13. März 2018

Im vergangenen Jahr 101.200 Abtreibungen (K)eine Schlagzeile

Ein Anstieg um 2,5 Prozent

von Felix Honekamp

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Ein Kind stirbt: Abtreibung

101.200 ist die schockierende Zahl letzter Woche, eigentlich des vergangenen und laufenden Jahres. Denn das Statistische Bundesamt veröffentlichte jüngst, dass dies die Zahl der (offiziell) vorgenommenen Abtreibungen in Deutschland im vergangenen Jahr war. 101.200 Kinder wurden im Mutterleib getötet, ein verschwindend geringer Anteil davon aus – wenn nicht moralisch rechtfertigenden, aber doch wenigstens ein bisschen nachvollziehbaren – medizinischen oder kriminologischen Indikationen.

Alle Kinder aus 300 Grundschulen getötet

Weiter wird berichtet, dass dies einen Anstieg der Zahl der Abtreibungen um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt, also knapp 2.500 Kinder mehr im Mutterleib getötet wurden. 2.500 Kinder mehr, das ist eine Zahl, die man sich kaum vorstellen kann. Aber im Durchschnitt wird es in sechs Jahren rund 100 Einschulungsklassen weniger geben, als es sie ohne diesen Anstieg der Abtreibungszahlen gegeben hätte. Abgesehen davon, dass man bei einer Klassengröße von 25 Schülern gut 4.000 Klassen in Deutschland mehr bräuchte, wenn keine Abtreibungen vorgenommen würden. 4.000 Klassen … denken Sie einfach mal darüber nach: Das sind bei dreigliedrigen Grundschulen über 300 Schulen.

Andere Betrachtung: Unser örtliches Krankenhaus im rheinischen Dormagen teilt auf seiner Webseite mit, dass dort pro Jahr 775 Geburten stattfinden. In einem solchen Krankenhaus würden also über drei Jahre lang alle ungeborenen Kinder getötet werden müssen, wenn man alleine den Anstieg der Abtreibungszahlen auf dieses Krankenhaus beschränken wollte.

Was geht, wenn die politische Richtung stimmt

Auch das, so gebe ich zu, ist alles nicht wirklich vorstellbar, macht aber vielleicht die Dimensionen deutlich, über die wir hier reden. Dazu ein anderer Vergleich: Die gesundheitlichen Auswirkungen von Stickoxiden und Feinstaub auf Menschen sind keineswegs so eindeutig, wie es die Medien mit Rückenwind von interessengesteuerten NGOs glauben machen wollen. Dazu kommt noch, dass die Belastung der Luft in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken ist. Mit jetzt angestrebten Dieselfahrverboten wird also vermutlich kein Mensch weniger früh sterben als bislang auch. Dagegen ist der Tod eines ungeborenen Kindes bei einer Abtreibung sicher. Aber es gibt nichts, kaum eine Notiz, von den grauenhaften Zahlen in dem, was man so „Mainstreammedien“ nennt.

Es passt eben einfach nichts ins Bild, dass pro Jahr hunderttausend Kinder sterben, wo man doch von sexueller Freizügigkeit und dem Recht der Frau am eigenen Körper so überzeugt ist. Da sind solche Nachrichten einfach unpassend… und werden lieber unter den Tisch gekehrt. Die toten Kinder liegen ja nicht in Haufen zusammengekarrt wie bei Bildern der Opfer von Völkermorden… ihre Zahl ist trotzdem vergleichbar.

101.200 sind denen noch nicht genug

Stattdessen regen sich Interessengruppen darüber auf, dass Abtreibungsärzte nach Paragraph 219a Strafgesetzbuch noch immer keine Werbung für problemlose und gesundheitsunbedenkliche (also bezüglich der Gesundheit der Mutter, und auch das nur angeblich) Tötung von Kindern machen dürfen. Und machen wir uns nichts vor: Die SPD wird in der anstehenden Großen Koalition das Thema auf die Agenda setzen, die CDU wird es zur Gewissensentscheidung deklarieren, und das Parlament wird die Abschaffung dieses Paragraphen – tatsächlich mal ein Gesetz, das sinnvoll ist, weil es Leben schützt – oder dessen Aufweichung zur Unkenntlichkeit beschließen. Das alles wird man im Namen einer völlig pervertierten Freiheit und im Namen eines nicht näher zu beschreibenden Rechtes der Frauen tun. Und wenn Marketingexperten etwas bestätigen, dann wohl: Solche Werbung wird zu einer weiteren Zunahme von Abtreibungen führen… vielleicht keine großen zusätzlichen Zahlen, aber schon ein zusätzliches Kind wäre zuviel.

Niemals diesen Kampf aufgeben

Ich weigere mich, die Hoffnung aufzugeben. Den Kampf um das Lebensrecht ungeborener Kinder mag ich nicht als bereits verloren abhaken. Darum sind Vereine wie 1000plus so wichtig, die nicht nur beratend, sondern auch unterstützend Frauen in der Schwangerschaft zur Seite stehen.

Was aber passieren muss, ist, dass die Zahlen wieder medial präsent werden. Da kann man von den Abtreibungsbefürwortern noch was lernen: Es hilft nur intensives Marketing, die Zahlen müssen immer wieder nach vorne getragen werden. Was wir tun können? Verbreiten wir solche Nachrichten auch außerhalb unserer Filterblase. Setzen wir unsere politischen Vertreter darauf an. Schreiben wir Leserbriefe, die die Praxis des Totschweigens solcher Nachrichten in Frage stellen. Und nicht zuletzt: Widersprechen wir – gelegen oder ungelegen – jeder Trivialisierung dieses Themas, sei es im öffentlichen Raum, sei es unter Freunden. Bei einer Abtreibung stirbt ein Kind! Wer etwas anderes sagt, lügt, wer es nicht hören will, ist ein Heuchler. Immer!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem „Papsttreuen Blog“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Abtreibung

Mehr von Felix Honekamp

Über Felix Honekamp

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige