08. Juni 2018

Der „Focus“ über die German Rifle Association „Deutsche Waffenlobby kämpft für amerikanische Verhältnisse“

Eine Richtigstellung

von Katja Triebel

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Nicht nur in Deutschland mächtig: Anti-Waffen-Lobby

Seit einigen Jahren lasse ich mich zum Waffenrecht interviewen. Fast alle Journalisten kommen mit wenig Ahnung vom Waffenrecht und von Gewaltkriminalität, und die meisten sind persönlich sehr gegen privaten Waffenbesitz eingestellt. Nach dem Interview hat sich bei den meisten die Einstellung zum privaten Waffenbesitz nicht grundlegend geändert, aber viele verstehen, dass Schusswaffen auch Leben retten können und der private Besitz unter Auflagen nicht dazu führen wird, dass künftig alle auf den Straßen „wild rumballern“ werden.

Ich lasse es zu, dass sie das Interview aufzeichnen, und segne bei Printmedien Zitate vor Veröffentlichung ab. Was die Journalisten um diese Zitate herumbauen, weiß ich im Vorfeld nicht. Die einen mögen sagen, dass ich da zu naiv herangehe, dass die Gefahr der falschen Interpretation zu groß ist. Denen entgegne ich, dass bei den vielen Interviews in den letzten Jahren nur zwei Medien mich so richtig auflaufen ließen: der WDR mit der Dokumentation „Waffen sind mein Leben“ und vor kurzem der „Focus“ mit seinem Printartikel „German Rifle Association: ‚Waffenrecht ist Menschenrecht‘: Deutsche Waffenlobby kämpft für amerikanische Verhältnisse“.

Dieser Artikel erschien zunächst am 27. Mai und dann noch einmal mit neuen „schönen Zwischenüberschriften“ am 2. Juni – wie man das anhand der bisher über 70 Kommentare ablesen kann.

Interessant ist hier, dass viele Kommentare nicht die Meinung der Autorin Kim Schibilla teilen. Auch auf Facebook wurde die Debatte eröffnet. Und nein, mir sind die meisten Namen, die direkt beim „Focus“ schreiben, nicht bekannt.

In der Regel erhalte ich vor Veröffentlichung drei oder fünf Zitate aus den Interviews. Schibilla ließ sich gleich vier Din-A4-Seiten (in Schriftgröße zehn) von mir bestätigen. Die folgenden Zitate ohne Quellenangabe sind alle dieser Verschriftlichung des Interviews entnommen worden.

Dann schauen wir mal, was sie aus dem Interview gemacht hat: „Die deutsche Waffenlobby trägt Blümchenschal und einen roten Kurzhaarschnitt. Zumindest tut das Katja Triebel, der ich in Berlin-Spandau bei einer Tasse Kaffee gegenübersitze – unter uns zwei Räume voller Waffen. Wir befinden uns im ersten Stockwerk ihres Waffengeschäfts, das Triebel in dritter Generation leitet.“

Der Blümchenschal stimmt, das ist übrigens der gleiche, den ich 2014 bei Markus Lanz getragen hatte, doch rot war im März nur meine Brille, nicht mehr meine Haare. Auch kann Schibilla anscheinend nicht rechnen oder recherchieren. Wir sind die vierte Generation (Anmerkungen in Klammern von mir): „Den Laden gibt es seit über hundert Jahren. Mein Vater (dritte Generation) hat ihn schon von seinem Vater (zweite Generation) und der wieder von seinem Schwiegervater (erste Generation) übernommen. Ich habe eigentlich eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht. Ich (vierte Generation) war gar nicht darauf aus, das Geschäft zu übernehmen.“

Man würde doch erwarten, dass eine Autorin sich anschaut, wen sie da interviewt. Dann hätte sie vielleicht auch die Seite drei des „Tagesspiegel“ vom 7. November 2016 lesen können: „Wie eine Spandauerin um das Recht auf Waffen kämpft“ – „Sie kennt das schon. Sobald was passiert, heißt es wieder: Händler des Todes! Da hatte es ihr Urgroßvater leichter. Seit 100 Jahren führt die Familie in Berlin ein Waffengeschäft. Katja Triebelvertritt die German Rifle Association.“ – „Die Triebel Jagd- und Sportwaffen GmbH in Berlin-Spandau ist ein Familienunternehmen in der vierten Generation.“

