09. August 2018

„Bild“ über die Krebserkrankung von Asma al-Assad Unverschnittener Hass

Deutschland als Welthauptstandort der Moral

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Hetz-Presse: Darf man den Tag herbeisehnen, da der Hass auf sie zurückfällt?

Ganz unten, wo es nicht mehr tiefer geht, wo jede Menschlichkeit sich verflüchtigt hat wie damals aus Stalin, der wusste, dass man langfristig nur gut sein kann, wenn man an der Macht bleibt und alle seine Gegner gründlich vernichtet, finden sich Medienarbeiter, die nicht mit Gefängnissen, Galgen und Gewehren arbeiten, sondern mit Hetze, Hass und purer Verdorbenheit.

Wo ihnen Argumente fehlen, bezeichnen sie andere als „Irre“ und „Wahnsinnige“. Wo ihnen widersprochen wird, schreiben sie von „Hass“ und „Hetze“. Und wo sie selbst merken, ganz tief drinnen, wo ihre Mütter ihnen einen eingeschrumpelten kärglichen Rest Menschlichkeit hinterlassen haben, dass es irgendwie widerlich ist, was ihnen durch den Kopf und die Tastatur ins Blatt quillt, setzen sie ein Fragezeichen.

Natürlich ist es Hass

Natürlich ist es Hass, natürlich ist es abstoßend. Natürlich ist es skrupellos und verdorben, was die „Bild“-Zeitung zur Krebserkrankung von Asma al-Assad schreibt, der Ehefrau des „Chemiewaffen-Schlächters“ Baschar al-Assad. „Darf man sich freuen, dass Syriens mörderische Mutter Krebs hat?“

41 Jahre nach der „klammheimlichen Freude“ des „Göttinger Mescalero“ über die Ermordung des Generalbundesanwaltes Siegfried Buback durch die RAF muss sich Unmenschlichkeit nicht mehr verstecken und anonym verbreiten. Deutschland ist an sich der Welthauptstandort für höhere Moral. Was hier gedacht, getan und geschrieben wird, ist per se moralisch, selbst wenn es von außen aussieht wie eine Kloake aus selbstgerechter Menschenfeindlichkeit, die sich als besorgte Frage tarnt.

Eine Messe der eigenen Verderbtheit

Darf man seine eigene Verdorbenheit auf diese Weise öffentlich machen? Darf man im Überlebenskampf am Kiosk jede Waffe einsetzen, auch gegen sich selbst? Ist es ein Zeichen moralischer Überlegenheit, Menschen nicht nach ihrem Menschsein zu beurteilen, sondern sie unbarmherzig auf ihre Fehler, ihre Verbrechen und ihre Verantwortung festzulegen?

Was Asma al-Assad betrifft, ist das dem anonymen „Bild“-Autor gelungen. „Nun die Diagnose: Brustkrebs. Bösartiger Tumor. Früh erkannt. Behandlung begonnen“, heißt es in einer Satzkaskade des Textes, die von hocherfreut zu deutlich enttäuscht oszilliert. Darf man sich ärgern, wenn ein schwer erkrankter Mensch behandelt wird und vielleicht wieder gesundet? Wird man seiner publizistischen Verantwortung am besten gerecht, wenn man seinen Leserinnen und Lesern zum Frühstück eine Kanne unverschnittenen Hass serviert?

Oder sollte man sich besser fürchten, dass das alles eines Tages auf einen selbst zurückfällt?

Und darf man sich, als Außenstehender, als Leser, als Angewiderter, jetzt schon auf diesen Tag freuen?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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