02. Juli 2018

Sozialisten in Österreich kämpfen gegen Bedeutungsverlust Achtung Ausbeutung!

Genossen (wieder einmal) im Klassenkampfmodus

von Andreas Tögel

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Bildquelle: shutterstock Konzept der Sozialisten nicht nur in Österreich: Klassenkampf

Seit der Niederlage bei den letzten Nationalratswahlen in Österreich will den Roten – insbesondere dem glücklosen Exkanzler Christian Kern – nichts so recht gelingen. Die Oppositionsbank drückt hart. Der dramatische Bedeutungsverlust noch mehr. Wenn man dann auch noch von seinen zuverlässigsten Hilfstruppen im ORF nicht mehr wie gewohnt hofiert wird, tut das besonders weh. Guter Rat ist teuer. Was tun? Wie soll ein vorgestrig wirkender Haufen in die Jahre gekommener, spießiger Apparatschiks einem ebenso jungen wie geschickt agierenden Kanzler Paroli bieten?

Mit einem beherzten Griff in die Mottenkiste des Klassenkampfes meinen die desorientierten Genossen nun den Stein der Weisen gefunden zu haben. Sie wollen ihr linkes Profil schärfen und verleumden die angeblich „autoritär-rechtskonservative“ Regierung – Hand in Hand mit ihren zuverlässigsten Verbündeten von Gewerkschaft, Arbeiterkammern, Caritas, Diakonie, Rotfunk und „Omas gegen rechts“ (kein Witz – die gibt‘s wirklich!) –, wo es geht. Mit Logik und Wahrheit nehmen sie es dabei naturgemäß nicht so genau.

Den entschlossenen Kampf gegen die von der Regierung auf den Weg gebrachten arbeitsrechtlichen Liberalisierungen im Hinblick auf Tages- und Wochenarbeitszeit stellen sie – wie zu erwarten war – ins Zentrum ihrer Aktivitäten. Bei ihrem vorgetäuschten moralischen Furor kommt ihnen die totale Abwesenheit jeglicher Bodenhaftung und Bürgernähe zugute: Frei von jeglicher Bindung zur Wirklichkeit klassenkämpft es sich eben einfach am besten. Hätten die wackeren Genossen die Mühe auf sich genommen, gelegentlich Kontakt zu „den Menschen draußen“ aufzunehmen, würden sie nämlich spitzgekriegt haben, dass es keineswegs nur im Interesse des ruchlosen Klassenfeindes, der stets auf die Ausbeutung ihrer gnadenlos unterdrückten Lohnsklaven sinnenden Unternehmer, liegt, flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen. Sie würden zu ihrer grenzenlosen Überraschung festgestellt haben, dass auch seitens sehr vieler Arbeitnehmer eine beachtliche Nachfrage danach besteht, zeitlich befristet ihren Arbeitseinsatz zu erhöhen. Sei es, um Gutzeiten anzusparen und dadurch zusätzliche arbeitsfreie Tage einzuarbeiten, oder sei es, um ihr Einkommen durch Überstunden aufzubessern.

Derlei Tatsachen sind Kern und Genossen, die ihr ganzes Erwerbsleben lang keinen Tag außerhalb geschützter Werkstätten zugebracht haben und die von der Funktionsweise einer Marktwirtschaft ungefähr so viel verstehen wie ein Laib Brot, entweder unbekannt oder vollkommen wurscht. Schließlich geht es ihnen ja um Fundamentalopposition.

Dass auch die Damen und Herren Kleriker, gleich ob katholisch oder evangelisch, voll und ganz auf Oppositionslinie segeln, darf übrigens aus demselben Grund nicht verwundern: Wer sich niemals mit wertschöpfender Arbeit belastet und stets von der Anstrengung anderer gelebt hat, versteht naturgemäß nichts von Produktion und Geldverdienen, sondern beschränkt sich bequemerweise aufs Verteilen des von anderen erwirtschafteten Wohlstands.

Dass die Sozialisten jetzt ein Riesenfass aufmachen und so tun, als ob die Einführung des Zwölf-Stunden-Tages menschenunwürdiger Sklavenarbeit im Asbestbergwerk gleichkäme, entbehrt insofern nicht der Ironie, als in ihren eigenen Einflussbereichen Zwölf-Stunden-Tage die Regel und nicht die Ausnahme sind. Der seines hohen Amtes verlustig gegangene Christian Kern hat offenbar vergessen, dass er als Kapo der ÖBB einen ebenso unrentablen wie überpersonalisierten Zuschussbetrieb geführt hat, in dem längst Zwölf-Stunden-Arbeitszeitregelungen gelten. Das hat ihn übrigens so wenig gestört, dass er in seinem famosen „Plan A“ vor nicht allzu langer Zeit selbst für den allgemeinen Zwölf-Stunden-Arbeitstag eingetreten ist. Der Mann hält seine Wähler offenbar allesamt für hochgradig vergessliche Idioten.

Dass selbst in den öffentlichen Krankenanstalten der dunkelrot-giftgrünen Gemeinde Wien (wie in vielen Branchen der Privatwirtschaft auch), längst zwölf Stunden lang gearbeitet werden darf, ohne dass es bislang zu Revolten der proletarischen Massen gekommen ist, scheint der Aufmerksamkeit der ausschließlich auf ihre eigenen Interessen konzentrierten roten Parteikader auch entgangen zu sein.

Den Sozialisten ist durchaus zuzutrauen, dass sie auf ihrer frustrierenden Suche nach sich selbst auf die Idee verfallen, jetzt serienweise politische Streiks vom Zaun zu brechen. Dass sie damit an Wählerzuspruch gewinnen könnten, ist indes sehr unwahrscheinlich.


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