Weiter geht es mit dem „Focus“-Artikel: „Außerdem gehört sie zum Team der ‚German Rifle Association‘ (GRA), einer Lobbygruppe, die sich für die Rechte deutscher Waffenbesitzer einsetzt. Obwohl eine öffentliche Debatte über die ‚GRA‘ eigentlich gar nicht stattfindet, sieht der Verband sich in der Opferrolle. In zahlreichen Blogeinträgen beklagt er, in den Medien grundlos verurteilt zu werden. Und Sätze, mit denen die GRA das glaubhaft begründen will, lauten etwa so: ‚Kugelschreiber sind tödlicher als Schusswaffen‘.“

Wenn es keine öffentliche Debatte über die GRA gibt, dann frage ich mich, warum es ziemlich viele Reportagen, Interviews und Zeitungsartikel über uns gibt. Obwohl Schibilla nicht richtig recherchieren kann, scheint sie jedoch Fernsehen zu schauen, wie zum Beispiel die „heute show“, wo der Vergleich mit den Kugelschreibern verulkt wurde. Doch dieser Vergleich stammt gar nicht von uns, sondern vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. Ich hatte lediglich auf der Seite der GRA die Hintergründe für diesen Vergleich erläutert, und die Gemeinschaft hatte dieses Mem massenhaft geteilt.

Und weiter geht es mit dem Artikel: „Dass der Name stark an die ‚NRA‘, die amerikanische ‚National Rifle Association‘, erinnert, ist natürlich kein Zufall. Denn der deutsche Ableger kämpft für liberale Waffengesetze nach amerikanischem Vorbild. ‚Ich halte es für sinnvoll, dass das Waffenrecht in den USA im Grundgesetz festgeschrieben ist‘, erzählt die Waffenhändlerin: ‚Waffenrecht ist ein Menschenrecht.‘“

Ja, da habe ich „Verfassung“ wohl mit „Grundgesetz“ verwechselt. So ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Hier meine Ausführung im Interview, warum ich das für sinnvoll halte: „Waffenrecht ist ein Menschenrecht?“ – „Ja. Ich halte es für sinnvoll, dass das Waffenrecht in den USA im Grundgesetz festgeschrieben ist. Denn auch dort sind Gewalttäter und Kriminelle vom legalen Zugang zu Waffen ausgeschlossen. Leider funktioniert die Datenerfassung dort einfach nicht richtig. Der junge Mann vom Attentat in Florida hätte in Deutschland keine Waffe kaufen können. Ich unterstütze sinnvolle Gesetze, die diesen Menschen den Zugang zu Waffenverbieten – und dafür möchte ich es für die Nicht-Gewalttäter simpler haben als jetzt.“ – „Konkrete Ziele der GRA?“ – „Ein Ziel ist die Vereinfachung des Waffenrechts. Das zweite ist der Selbstschutz als Bedürfnis: Wenn sich jemand bedroht fühlt, reicht das heute nicht, um in Deutschland eine Waffe bewilligt zu bekommen.“

Natürlich hat die Autorin „vergessen“, warum ich Waffenrecht als Menschenrecht deklariere. Wir hatten bereits 2014 lang und detailliert beschrieben, warum wir dieser Ansicht sind. Und Ron Siderius hat sogar ein ganzes Buch zu diesem Thema geschrieben: „Die letzte Verteidigungslinie: Mehr Waffen, weniger Angst“.

