31. Juli 2018

Özil und die Metwo-Kampagne Scheiß-Rassismus-Nazi-Deutschland!

Ihr habt ‘ne Meise!

von Jörg Seidel

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Bildquelle: shutterstock Alltag in Deutschland: Rassismus

Nun wissen wir es also – dank Özil. Dessen Brandbrief hat es klar ausgesprochen, die darauffolgende Metwo-Kampagne bringt es überwältigend an den Tag – kein Wunder, dass Özil im Trainingslager befreit lachen kann…

Wir leben in einem rassistischen, einem erzrassistischen Land. Es gibt Alltagsrassismus, nicht nur hier und da, sondern im – Alltag. Überall und immer und auch gerade jetzt werden in diesem Nazideutschland Menschen rassistisch beleidigt. Ob beim Friseur oder im Kindergarten, wer nicht weiß, blond und deutsch ist, muss Schlimmstes erleiden. Und es wird immer schlimmer! Früher wurden die „Neger“ (Menschen mit dunkler Hautfarbe) nur ausgepeitscht, gelyncht, geteert und gefedert, heute dagegen sagt man ihnen böse Sachen an den Kopf und lächelt vielleicht sogar noch dabei.

Hätte man es nicht gerade gelesen, man würde es gar nicht glauben. Führenden deutschen Intellektuellen und Meistern der deutschen Sprache sagt man: „Sie sprechen aber gut Deutsch“ an den Kopf, schwarze Perlen mit Wuschelkopf müssen Witze über ihre Haarpracht ertragen, und deutsch-russische Pianisten werden einfach „deutsch-russische Pianisten“ genannt. Wer möchte noch in einem solchen Land leben? Ich nicht! Ich gehe! Vielleicht nach Pakistan? Dort wird man mich als weißen Atheisten sicher nicht mehr behelligen. Oder nach Ungarn? Um Gottes willen! Die Ungarn können noch nicht mal zivilisiert lügen: Noch kein einziger hat zu mir gesagt: „Sie sprechen aber gut Ungarisch.“ Und was ist mit euch, ihr Berliner Rassisten? Warum fragt ihr mich dauernd, ob ich aus Sachsen komme? Kann ich in Berlin nicht einfach nur – Mensch sein, Ich sein?

Ich habe es satt, ihr Sprachrassisten, die ihr meinen Akzent verlacht. Ihr Autorassisten, die ihr nicht akzeptieren wollt, dass ich kein Auto fahre und Autos hasse. Ihr Proletenrassisten, die ihr mir vorwerft, nicht so zu knuffen wie ihr. Ihr Intellektuellenrassisten, die ihr mich wegen der fehlenden Titel, Posten und Publikationsendloslisten verachtet. Und ihr Allesrassisten, die ihr einfach nicht akzeptieren wollt, dass ich nicht euer Leben führe und es auch nie führen werde!

Und was ist mit den Flüchtlingen? Arglos werden sie in ein Land gelockt und ahnen noch nicht mal, welche Torturen sie hier erwarten. Man wird sie anschauen! Den Kopf schütteln! Ihr gutes Deutsch loben, vielleicht, wenn sie Pech haben. Wüssten sie, was auf sie zukäme, sie kämen nicht! Und sie können dem Drama auch gar nicht entgehen, denn auch diejenigen, die sich besonders um sie kümmern, liebevoll, die ihnen auf Bahnhöfen zujubeln, besonders viel Aufmerksamkeit schenken, sind Rassisten, die schlimmsten sogar, denn sie tun es nur – Flüchtling! –, weil du braun oder sonst was bist! Und ignorierten dich sonst…

Aber jetzt mal im Ernst, ihr, ihr Rassistenrassisten! Ihr habt es natürlich längst erkannt – das alles war Ironiiiieee, ein Spatz, ich meine Spaß (kurzes „a“). Jetzt ist Zeit für eine kleine Wahrheit. Klappe halten! Zuhören! Ihr habt ‘ne Meise! „Echt jetzt!“ Ihr seid vollkommen überkandidelt, durchgedreht, verrückt! So!

Seht ihr denn nicht, dass euer Rassismusgequatsche in eine Welt münden muss, in der niemand mehr wagt, den Mund zu öffnen, dass es unser Land verändern wird? In der man sich für alles und permanent entschuldigen muss? In der „sorry“ zur billigsten Münze wird? In der man sich gegen alles versichern wird müssen? In der jeder jede und umgekehrt und kreuz und quer und queer beäugt, verdächtigt und überwacht? In der alle Freude verschwindet, jeder Witz, jede Ironie eine Gefahr darstellt? Begreift ihr das Offensichtliche nicht? Dies ist der direkte Weg zurück ins Jahr „1984“!

Und noch ein Tipp, wie man solche Situationen meistern kann: Wenn wieder mal einer sagt, du sprächest gutes Deutsch, dann sag ganz artig „Danke!“ und lächle, und wenn wieder mal jemand einen Witz über deine Wusel-Frisur macht, dann lach einfach mit, wenn der Witz gut war, und verkneife es dir, wenn er schlecht war, und wenn jemand wissen will, wo du herkommst, dann sag‘s einfach und gut is‘, und wenn dich schließlich wieder mal jemand „deutsch-russischer Pianist“ nennt, dann stehe einfach dazu und werde der du bist, ein deutsch-russischer Pianist, und im Übrigen: Shut up ‘n play yerpiano! Halt die Klappe und spiel dein Klavier!

Frank Zappa: Shut Up ‘n Play Yer Guitar

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Seidwalk“.


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