse

Kein US-Präsident wird dem Globalen Pakt für Migration beitreten

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Evan El-Amin / Shutterstock.com Immer noch im Amt: Donald Trump

Seitdem Donald Trump zum Präsidenten gewählt worden ist, obwohl die meisten deutschen Journalisten dagegen waren, ist keine Woche vergangen, in der nicht irgendein Wahrheits- und Qualitätsmedium geraunt hätte, dass Trump wegen dieser Affäre oder jenes Vorwurfs werde zurücktreten müssen (Bernd Zeller: „Rätselhaftes Signal aus dem All könnte das endgültige Ende von Trump bedeuten“). Momentan wird darüber spekuliert, ob die Verurteilung seiner beiden Vertrauten Paul Manafort und Michael Cohen dem Präsidenten endlich das Genick bricht. „Werden wir gerade Zeugen vom Ende der Präsidentschaft Trump?“, fragt frohlockend der Amerika-Korrespondent der „Welt“, Hannes Stein, einer jener beflissenen Transatlantiker, denen mit der Trump-Wahl das bergende überseeische Rektum zumindest temporär abhandenkam. Der Journalist erlangte eine ebenfalls temporäre Bekanntheit mit seiner Beschreibung der Wahlnacht, wie sie sich daheim bei den Steins zutrug („Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn Trump“), die kulminierte in einem Passus von so prangender Unzurechnungsfähigkeit und schmarrköpfiger Hysterie, wie ihn nicht mal Claudia Kipping-Eckardt zustande brächte, nämlich: „‚Donald Trump hat die Wahl gewonnen‘, sagte ich leise. Meine Frau sagte nichts, dann fing sie an zu weinen. Ich nahm ihre Hand, sodass unsere Arme eine Art Brücke über unser Kind bildeten, dann weinte auch ich. ‚Unser Sohn, unser Sohn‘, sagte ich. Mir rannten apokalyptische Bilder durch den Kopf, mir fiel ein, dass heute zufällig der 9. November war, der Tag, an dem in Deutschland die Synagogen brannten. ‚Unser Sohn muss leben.‘ Er atmete zwischen uns tief und gleichmäßig.“

Und das tut er hoffentlich und gottlob heute noch. Auf der anderen Seite des Atlantiks begann ich ungefähr zur selben Stunde Champagner zu trinken und zu tanzen, nachdem ich die Nacht tief und gleichmäßig durchgeatmet hatte, denn in den frühen Morgenstunden war eine SMS mit einem berühmten Zitat bei mir eingetroffen, das lautete: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“ Mir rannen oder meinetwegen rannten freudige Bilder durch den Kopf, denn es war der 9. November, der Tag, an dem der Realsozialismus zusammengebrochen war – dass der Surrealsozialismus unter der Führung einer ostdeutschen Kommunistenpfarrerstochter noch bevorstand, ahnte weiland nicht einmal die neckische Klio. Aber jedem Verständigen war zumindest in der Wahlnacht klar, dass der Donald, anstatt Synagogen anzuzünden und anders als die vom Endzeitpropheten und Neocon-Wedelträger H. Stein präferierte kriegsgeile Hillary, den Syrienkrieg und den Ukrainekonflikt nicht weiter anheizen, ja womöglich sogar austreten würde. Die beiden treffendsten Metaphern für den aktuellen US-Präsidenten entstammen der „progressiven“ Rockmusik: „A Working Class Hero“ („Ein Held der Arbeiterklasse“, John Lennon) und „Peace Train“ („Friedenszug“, Cat Stevens, seit 1978 als Yusuf Islam in der Religion des Friedens angekommen).

Ob Trump nun vorzeitig ab- oder eine zweite Amtszeit antritt, die US-Politik wird sich in einem entscheidenden Punkt nicht ändern: Kein US-Präsident wird dem Globalen Pakt für Migration beitreten, jeder Präsident wird der Trump-Sentenz beipflichten: „Wir sind eine Nation und kein Siedlungsgebiet.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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