Ich habe das Buch gelesen und kann diese Leserbewertung auf Amazon voll und ganz unterstützen: „Wenn man wissen möchte, wie frei ein Volk ist, dann sollte man als erstes einen Blick in sein Waffenrecht werfen.“ – „Der ursprüngliche Zweck der Waffengesetze war die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Mittlerweile hat die Politik ein ganz anderes Ziel, nämlich die totale Kontrolle. Das staatliche Gewaltmonopol, welches Teil unserer Rechtstradition ist und das kein vernünftiger Bürger in Frage stellt, wird seit Jahrzehnten sukzessive um ein staatliches Waffenbesitzmonopol erweitert. Das ist eine äußerst bedenkliche Entwicklung. Zum einen, weil durch das Fehlen von Waffen in den Händen der Bürger ein wirksames und wichtiges Gegengewicht zur Staatsgewalt wegfällt. Die Schweizer zum Beispiel haben diese Gefahr erkannt. Sie haben mit ihrem liberalen Waffenrecht und ihrem Milizsystem das notwendige Gegengewicht geschaffen. Zum anderen ist ein staatliches Waffenbesitzmonopol für den einzelnen Bürger auch sicherheitspolitisch von großem Nachteil. Wird er zum Opfer einer schweren Straftat, so kann er sich mangels eigener Waffe nicht wehren. Hier setzt das Buch schwerpunktmäßig an.“

Weiter geht es mit dem Artikel: „Gefährlich wird Lobbyarbeit, wenn es zu Schieflagen kommt“ – „Lobbyarbeit an sich sei nicht verwerflich, stellt Lange, der von Beruf Politikwissenschaftler ist, klar. In der Klischeevorstellung sei der Lobbyist männlich, trage eine Aktentasche, aus der ein paar Geldscheine guckten, und tingele damit durch den Bundestag. ‚Aber so funktioniert Lobbyarbeit nicht‘, erzählt Lange. ‚Lobbyarbeit ist erst einmal nur die gezielte Vertretung politischer Interessen gegenüber Politikern.‘ Gefährlich werde es dann, wenn es zu Schieflagen kommt. ‚Das heißt, wenn einzelne Interessen sehr viel Einfluss haben und andere dabei unter die Räder geraten.‘ Das geschehe auch bei der Waffenlobby. Als ich Triebel frage, was sie von der Lobbyarbeit der ‚NRA‘ halte, streckt sie beide Daumen in die Luft und grinst. ‚Was die ‚NRA‘ so stark macht, sind ihre Mitglieder‘, schwärmt sie. ‚Die machen genau das Gleiche, was wir neuerdings auch versuchen: Das Bürgergespräch fördern und durch Öffentlichkeitsarbeit Vorurteile abbauen.‘ Dass die NRA durch ihre Lobbyarbeit indirekt auch die zahlreichen Schulamokläufe zu verantworten hat, bei denen allein dieses Jahr 31 Menschen starben, lässt sie als Gegenargument nicht gelten.“ – „Harsche Kritik am ‚March for Our Lives‘“ – „Den Einsatz der 18-jährigen Emma Gonzalez, die nach dem Parkland-Massaker mit 17 Toten den ‚March for Our Lives‘ mitorganisiert hatte, kritisiert Triebel harsch: ‚Ich teile mit Emma Gonzalez die Vision von einer Welt ohne Amokläufe‘, kommentiert sie. ‚Nur beim Weg dahin sind wir uns grundverschieden. Sie möchte alles Mögliche verbieten, was mir gehört.‘ Die Lobbyistin hingegen will den Fokus nicht auf die Waffen richten, sondern auf die Gefährder.“

Timo Lange von Lobby Control wurde von „Galileo“ interviewt. Wenn er von „gefährlicher Schieflage“ spricht, dann meint er damit nicht die GRA, da unser politischer Einfluss – wie er selber sagt – viel zu klein ist. Warum dann diese Zwischenüberschrift in einem Artikel, in dem es um die GRA geht?

Ob Schibilla Timo Lange überhaupt interviewt hat oder sich nur das „Galileo“-Interview angeschaut hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich jedenfalls hatte bereits Kontakt mit Timo Lange per Mumble beim „Dicken Engel“ der Piraten am 20. November 2012. Damals wurde mir vom Spiegel „böser Lobbyismus“ vorgeworfen, unter anderem wurde mir unterstellt, unethisch mit viel Geld die Piraten zu unterwandern und zu missbrauchen.

