28. Mai 2018

AfD-Demo am 27. Mai in Berlin Bunter Protest 2018

„Gegendemonstranten“ im Auftrag des Staates

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Michael Klonovsky Ein bisschen koloriert: Wenn sich Oppositionelle in die Öffentlichkeit wagen

Die Wahrheits- und Qualitätsmedien haben wieder ihren Mut zur Lücke unter Beweis gestellt: „25.000 protestierten friedlich gegen 5.000 AfD-Demonstranten“ („Focus“), „25.000 demonstrierten laut aber friedlich gegen AfD-Demo“ (RBB), „Bunt gegen die AfD“ („Zeit“), „Als wäre mal wieder Loveparade“ (Süddeutscher Beobachter), „25.000 Gegner der AfD haben die Demonstration der Rechtspopulisten durch das Berliner Regierungsviertel mit friedlichem Protest begleitet“ („Berliner Zeitung“), und so weiter und so fort.

Ein schönes Exempel des friedlich-bunten Protests sandte mir ein Leser (siehe Bild oben). Man findet das Foto auf Facebook; diese Leute mit ihren monochromen Fahnen sind von Buntheitsverbreitern ein bisschen koloriert worden. In Leipzig griffen Vermummte einen Bus an, der „50 Rechtspopulisten“ („Bild“) nach Berlin bringen sollte. Mit demolierter und beschmierter Frontscheibe konnte der Wagen die Reise nicht antreten. „Die ‚besorgten‘ Leipziger hatten einen Bus gechartert, waren gegen acht Uhr am Hauptbahnhof gestartet. Weit kamen sie nicht“, höhnt das Springer-Blatt in seinem verlässlich sadistischen Modus und setzt hinzu: „Ob Linke für den Anschlag auf den Bus verantwortlich sind, ist völlig unklar.“ Es kann ja auch der Mossad oder die Wehrsportgruppe Hoffmann gewesen sein.

Eine Journalistin, die auf dem Heimweg „zufällig in die Abreise der Demonstranten hineingeraten“ ist, schickte mir folgende kurze Schilderung: „Aus dem Westen der Stadt kommend, fuhr ich mit der S-Bahn gegen 16:35 Uhr in den Berliner Hauptbahnhof ein. Die Türen öffneten sich, ein ohrenbetäubendes Geschrei ertönte: ‚Niemand mag die AfD!‘ Um zu sehen, was los war, stieg ich aus. Eine Zehnergruppe von Polizisten in schwerer Kleidung und mit Helmen rannte auf eine Gruppe junger Leute zu, die versucht hatten, einen S-Bahn-Waggon zu besteigen. Es handelte sich, dem Äußeren nach, um linke Demonstranten oder auch Antifa-Anhänger. Zugleich stieg eine Gruppe von Fahrgästen mit blauen T-Shirts und Deutschlandfahnen in den Händen aus der gegenüber eingefahrenen S-Bahn. Einige Männer um die 40, sehr viele Rentner. Auch Frauen darunter. Die Polizei stellte sich als Block vor sie. Allein auf diesem S-Bahnsteig waren mindestens 50 Polizisten im Einsatz. Ich blickte in die Tiefe: Dort standen weitere 50 bis 70. Eine schreiende Menschenmenge hatte dort unten sich versammelt; ich schätze sie auf mindestens 200 Personen, Linke beziehungsweise Alternative. Sie blockierten die Treppen; vermutlich wollten sie die AfD-Anhänger hindern, ins Erdgeschoss zu kommen. Beide Enden der Treppe waren von Polizisten versperrt. Von den AfD-Anhängern ging, soweit ich beobachten konnte, keine Aggression aus. Neben mir redeten vier Beamte gleichzeitig auf einen Senior von etwa 75 Jahren ein, er möge seine Deutschlandfahne einrollen, es sei sicherer so. Einem Mann um die 50 in Bürokleidung rieten sie, auf dem oberen Bahnsteig zu bleiben, bis sich alles wieder beruhigt habe. Der Bahnsteig füllte sich zusehends, da ja niemand entweichen konnte, auch nicht die Rentner, die unbedingt ihren Zug im Kellergeschoss des Bahnhofs bekommen wollten. Im Erdgeschoss des Bahnhofs, in der schreienden Menge, bahnte sich eine junge Mutter mühsam den Weg mit ihrem Kinderwagen; niemand wich ihr aus. Eine schöne junge Frau hielt ein Transparent in die Höhe: ‚Imagine all the people living life in peace.‘ Neben mir im ersten Stock standen vier etwas derangiert wirkende Gegendemonstranten, es roch stark nach Spirituosen. Einer der Männer reckte beide Mittelfinger in die Höhe. Allerdings, da er so betrunken war, in die falsche Richtung; die AfD-Anhänger waren ja auf dem anderen Gleis eingefahren. Gleich neben ihm drei junge Leute Anfang 20 in Partystimmung; sie amüsierten sich über die Angst in den Gesichtern der Deutschlandfahnenträger gegenüber. Ein Polizist sprach in sein Headset, er wollte wissen, wie es gelingen könnte, die AfD-Anhänger ungefährdet aus dem Bahnhof zu bekommen. Wie es weiterging, weiß ich nicht. Da ich den Bahnhof nicht zu Fuß verlassen konnte, bin ich mit der S-Bahn wieder fortgefahren. Ein Beamter hatte mir das geraten. Zu Hause angekommen suchte ich im Internet nach Meldungen über diese oder ähnliche Szenen. Nichts. Nur Bilder mit fröhlichen Leuten und ihrem ‚phantasievollen Protest‘.“

Die steuerfinanzierten Hassbekämpfer der Amadeu-Stiftung frohlockten derweil via Twitter: „Direkt auf der anderen Seite des AfD-Aufmarschs steht schon der Gegenprotest. Sprechchöre: ‚Ganz Berlin hasst die AfD.‘ Und das ist erst der Anfang für heute“ (interessanterweise unter dem Hashtag „Stoppt Den Hass“; „Love Parade“ hätte aber auch gepasst). Man darf unter solchen Umständen staunen, dass überhaupt 5.000 Unerschütterliche die Courage gezeigt haben, sich dem alimentierten und von journalistischen Habitus-Nazis termingerecht angefeuerten Mob auszusetzen. 

Ich wette jedenfalls meine Stalin-Werkausgabe, dass von den 25.000 Krawallmachern nicht einmal jeder zehnte zu den Nettosteuerzahlern gehört, denn ein solcher will sich am Wochenende erholen und nicht krakeelen. Der Typus „Gegendemonstrant“, der hier tatsächlich ja im Auftrage des Staates und der Blockparteien agierte – die Mengenverhältnisse waren Anfang Oktober 1989 ähnlich –, ist mir zutiefst suspekt. In allen pseudo- und semitotalitären Systemen gehört die Herrschaft über den öffentlichen Raum durch gedungene juvenile Schikane- und Schlägertrupps und die Verdrängung der Opposition in (vorerst) ihre eigenen vier Wände zum Standard. Das beste Deutschland, das es je gab, nähert sich Schritt für Schritt solchen Verhältnissen.

PS: „Aber es ist doch nichts passiert!“ Denken Sie sich nur die Polizei weg, und Berlins Notaufnahmen wären am 27. Mai 2018 voll gewesen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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