Damals ging es um die AG Waffenrecht, wo ich als „Cathy“ Marc Schieferdecker kennengelernt hatte. Das Wortprotokoll hierzu hatte ich bei den Piraten veröffentlicht: „Frage: Was ist mit der AG Waffenrecht? Da sind Schützen und Leute mit eigenem Geschäft, sind das Lobbyisten?“ – „Lobbyismus ist das erst dann, wenn es dazu dient, ganz gezielt im Auftrag und tatsächlich auch gegen Bezahlung hier bestimmte Positionen nach vorne zu bringen. Wenn das tatsächlich ein geplanter Prozess ist. Das kann ich jetzt hier in diesem Fall nicht beurteilen.“ (Zwischenruf Kyra: „Das glaube ich nicht.“) „Ja, das denke ich auch nicht.“ Cathy (ich): Vorstellung der AG Waffenrecht und die Frage, ob der Vorwurf des Lobbyismus in bezug auf mich und prolegal berechtigt sei. Antwort: „Es ist natürlich so, dass der Vorwurf des Lobbyismus auch als Totschlagargument gebraucht werden kann. Nur weil jemand Interessen vertritt, ist er oder sie dadurch nicht automatisch Lobbyist oder Lobbyistin. Das ist ganz klar. Wenn ich mir jetzt vorstelle, es gibt innerhalb einer Partei eine Gruppe – nehmen wir mal die CDU, da gibt es eine Gruppe von Senioren, dann gibt es eine Gruppe für die Interessen von Schwulen und Lesben, dann gibt es eine Gruppe, die ist eher an einer sozialen Ausrichtung interessiert, und eine Gruppe, die ist mehr an einer wirtschaftlichen Ausrichtung interessiert. Das ist dadurch noch kein Lobbyismus, sondern das gehört dazu, dass diese Interessen eingebracht werden können. Wenn wir andere Berufsgruppen nehmen, zum Beispiel Lehrerinnen und Lehrer oder Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, die dann in eine Partei eintreten und dann dort möglicherweise auch im eigenen Interesse versuchen, dort Politik zu machen, zum Beispiel sich dafür einsetzen, dass die Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor verbessert werden, dann würde ich nicht sagen, dass das Lobbyismus in unserem Sinne ist.“

Ich kann mich nicht erinnern, ob Schibilla mich gefragt hatte, ob die NRA mit ihrer Lobbyarbeit indirekt für die Schulamokläufe verantwortlich sei. In der Verschriftlichung des Interviews steht nur dieses: „Wie bewerten Sie die Arbeit der Waffenlobby in den USA im Vergleich zu Deutschland?“ – „Dabei geht es aber weniger um Geld, andere spenden viel mehr an Politiker als die NRA. Im Vergleich dazu: Für den ‚March for Our Lives‘ wurden über 3,5 Millionen gespendet. Da wurden die Schüler also im Grunde dafür bezahlt, dass sie mit einem Bus dahin kommen. Für mich ist das keine Demo. Ich teile mit Emma Gonzalez die Vision von einer Welt ohne Amokläufe. Nur beim Weg dahin sind wir grundverschieden. Sie möchte alles Mögliche verbieten, was mir gehört, und ich möchte, dass man sich stattdessen auf den Gefährder und die Problemviertel konzentriert. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Schüler zu schützen. Vor allem sollte man beim Mobbing hinsehen und die Schwachen mehr unterstützen, dann baut sich auch kein Hass auf. Was die NRA in den USA so stark macht, sind die Mitglieder. Die machen genau das gleiche, was wir neuerdings auch versuchen: Das Bürgergespräch fördern und durchÖffentlichkeitsarbeit Vorurteile abbauen.“

Mit den 3,5 Millionen US-Dollar von Clooney, Bloomberg und Ophra wurde der „March for Our Lives“ finanziert, damit wurden die Anreisen in Bussen bezahlt und die Werbung, am March teilzunehmen. Das ist Lobbyismus pur: Einflussnahme durch Bezahlung von einigen wenigen sehr reichen Menschen – aber das sieht der „Focus“ wohl ganz anders. Es wäre interessant gewesen, wie Timo Lange von Lobbycontrol dies sieht. Aber diese Frage wurde ihm nicht gestellt.

„Kritik an Anti-Waffen-Lobby: ‚Die wollen alle entwaffnen‘“ – „Dadurch sei auch sie Opfer der Anti-Waffen-Lobby geworden: ‚Die schaut immer gezielt, wo in der Welt etwas Schreckliches passiert, und dann machen sie dort Stimmung. Sie tun das unter dem Deckmantel des Opferschutzes. Aber ihr eigentliches Ziel ist die Entwaffnung von allen.‘ Triebel hält dagegen. Sie kämpft für eine Vereinfachung des deutschen Waffenrechts und den Selbstschutz als Bedürfnis. Soll heißen: Wer sich bedroht fühlt, solle eine Waffe kaufen dürfen. Amerikanische Verhältnisse, die hier in Deutschland so gut wie niemand will. Auf Europa-Ebene hat die ‚GRA‘ jedoch bereits einen Erfolg zu verbuchen. Unter dem Zusammenschluss ‚Firearms United‘ verhinderte sie 2016 zusammen mit anderen Waffenverbänden die Verschärfung des europäischen Waffenrechts.“ („Focus“ vom 02.06.2018.)

Auch hier vergisst die Autorin, einige Details zu erwähnen: „Die Anti-Waffen-Lobby schaut immer gezielt, wo in der Welt etwas Schreckliches passiert, und dann machen sie dort Stimmung. Sie tun das unter dem Deckmantel des Opferschutzes, also Waffenkriminalität, aber ihr eigentliches Ziel ist die Entwaffnung von allen. Egal ob von Jägern, Sportschützen oder Sammlern. Und damit verdienen sie gutes Geld: durch Förderungen, Spenden, Unterstützung der Regierung. Es geht nicht darum, dass notwendige Gesetze nicht eingeführt werden… Grundsätzlich fände ich es nach einer solchen Tat gut, wenn man überlegt, wie man soviel Opferschutz wie möglich betreiben könnte. Und nicht, wie man so wenige Waffen wie möglich erlaubt. Also: Wie kann man verhindern, dass eine psychisch kranke Person an eine Waffe kommt, die Rechte der ‚guten‘ Bevölkerung aber nicht eingeschränkt werden? Außerdem wissen wir aus einer EU-Studie, dass 75 bis 100 Prozent der Tatwaffen illegal beschafft werden. Die Gesellschaft ändert sich dadurch nicht, ob wir ein strenges oder ein liberales Waffengesetz haben. Es ändert sich aber etwas für das Individuum. Deshalb setze ich mich beim Opferschutz dafür ein, dass endlich anerkannt werden muss, wenn man Angst hat. Dass man eine Waffe zum Selbstschutz erwerben darf, denn uns Frauen helfen Hand und Fuß nicht, um uns zu verteidigen. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass die ‚bösen Kerle‘ nicht an Waffen kommen, weder legal noch illegal.“

Zur EU-Waffenrichtlinie möge man sich bitte die Zeitungsmeldungen in der Schweiz anschauen. Dort findet aktuell eine echte öffentliche Debatte statt. Selbst die Schweizer Polizei erkennt (auf Druck der Mitglieder) an, dass sogar die entschärfte Version keinen Beitrag zur öffentlichen Sicherheit leistet oder Terrorismus verhindert.

Auch bei uns soll eigentlich im September die EU-Waffenrichtlinie gesetzeswirksam werden. Doch bis heute gibt es nicht einmal einen Entwurf.

„Politiker ‚kriegen von uns einen Shitstorm‘“ – „Während Lange von ‚Lobbycontrol‘ aber erzählt, dass die Arbeit von Lobbygruppen für gewöhnlich darin besteht, ‚Netzwerke zu knüpfen und zu pflegen‘, wählt Triebel ein radikaleres Vorgehen. ‚Ich selbst gehe nicht auf Politiker zu. Es läuft andersrum: Die kriegen von uns einen öffentlichen Shitstorm, wenn sie dumme Sachen schreiben‘, erzählt sie. Die ‚GRA‘ stellt dazu extra Vorlagen für fiktive Charaktere zur Verfügung. In dem Brief des ‚passionierten Schützen‘ heißt es etwa: ‚Diese Sportwaffen, auf Basis funktional bewährter Systeme, haben nachweislich keinerlei Deliktrelevanz.‘ Und der ‚nette Kapitalist‘ droht: ‚Ich als mündiger Bürger werde bei der kommenden Wahlen (sic) in 2017 Alternativen wählen, falls Sie oder Ihre Partei mit ‚Ja‘ stimmen sollten.‘ Gemeint war wohl die AfD. Wie das in der Praxis aussieht, erfahre ich bei der Verabschiedung. Ich stehe schon in der Tür, da lässt Triebel fast beiläufig fallen: ‚Was ich Ihren Kollegen noch immer sage: Passen Sie auf, dass Sie nichts Falsches über mich schreiben. Sonst können wir auch einen richtigen Shitstorm gegen Sie starten.‘ Vor dem Treffen hatte sie sich meine Adresse geben lassen, aus Sicherheitsgründen.“ („Focus“ vom 02.06.2018.)

Auch hier ist mir ein Formulierungsfehler unterlaufen. Ich meinte natürlich „Factstorm“ und nicht „Shitstorm“. Schaut man sich die Online-Kommentare und Leserbriefe unserer Unterstützer an, dann sieht man dort viele Fakten, doch selten Beleidigungen oder den Wunsch, die „Gegner“ sollen krepieren. Darin unterscheiden sich Waffenbefürworter von Tierrechtlern und Gegnern von Waffenbesitz. Auch hier wieder meine Antworten laut Verschriftlichung: „Wie groß ist Ihr Einfluss?“ – „Wir haben da gar kein Mitspracherecht. Das Einzige, was wir haben, ist unsere Wählerstimme, die Medien für Shitstorms und Emails, Leserbriefe und so weiter, um Shitstorms gegen Sachen loszutreten, die wirklich ganz schlimm waren. Wir haben auch eine Petition mit 365.000 Unterschriften auf EU-Ebene auf den Weg gebracht – da kamen die meisten Unterschriften aus Deutschland.“ – „Suchen Sie auch den Kontakt zu Politikern? Kann auf die Art Einfluss ausgeübt werden?“ – „Das weiß ich nicht, denn in Deutschland bin ich ja nur ein ganz kleines Licht. Beim DJV und DSB, also bei den großen Dachverbänden der Jäger und Sportschützen, bin ich nicht im Vorstand. Da hört man mir gar nicht zu. Natürlich kritisiere ich die Verbandsvertreter, aber sie nehmen meine Kritik nicht an. Und sie erzählen mir auch nicht, was im Hinterzimmer abgeht – falls da etwas läuft. Bis September 2018 muss ja die neue EU-Waffengesetzrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden. Wir bekommen aber keinen öffentlichen Entwurf zu Gesicht. Der wird uns wahrscheinlich sechs Wochen vor der Sommerpause präsentiert, und dann wird er angenommen ohne dass ein Wort geändert wird. So ist es in den letzten Legislaturperioden gelaufen.

Ich selbst gehe nicht auf Politiker zu. Es läuft andersrum: Die kriegen von uns einen öffentlichen Shitstorm, wenn sie dumme Sachen schreiben. Wir machen einfach, was die anderen Vereine nicht machen: PR. Und wir rufen Leute auf, Postkarten oder Emails zu verschicken. Das wirkt bei den Politikern viel stärker.“

Hätte Schibilla mal die Facebook-Gruppe oder unsere Webseiten besucht, dann hätte sie wissen können, dass bei der Postkarten-Aktion neben der AfD immer auch die FDP und auf europäischer Ebene die LKR gemeint war. Wir sind kein AfD-Wahlwerbungsverein, sondern unterstützen sachkundige Forderungen jeder Partei. Leider haben uns CDU und CSU in den letzten 15 Jahren oft hängenlassen. Die SPD

hat sich mittlerweile ganz auf Gegnerseite zum privaten Waffenbesitz geschlagen. Die Innenminister der rot-grün und grün-rot regierten Bundesländer fordern seit Jahren im Bundesrat immer strengere Auflagen.

Zum letzten Satz in dem Artikel: Schibilla wollte mich unbedingt im Geschäft interviewen. Solche Interviews mache ich grundsätzlich nur, wenn das Geschäft geschlossen ist, also an einem Mittwochnachmittag. An dem von ihr favorisierten Tag war ich nachmittags ganz alleine im Geschäft, was selten vorkommt. Ich habe tatsächlich daher ihre Kontaktdaten aus Sicherheitsgründen verlangt: damit man weiß, wer mich ausgeraubt haben könnte, falls ich am nächsten Tag nicht mehr ansprechbar gewesen wäre.

Im Gegensatz zur Antifa wird diese Adresse weder veröffentlicht, noch wird sie an Rabauken weitergegeben, die Farbbeutel schmeißen oder Autos abfackeln. Aber das kann ja Schibilla nicht wissen, weil sie uns nicht wirklich kennenlernen wollte.

Immer wieder werden wir darauf hingewiesen, dass wir in Europa keine „amerikanischen Verhältnisse“ wünschen. Auch dazu gibt es ein Statement der GRA: „Es gibt keine amerikanischen Verhältnisse, sondern ein soziales Problem junger Männer in (zumeist urbanen) Problembezirken. Die Zentren der Kriminalität sind große Metropolen mit ihren sozialen Brennpunkten, egal ob sich diese in den USA (Chicago, Detroit, New York), Großbritannien (London, Manchester, Birmingham), den Niederlanden (Amsterdam), Deutschland (Berlin, Frankfurt, Hamburg) oder Belgien (Brüssel) befinden. Würde man die Mordraten in den großen Städten der USA ab 500.000 Einwohner nicht berücksichtigen, käme man auf ähnliche Gewaltraten wie in Europa, wenn auch nicht so niedrige wie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gerne verweisen wir auf den US-Kriminologen Prof. David B. Mustard, der seine Haltung zum privaten Waffenbesitz nach Kenntnis vieler Fakten revidiert hatte: ‚Als ich 1995 mit meinen Forschungen zum Waffenbesitz begann (an der Universität von Chicago), hatte ich Schusswaffen leidenschaftlich abgelehnt und völlig die gängige Meinung akzeptiert, dass die Erhöhung der Waffenbesitzdichte zwangsläufig zur einer Erhöhung der Gewaltverbrechen und Unfalltoten führt. Meine Meinung zu diesem Thema wurde in erster Linie durch Medieninhalte in bezug auf Schusswaffen geformt, die – für mich unmerklich – systematisch die Kosten von Schusswaffen betonten, während sie praktisch alle Vorteile ignorierten. Ich dachte, es sei doch offensichtlich, dass die Verabschiedung von Gesetzen, die gesetzestreuen Bürgern das verdeckte Tragen von Waffen erlauben, viele Probleme schaffen würde. Seit nun mehr als sechs Jahren bin ich vom Gegenteil überzeugt. Ich stellte fest, dass Shall-Issue-Laws – Gesetze, die Waffenscheine erlauben müssen, sofern der Antragsteller keine Vorstrafen hat oder unter keiner signifikanten psychischen Erkrankung leidet, Gewaltverbrechen reduzieren und keine Auswirkungen auf Unfalltote haben.“

Ist es übrigens bekannt, dass 99 Prozent der tödlichen Gewaltdelikte der USA in nur fünf Prozent der Straßen verübt werden und dass 2014 in 54 Prozent aller Counties der USA überhaupt kein Mord verübt wurde, obwohl es dort viele legale Waffenbesitzer gibt?

„Focus“: „‚Waffenrecht ist Menschenrecht‘: Deutsche Waffenlobby kämpft für amerikanische Verhältnisse“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Waffen

Mehr von Katja Triebel

Über Katja Triebel

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige